Donnerstag, 27. Juli 2017

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Überdurchschnittlich hohe Bedeutung der Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft erbringt einen bedeutenden Beitrag zur Wirtschaftsleistung in Rheinland-Pfalz. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes lag ihre Bruttowertschöpfung 2016 bei 14,2 Milliarden Euro. Das waren 11,3 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung, die im Land erstellt wird (Länderdurchschnitt: 10,1 Prozent).

Die Gesundheitswirtschaft wächst sehr dynamisch. Zwischen 2008 und 2016 ist ihre Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz preisbereinigt um 23 Prozent gestiegen, während die gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung in diesem Zeitraum lediglich um zehn Prozent zunahm. Mit dieser Wachstumsdynamik lag Rheinland-Pfalz im Vergleich der Länder an fünfter Stelle. Zu dieser Entwicklung trug wesentlich der zentrale Bereich „Gesundheits- und Sozialwesen“ bei, zu dem u. a. die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung in Arztpraxen und Krankenhäusern zählt. So belief sich der Anteil des Gesundheits- und Sozialwesens an der Wertschöpfung der rheinland-pfälzischen Gesundheitswirtschaft im Jahr 2014 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – auf 61 Prozent (Länderdurchschnitt: 68,3 Prozent).

Die Gesundheitswirtschaft hat eine große Bedeutung für den Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz. Da Teile der Branche sehr personalintensiv sind, lag der Anteil dieses Querschnittsbereichs an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen im Jahr 2016 mit 14,5 Prozent über dem Wertschöpfungsanteil. Im Durchschnitt der Länder belief sich der Anteil der Gesundheitswirtschaft an den Erwerbstätigen auf 13,5 Prozent. Von 2008 bis 2016 ist die Zahl der Erwerbstätigen in der Branche in Rheinland-Pfalz um 17,8 Prozent gestiegen (Erwerbstätigkeit insgesamt: plus 4,9 Prozent). Damit lag das Land im Vergleich der Bundesländer gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen auf Rang fünf.

Die Ergebnisse beruhen auf dem Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz, mit dem die Arbeitsgruppe „Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder“ (AG GGRdL) vergleichbare Daten zur Wertschöpfung und Erwerbstätigkeit für alle Bundesländer erstellt.

Als Gesundheitswirtschaft wird die wirtschaftszweigbezogene Abgrenzung der AG GGRdL nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige 2008 (WZ 2008) verstanden. Weitergehende Informationen – auch zu der Berechnungsmethode – sind der Internetseite der Arbeitsgruppe www.ggrdl.de zu entnehmen.

Autorin: Melanie Nofz (Referat Analysen, Auftragsarbeiten, FDZ)

Bauhauptgewerbe im Mai 2017: Aufträge niedriger, Umsätze etwas höher als im Vormonat

Das rheinland-pfälzische Bauhauptgewerbe verzeichnete im Mai 2017 weniger Aufträge und höhere Umsätze als im Vormonat. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gingen die Auftragseingänge im Vergleich zum April 2017 – kalender- und saisonbereinigt – um 8,5 Prozent zurück. Der baugewerbliche Umsatz erhöhte sich dagegen leicht um 0,5 Prozent. Gegenüber den ersten fünf Monaten 2016 zog das Ordervolumen um 13,1 Prozent an, der Umsatz stieg um 11,8 Prozent.

Auftragseingänge nach Bauart und Auftraggeber

Im Vergleich zum April 2017 verringerte sich die Nachfrage nach Bauleistungen im Hochbau um 3,0 Prozent. Im Tiefbau gingen die bereinigten Auftragseingänge sogar um 13,9 Prozent zurück. In allen Baubereichen fielen die Auftragseingänge niedriger aus als im Vormonat. Im sonstigen öffentlichen Tiefbau (minus 22,4 Prozent) sowie im gewerblichen Tiefbau und im Straßenbau (jeweils minus 11,5 Prozent) sanken die bereinigten Auftragseingänge am stärksten. Die geringsten Auftragseinbußen errechnen sich dagegen für den gewerblichen Hochbau (minus 0,5 Prozent). Gegenüber den ersten fünf Monaten 2016 wurden sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau kräftige Auftragszuwächse registriert (plus 17,0 bzw. plus 9,7 Prozent).

Baugewerblicher Umsatz nach Bauart und Auftraggeber

Im Vergleich zum April 2017 erhöhten sich die bereinigten Erlöse im Tiefbau um 1,8 Prozent. Für den Hochbau errechnet sich dagegen ein Rückgang um 0,9 Prozent. Am stärksten legten der sonstige öffentliche Tiefbau sowie der gewerbliche Tiefbau zu (plus 6,6 bzw. plus 4,6 Prozent). Sinkende Umsätze verzeichneten der öffentliche Hochbau sowie der Straßenbau (minus 9,2 bzw. minus 2,2 Prozent). Gegenüber den ersten fünf Monaten 2016 zogen die baugewerblichen Umsätze sowohl im Tiefbau als auch im Hochbau deutlich an (plus 13,9 bzw. plus 9,8 Prozent).

Mit der Konjunkturmeldung im Bauhauptgewerbe wird die monatliche Entwicklung der Auftragseingänge sowie des baugewerblichen Umsatzes im Bauhauptgewerbe insgesamt, in den Teilbereichen Hochbau und Tiefbau sowie in der Gliederung nach Bauart und Auftraggeber bereitgestellt. Um kurzfristige Veränderungen aufzuzeigen, liegt der Schwerpunkt der Berichterstattung auf dem Vergleich der kalender- und saisonbereinigten Werte mit dem jeweiligen Vormonat. Ergänzend werden die Veränderungsraten zum jeweiligen Vorjahresmonat oder zum jeweiligen Vorjahreszeitraum angegeben. Weitere Erläuterungen

Autor: Thomas Kirschey (Referat Analysen, Auftragsarbeiten, FDZ)

Erntegespräch 2017

Einbußen durch Trockenheit – Ernte wird zügig durchgeführt

Welschbillig. Das Jahr 2017 war wieder ein Jahr der Extreme. Ein viel zu warmer März, ausgeprägte Trockenperioden im April und Mai sowie eine Frostnacht Ende April haben der Landwirtschaft schwer zugesetzt. „Ohne das wechselhafte Wetter ab Mitte Juni hätte die Landwirtschaft mit einer ausgeprägten Missernte rechnen müssen“, erklärte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, während des diesjährigen Erntegespräches vor Vertretern der Politik, des Landeshandels, Bauern und Medienvertretern auf dem Gelände der LSL Agri in Welschbillig.

Zu Beginn der Konferenz kritisierte Horper Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die den praxisgerechten Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft ignoriere und Schutzmaßnahmen pauschal verneine: „Die Nahrungsmittel sind gesund und rückstandsfrei. Pflanzenschutzmittel werden von ausgebildeten Fachleuten eingesetzt, nämlich unseren Bäuerinnen und Bauern. Außerdem sorgen die Bauern mit Ackerrandstreifen, Greening-Maßnahmen und weiteren Agrarumweltmaßnahmen für Artenvielfalt im ländlichen Raum. Probleme bei der Artenvielfalt müssten bei den Wurzeln gepackt werden, nämlich bei der Versiegelung und Durchschneidung land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Außerdem führe der Klimawandel zu einer Verschiebung der Temperatur- und Niederschlagsmengen, was die Artenvielfalt beeinflusse.

Der Frühling 2017 war mit 2,1 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel zu warm. Die Niederschlagsmenge mit insgesamt 125 Liter pro Quadratmeter in Rheinland-Pfalz erreichte lediglich 64 Prozent der Niederschlagsmenge. Dabei seien dies nur Durchschnittswerte, erklärte Horper. Die Eifel weise mit unter 20 Litern pro Quadratmeter im April noch deutlich schlechtere Niederschlagswerte auf. Ähnliches gelte auch für den Raum Bad Kreuznach. Hunsrück, Westerwald und Taunus hätten ebenfalls unter der Trockenheit gelitten, hätten aber über Gewitterfronten etwas mehr Regen erhalten. Sehr schlimm habe es den Obstbau getroffen, der in der Nacht zum 21. April erhebliche Frostschäden in der Blüte habe hinnehmen müssen. Im Gegensatz zu den Weinreben, die erfrorene Wachstumstriebe teilweise hätten kompensieren können, hätten viele Obstbaubetriebe Totalschäden erlitten: „Daher habe ich mich persönlich für Hilfen für die Obstbauern eingesetzt und die Einstufung als Naturkatastrophe gefordert. Landwirtschaftsminister Dr. Volker Wissing entsprach dem Ansinnen und hat Steuerstundungen, günstige Darlehen sowie finanzielle Hilfen bis 10.000 Euro für die betroffenen Betriebe ermöglicht.“

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IHK-Karriereatlas: Neue Option für potenzielle Bewerber in der Region

Arbeitgeber, mittelständisch, sucht: Der neue Karriereatlas der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier dreht den Spieß einmal um.
In der Broschüre haben zahlreiche Unternehmen aus verschiedenen Branchen die Gelegenheit genutzt, sich potenziellen Bewerbern vorzustellen.
Neben kurzen Firmenportraits finden sich im IHK-Karriereatlas vor allem Informationen zu Berufen, die im jeweiligen Unternehmen immer wieder gesucht werden. „Das ist eine tolle Gelegenheit für alle, die sich über die Einstiegschancen bei regionalen Unternehmen informieren möchten“, sagt Martina Becker, Referentin für Fachkräftesicherung der IHK Trier.

Als weitere Informationen erfahren mögliche Bewerber, welche Zusatzleistungen vom Unternehmen angeboten werden und ob beispielsweise auch eine Bewerbung für eine Bachelor- oder Masterarbeit oder ein Praktikum aussichtsreich sein könnte. „Das ist nicht nur für Fachkräfte interessant, die sich beruflich in der Region Trier neu orientieren möchten. Auch für Studierende und angehende Absolventen bietet der Karriereatlas viele spannende Jobmöglichkeiten“, sagt Becker.

Die Broschüre gibt es kostenlos bei der IHK Trier oder als PDF im Internet: www.ihk-trier.de

Weitere Informationen bei: IHK Trier, Martina Becker, Telefon (06 51) 97 77-9 10, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Wie gehen Zentralbanken mit Unsicherheit um?

Volkswirtschaftler der Universität Trier schließen Lücke in theoretischen Modell und berechnen das realpolitische Verhalten von Zentralbanken. Durch den Einbezug der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft können sie deren Verhalten genauer vorhersagen.

Die Erwartungen über zukünftige Entwicklungen der Wirtschaft spielen in der Geldpolitik eine zentrale Rolle. Typischerweise stellen sich die Effekte geldpolitischer Entscheidungen erst nach 12 bis 24 Monaten in der Realwirtschaft ein. Das bedeutet, wenn eine Zentralbank heute eine Entscheidung über den Leitzins oder andere geldpolitische Maßnahmen trifft, wird diese Entscheidung die Inflation und das Bruttoinlandsprodukt erst mit einer erheblichen Zeitverzögerung beeinflussen. Somit muss die Zentralbank ihre Entscheidungen auf Basis ihrer Erwartungen treffen, die unsicher sind.

Das Neu-Keynesianische Modell, das als formalisierte Basis für geldpolitische Entscheidungen dient, abstrahiert aber weitestgehend von der Unsicherheit makroökonomischer Erwartungen. Diese Vereinfachung hat bereits vor Ausbruch der Finanzkrise der damalige Präsident der US-Amerikanischen Federal Reserve, Alan Greenspan, kritisiert. Er führte an, dass Zentralbanker in der Praxis nicht nur die Erwartungen an sich, sondern auch die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung im Blick haben (American Economic Review 2004).

Diese Lücke zwischen der geldpolitischen Praxis auf der einen Seite und den theoretischen Modellen für geldpolitische Entscheidungen auf der anderen Seite schließen Christian Bauer und Matthias Neuenkirch in ihrer im Journal of International Money and Finance erschienen Studie.

In einem ersten Schritt leiten die beiden Trierer Volkswirtschafts-Professoren eine Erweiterung des Neu-Keynesianischen Modells her, die die in der geldpolitischen Praxis offensichtlich relevante Unsicherheit über die makroökonomischen Erwartungen explizit miteinbezieht. In einem zweiten Schritt testen die beiden Forscher ihr erweitertes Modell empirisch für die Bank of England, die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve.

Bauer und Neuenkirch zeigen in ihrer durch die Deutsche Bundesbank, der Hauptverwaltung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland geförderten Studie, dass die Modellerweiterung das tatsächliche Verhalten von Zentralbanken besser beschreiben kann als ein Modell ohne Einbezug von Unsicherheit. Für die Europäische Zentralbank finden die beiden Forscher heraus, dass sie in Zeiten höherer Unsicherheit über die Entwicklung der Inflation in der Zukunft dazu tendiert, den Leitzins zu senken bzw. die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen auszuweiten.

Der vollständige Aufsatz kann unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0261560617301389 abgerufen werden. Eine frei zugängliche Arbeitspapier-Version steht hier bereit:

https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/EWF/Research_Papers/2015-05.pdf.

 

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