Sonntag, 19. November 2017

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Zum 500. Reformationstag: Religionsstatistische Kennzahlen

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Zum 500. Reformationstag: Religionsstatistische Kennzahlen

Rund 1,1 Millionen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer waren 2016 nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Mitglied der evangelischen Glaubensgemeinschaft. Damit war jede bzw. jeder Vierte protestantischen Glaubens. Im Hinblick auf den 500. Reformationstag stellt das Statistische Landesamt in Bad Ems die wichtigsten Statistiken zur evangelischen Religion in einer Kurzpräsentation bereit.

Zur Kurzpräsentation.

Trotz der Bemühungen der Vertretenden der christlichen Glaubensgemeinschaften ging seit Jahren die Zahl der christlichen Kirchenmitglieder zurück. So auch die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder, die zwischen 2006 und 2016 um 142.000 Menschen bzw. elf Prozent sank. Der Austritt aus der christlichen Kirche begründet sich häufig im Ersparnis der Kirchensteuer  sowie in der Pluralisierung von Glaubensgemeinschaften und der Individualisierung von Glauben. Auch durch die zunehmende Mobilität, die Konkurrenzangebote aus Kultur und Freizeit und die Verdichtung des Alltags wird die Wahrnehmung religiöser Angebote zunehmend erschwert.

Weniger Kirchensteuerzahlerinnen und -zahler

In den Gebieten der evangelischen Gliedkirchen Rheinland, Hessen und Nassau sowie Pfalz stieg das Kirchensteueraufkommen in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Fünftel. Die Zunahme ist im Wesentlichen auf die gestiegenen Lohn- und Einkommenssteuereinnahmen zurückzuführen. Der Zuwachs des Kirchensteueraufkommens lag jedoch unter der Entwicklung des Lohn- und Einkommenssteuerbetrags, der zwischen 2004 und 2013 um rund 30 Prozent stieg. Der Unterschied ist auf die aus der Kirche ausgetretenen Steuerzahlerinnen und -zahler zurückzuführen.

Regionale Unterschiede

Rund 5,2 Prozent der in Deutschland lebenden Protestanten wohnen in Rheinland-Pfalz. Den höchsten Anteil an Bürgerinnen und Bürgern mit evangelischer Religionszugehörigkeit haben die Landkreise Kusel (56 Prozent), Birkenfeld (53 Prozent) und Donnersbergkreis (50 Prozent). Besonders niedrig ist der Anteil im Eifelkreis Bitburg-Prüm (sieben Prozent), Trier-Saarburg (acht Prozent) und Cochem-Zell (zehn Prozent).

Mit 1,1 Millionen Mitgliedern der evangelischen Kirche lag der Anteil der Protestanten in Rheinland-Pfalz 2016 bei 28 Prozent. Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten mit 47 bzw. 45 Prozent den höchsten Anteil der evangelischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung, Sachsen-Anhalt (zwölf Prozent) und Brandenburg (15 Prozent) den niedrigsten.

Deutlich weniger junge Menschen mit christlicher Religionszugehörigkeit

Der Rückgang der Zahl der christlichen Kirchenmitglieder zeigt sich auch unter den Kindern und Jugendlichen in den allgemeinbildenden Schulen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einer evangelischen bzw. römisch-katholischen Konfession sank zwischen 2006 und 2016 deutlich (minus 24 bzw. minus 26 Prozent). Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit evangelischer Religionszugehörigkeit an allen Schülerinnen und Schülern sank im selben Zeitraum von 35 auf 30 Prozent.

Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einer evangelischen oder römisch-katholischen Konfession zurückging, nahm neben der Zahl derjenigen ohne Religionszugehörigkeit (plus 36 Prozent) insbesondere die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit islamischer Religionszugehörigkeit zu (plus 43 Prozent).

Evangelische Religionslehre unterrichten – eine Frauendomäne

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2016/17 den evangelischen Religionsunterricht besuchten, lag mit 34 Prozent über dem Anteil der Schülerinnen und Schüler mit evangelischer Religionszugehörigkeit (30 Prozent). Dies begründet sich möglicherweise darin, dass teilweise auch Kinder und Jugendliche, für die kein passender Religionsunterricht angeboten wird, den evangelischen Religionsunterricht wahrnehmen.

Zwischen 2006 und 2016 ging der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die den evangelischen Religionsunterricht besuchten, zurück. Auffällig ist, dass der Rückgang des Anteils der Schülerinnen und Schüler mit evangelischer Religionsangehörigkeit (minus 4,2 Prozentpunkte) stärker ausfiel als die Abnahme des Anteils der Teilnehmenden am evangelischen Religionsunterricht (minus 2,4 Prozentpunkte).

Eine Besonderheit des evangelischen Religionsunterrichts ist, dass die evangelische Religionslehre meist von Frauen vermittelt wird. Von den rund 3.200 hauptamtlichen und hauptberuflichen Lehrkräften mit einer Lehrbefähigung für evangelische Religionslehre waren 2016/17 rund 83 Prozent Frauen.

Nachwuchsförderung: Theologische Studienangebote in Rheinland-Pfalz

An rheinland-pfälzischen Hochschulen wurden im Wintersemester 2016/17 fünf religions- oder kirchenbezogene Studienfächer angeboten. Rund 570 Studierende belegten als erstes Studienfach die katholische Theologie, gefolgt von 353 Studierenden der evangelischen Theologie. Den Studiengang „Praktische Theologie“, der zum katholischen Gemeindereferenten bzw. zur katholischen Gemeindereferentin qualifiziert, studierten 53 junge Menschen in Rheinland-Pfalz. Weitere 17 junge Erwachsene belegten das Studienfach „Kirchenmusik“ und drei Personen den auslaufenden Studiengang „Islamkunde/Islamische Philologie“.

Das Studium der evangelischen Theologie wird in Rheinland-Pfalz an der Universität Mainz und an der Universität Koblenz-Landau angeboten. Während die Studierendenzahl zwischen 2006 und 2010 zunächst stieg, ging sie in den Folgejahren zwischen 2010 und 2016 um 32 Prozent zurück. Insgesamt studierten in Rheinland-Pfalz mehr Frauen (60 Prozent) als Männer (40 Prozent) evangelische Theologie.

Weitere Darstellungen religionsstatistischer Kennzahlen finden Sie in der Internetpräsentation Religionsstatistik zum 500. Reformationstag. Die vollständige Veröffentlichung kann kostenfrei als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Häufigkeitsangaben zur Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche wurden den Angaben der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) entnommen. Zur Darstellung der Anteile an der Bevölkerung wurden Daten aus der amtlichen Bevölkerungsstatistik vom 31.12.2015 zugespielt.
Daten zur Religionszugehörigkeit in der Bevölkerung nach Landkreisen und kreisfreien Städten wurden der Melderegisterstatistik der Gesellschaft für Kommunikation und Wissenstransfer (KomWissGmbH) aus dem Einwohnerinformationssystem EWOISneu entnommen. Zur Darstellung der Anteile an der Bevölkerung wurden Daten aus der amtlichen Bevölkerungsstatistik vom 31.12.2015 zugespielt.
Zur Darstellung der Daten von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern wurde die amtliche Statistik der allgemeinbildenden Schulen, für die Angabe der Studierenden die amtliche Studierendenstatistik und für die Abbildung der Kirchensteuer die Daten der amtlichen Steuerstatistik verwendet.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Schulen, Hochschulen, Berufsbildung)