Sonntag, 22. Oktober 2017

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Mobbing ist Gewalt ohne Schläge

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Netzwerkkonferenz des Kreisjugendamtes

KREIS MYK. Wo hört ein Streit auf und fängt Mobbing an? Was bewirkt Mobbing bei den Betroffenen und was macht es mit dem Umfeld? Wie kann ich dem Opfer bestmöglich helfen? Diese und weitere Fragen stellen sich pädagogische Fachkräfte häufig in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die zehnte Netzwerkkonferenz des Kreisjugendamtes Mayen-Koblenz zum Kinderschutz, Kindergesundheit und Familienbildung stand daher unter dem Leitthema „Mobbing“. Rund einhundert Gäste aus dem Landkreis und der näheren Umgebung folgten der Einladung in die Mendiger Laacher-See-Halle. Neben dem Jugendamt wirken im Netzwerk Kinderschutz Fachkräfte der Polizei, Gerichte, Schulen, Kitas, Schulsozialarbeit sowie aus dem Gesundheitswesen mit.
„Mobbing gibt es in allen gesellschaftlichen Schichten, in jeder Altersstufe und jedem Lebensbereich“, sagt Gabriele Teuner, Netzwerkkoordinatorin Kinderschutz des Kreisjugendamtes. Erschreckend sei jedoch, dass aktuelle Untersuchungen ergeben haben, dass es bereits im Kindergartenalter zu Mobbingverhalten kommt. Spielt sich der Vorgang hier meist noch offen und erkennbar für die Erzieher ab, wird es im Schulalter diffiziler, versteckter und mündet heutzutage oft im anonymen Cybermobbing und Sexting. Für Teuner steht fest: „Sowohl Opfer als auch Täter benötigen die Unterstützung ihres Umfeldes, damit sie aus ihren verfestigten Verhaltensmustern herausfinden.“ Um Mobbing entgegenzutreten, bedarf es aufmerksamer Eltern und Pädagogen, die sich nicht scheuen, hinzuschauen, Beratung anzunehmen und Präventionsprogramme einzusetzen.
Referent Frank Schallenberg ist Pädagoge und Geschäftsführer der Brücke-Köln, einer ambulanten Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Justiz. Als Buchautor und anerkannter Experte auf dem Gebiet des Mobbings führt er regelmäßig zielgruppenbezogene Fort-und Weiterbildungen durch. Schallenberg stellt in seinem Vortrag sowohl Entstehungsmuster, als auch präventive Maßnahmen vor, die Mobbingsituationen verhindern können. „Mobbing ist eine Form wiederholter, offener oder subtiler Gewalt gegen Mitmenschen über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung“, so der Pädagoge.
Besonders schwierig ist es im Fall von „Cybermobbing“, also Mobbing über die sozialen Medien, schnell und angemessen zu reagieren. Pattformen wie Instagram, Facebook oder Snapchat gehören mittlerweile zur Lebenswelt und zum alltäglich Kommunikationsverhalten der Jugend. Sie bergen neben den positiven Aspekten jedoch auch Risiken, da man „anonym“ und ohne jemanden ins Gesicht sehen zu müssen, beleidigen, demütigen oder verspotten kann. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum spricht man von „Cybermobbing“. In lediglich drei bis acht Prozent der Mobbing-Fälle spielt körperliche Gewalt eine Rolle.
Ein von Mobbing Betroffener braucht einen Verbündeten. Dazu Gabriele Teuner: „Das kann ein Erwachsener sein, dem er sich anvertrauen kann. Er sollte dem Jugendlichen verdeutlichen, dass er kein Eigenverschulden an der Mobbingsituation hat.“ Erfahrungsgemäß gibt es im Umfeld des Geschehens immer Kinder oder Jugendliche, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. „Um Mobbing zu beenden, braucht es ein klares Signal dem Täter gegenüber, vorzugsweise aus der eigenen Kinder und Jugendgruppe heraus“, sagt Frank Schallenberg. Den Pädagogen fällt dann die Aufgabe zu, Anstoß zur Verantwortung und Solidarität Einzelner gegenüber dem Opfer zu geben und mit der gesamten Gruppe ein akzeptables soziales Miteinander zu erarbeiten.
Mehr Infos zum Netzwerk Kinderschutz - Kindergesundheit – Familienbildung gibt es bei Gabriele Teuner, Kreisverwaltung Mayen-Koblenz, Tel: 0261/108-392, oder per E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .