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Vor 20 Jahren trat Lahnsteins Oberbürgermeister Karl-Heinz Groß in den Ruhestand

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Noch immer vielfältig engagiert

Lahnstein. „Brücken von Mensch zu Mensch geschlagen“ titelte die Rhein-Lahn-Zeitung am 10. Januar 1998 anlässlich der Verabschiedung von Oberbürgermeister Karl-Heinz Groß. Mit 20 Jahren Amtszeit war er der längst amtierende Stadtchef Lahnsteins im 20. Jahrhundert gewesen.

Karl-Heinz Groß wurde am 27. März 1934 in Ahrweiler geboren. Seine juristische Ausbildung führte ihn nach einer kurzen Anwaltstätigkeit in die öffentliche Verwaltung. Die Bezirksregierung Neustadt, die Landratsämter Neustadt und Koblenz sowie die Bezirksregierung Koblenz waren Stationen seines beruflichen Werdegangs, ehe der Leitende Regierungsdirektor 1977 zum Oberbürgermeister der Stadt Lahnstein gewählt wurde. Damals wurde der Oberbürgermeister nicht wie seit 1998 direkt von der Bürgerschaft gewählt, sondern von den Mitgliedern des Stadtrates. Mit seiner Familie wohnte er damals noch in Koblenz-Stolzenfels, wo er Vorsitzender des CDU-Ortsvereins und des Pfarrgemeinderates war; auch saß er für die CDU im Koblenzer Stadtrat.

Am 16. Januar 1978 begann die erste Amtszeit von Karl-Heinz Groß in Lahnstein. Zehn Jahre später wurde er wiedergewählt und startete in seine zweite Amtsperiode, die am 15. Januar 1998 endete.

Zwei Jahrzehnte stand Karl-Heinz Groß an der Spitze der Stadt Lahnstein, die in der Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms 1980 als Mittelzentrum eingestuft wurde. Besonders lagen ihm die Wirtschaftsförderung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Verzahnung von Wirtschaft und Fremdenverkehr am Herzen. So entstand unter anderen in seiner Amtszeit der Ferienpark „Rhein-Lahn“, der heute einen Großteil der Gäste beherbergt.

Karl-Heinz Groß setzte Prioritäten in der Verbesserung der Infrastruktur, im Flächennutzungsplan und in den Bebauungsplänen. Sowohl die Freigabe der Umgehungsstraße B42 (1979), die Freizeit- und Sporthalle in Friedrichssegen (1981) als auch der Neubau der Lahnbrücke (1997) fallen in seine Amtszeit. Im April 1998 konnte dann auch die Brücke Friedrichssegen eingeweiht werden.

Dass er für neue Arbeitsplätze die Rahmenbedingungen erstellte, kann an der Pendlerquote gemessen werden, die auch heute noch positiv ausfällt.

Genügend Wohnraum zu schaffen war ihm ein weiteres Anliegen, dem er sich von 1978 bis 2006 auch als Mitglied im Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft widmete.

Ausbau der Kanalisation und des Klärwerks, Bau der Industriestraße, Bau von Kindergärten, Kauf und Ausbau der Jugendbegegnungsstätte, Stadtsanierung, Ankauf und Sanierung der Hospitalkapelle, Restaurierung und Umbau des Nassau-Sporkenburger Hofs fallen ebenfalls in seine Amtszeit, die leider auch schon von „leeren Kassen“ geprägt war. So musste Groß bereits 1981 eine „besorgniserregend verschlechterte finanzielle Situation der Stadt“ vermelden. Hinzu kam eine schwierige Mehrheitsfindung im Stadtrat: Die Fraktionen von SPD und CDU gaben sich seit der Stadtratswahl 1979 ein Patt, sodass dem CDU-Oberbürgermeister ein besonderes Gewicht zufiel. Dieses nahm noch zu, als die SPD ab 1984 (bis 1994) ein Mandat mehr als die CDU hatte. OB Groß, stets um Konsens bemüht, sorgte für Kontinuität in der politischen Mitte.

Über seine Tätigkeit als Oberbürgermeister hinaus, hatte Karl-Heinz Groß zahlreiche  Ehrenämter inne. So war er von 1989 bis 2004 Mitglied im Kreistag des Rhein-Lahn-Kreises, und darüber hinaus auch Mitglied im Finanzausschuss. Auch in zahlreichen Vereinen war und ist er aktiv, so zum Beispiel im Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde St. Barbara. In der Kaiser-Ruprecht-Bruderschaft, wo er bereits Bruderschaftskanzler war, ist er noch als Kurator tätig und im Förderkreis Hospitalkapelle als 2. Vorsitzender.

Die Partnerschaftsarbeit und damit verbunden die Förderung des europäischen Gedankens lag ihm sehr am Herzen. 1978 wurde die Partnerschaft mit Vence zu einer Dreierpartnerschaft mit der afrikanischen Stadt Ouahigouya ausgebaut. Das besondere Engagement der Stadt Lahnstein wurde während seiner Amtszeit durch die RGE-Plakette (1982), den Friedenspokal „Pax Opitima Rerum“ (1987), die Ehrenfahne des Europarates (1988) sowie die Europamedaille des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (1997) gewürdigt. Noch heute ist er im Vorstand des Partnerschaftskreises Vence-Ouahigouya vertreten.

In seine Amtszeit fällt auch der Beginn der Partnerschaft mit Hermsdorf (1990). Durch seine reichhaltigen Erfahrungen konnten Groß und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung den thüringischen Kollegen/innen vielfältige Unterstützung bieten.

Einige Jahre war Karl-Heinz Groß auch Vorsitzender der VHS-Lahnstein, ein Amt, das er 2007 an seinen Sohn Günter abgab. Über lange Jahre war er Vorsitzender der Vertreterversammlung der GUV Andernach (der heutigen Unfallkasse Rheinland-Pfalz). Ebenso war Karl-Heinz Groß neben dem Städtetag auch im Städte- und Gemeindebund aktiv, als Vorsitzender des Rechts- und Verfassungsausschusses auf Bundesebene sowie im Vorstand auf Landesebene.

Für die Belange der Lahnsteiner Soldaten ist er stets eingetreten. Ihnen blieb er als Ehrenpionier und Ehrenkanonier bis heute verbunden. Groß erhielt das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold (1994) sowie die Korpsmedaille des früheren 3. Korps in Koblenz und des 2. Korps in Ulm (1997). Auch ist er Träger des Ordens „Wider den militärischen Ernst“.

Karl-Heinz Groß ist auch Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Nationalordens der Republik Burkina Faso. Der Kur- und Verkehrsverein dankte ihm mit der Verleihung des Hexenkruges (1978) und des Lehner Ankers (1982).

Seinen (Un-)Ruhestand verbringt Karl-Heinz Groß in Niederlahnstein. Seine Frau Anita, viele Jahre Mitglied im Stadtrat und durch ihr vielfältiges soziales Engagement stadtbekannt, steht ihm seit über 55 Jahren zur Seite. Das Paar hat vier Kinder, zehn Enkel und einem Urenkel.