Mittwoch, 20. September 2017

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Wie gehen Zentralbanken mit Unsicherheit um?

Volkswirtschaftler der Universität Trier schließen Lücke in theoretischen Modell und berechnen das realpolitische Verhalten von Zentralbanken. Durch den Einbezug der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft können sie deren Verhalten genauer vorhersagen.

Die Erwartungen über zukünftige Entwicklungen der Wirtschaft spielen in der Geldpolitik eine zentrale Rolle. Typischerweise stellen sich die Effekte geldpolitischer Entscheidungen erst nach 12 bis 24 Monaten in der Realwirtschaft ein. Das bedeutet, wenn eine Zentralbank heute eine Entscheidung über den Leitzins oder andere geldpolitische Maßnahmen trifft, wird diese Entscheidung die Inflation und das Bruttoinlandsprodukt erst mit einer erheblichen Zeitverzögerung beeinflussen. Somit muss die Zentralbank ihre Entscheidungen auf Basis ihrer Erwartungen treffen, die unsicher sind.

Das Neu-Keynesianische Modell, das als formalisierte Basis für geldpolitische Entscheidungen dient, abstrahiert aber weitestgehend von der Unsicherheit makroökonomischer Erwartungen. Diese Vereinfachung hat bereits vor Ausbruch der Finanzkrise der damalige Präsident der US-Amerikanischen Federal Reserve, Alan Greenspan, kritisiert. Er führte an, dass Zentralbanker in der Praxis nicht nur die Erwartungen an sich, sondern auch die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung im Blick haben (American Economic Review 2004).

Diese Lücke zwischen der geldpolitischen Praxis auf der einen Seite und den theoretischen Modellen für geldpolitische Entscheidungen auf der anderen Seite schließen Christian Bauer und Matthias Neuenkirch in ihrer im Journal of International Money and Finance erschienen Studie.

In einem ersten Schritt leiten die beiden Trierer Volkswirtschafts-Professoren eine Erweiterung des Neu-Keynesianischen Modells her, die die in der geldpolitischen Praxis offensichtlich relevante Unsicherheit über die makroökonomischen Erwartungen explizit miteinbezieht. In einem zweiten Schritt testen die beiden Forscher ihr erweitertes Modell empirisch für die Bank of England, die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve.

Bauer und Neuenkirch zeigen in ihrer durch die Deutsche Bundesbank, der Hauptverwaltung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland geförderten Studie, dass die Modellerweiterung das tatsächliche Verhalten von Zentralbanken besser beschreiben kann als ein Modell ohne Einbezug von Unsicherheit. Für die Europäische Zentralbank finden die beiden Forscher heraus, dass sie in Zeiten höherer Unsicherheit über die Entwicklung der Inflation in der Zukunft dazu tendiert, den Leitzins zu senken bzw. die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen auszuweiten.

Der vollständige Aufsatz kann unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0261560617301389 abgerufen werden. Eine frei zugängliche Arbeitspapier-Version steht hier bereit:

https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/EWF/Research_Papers/2015-05.pdf.

 

Verkaufsoffene Sonntage: Neue gesetzgeberische Handlungsspielräume nutzen!

Ludwigshafen. Die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz stellt angesichts der bundesweiten kontroversen Diskussion um verkaufsoffene Sonntage ein neues Gutachten vor, das bisher nicht genutzte Spielräume für die Zulassung verkaufsoffener Sonntage aufzeigt. Anlass waren gerichtliche Verbote bereits geplanter verkaufsoffener Sonntage. Der Grund für diese Verbote war meist die rechtliche Regelung, dass diese zwingend mit einem konkreten Anlass verbunden sein müssen, der seinerseits auch noch mehr Besucher anziehen muss, als der verkaufsoffene Sonntag für sich genommen.

„Die Landesregierung ist in der Pflicht, in Rheinland-Pfalz auch künftig bis zu vier verkaufsoffene Sonntage jährlich je Kommune zu ermöglichen – und das mit möglichst geringem bürokratischen Aufwand“, so Jürgen Vogel, handelspolitischer Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz.

Das Gutachten der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz zeigt auf, wie künftig verkaufsoffene Sonntage rechtssicher genehmigt werden können. „Wir wollen nicht den Sonntagsschutz in Frage stellen“, erklärt Vogel, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Pfalz. „Vielmehr geht es darum, dass endlich wieder Rechtssicherheit bei der Genehmigung verkaufsoffener Sonntage herrscht und unsere Zentren auch künftig die Möglichkeit haben, sich an bis zu vier Sonntagen gemeinsam zu präsentieren.“

Das Rechtsgutachten, das der Düsseldorfer Staatsrechtler Prof. Dr. Johannes Dietlein für die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz und sieben weitere IHK-Landesarbeitsgemeinschaften erstellt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass die gesetzgeberischen Gestaltungsmöglichkeiten mit der derzeitigen engen Regulierung keineswegs ausgeschöpft werden.

Neu ist vor allem die im Gutachten aufgezeigte Möglichkeit, als Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag nicht zwingend einen Markt, eine Messe oder eine Ausstellung vorauszusetzen. Vielmehr können auch Gründe des Gemeinwohls eine Sonntagsöffnung rechtfertigen. Dies kann zum Beispiel das Ziel der Stärkung der Innenstädte und des dortigen Einzelhandels sein – gerade auch mit Blick auf den verschärften Wettbewerb stationärer Verkaufsstellen mit dem Onlinehandel. „Hier sehen wir den Gesetzgeber gefordert, diese Erkenntnis aufzunehmen und das Landesladenöffnungsgesetz entsprechend anzupassen“, so Vogel.

Die Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen ist durch das Grundgesetz als „Regelfall“ geschützt, sodass auch der Handel normalerweise nicht öffnen darf. Vier Mal im Jahr kann davon eine Ausnahme gemacht werden; dies aber nur dann, wenn ein entsprechender Anlass vorliegt – so die aktuelle Gesetzeslage in Rheinland-Pfalz.

Prof. Dr. Johannes Dietlein hat an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre inne.

Das Rechtsgutachten zu den gesetzgeberischen Spielräumen bei der Regelung von Ladenöffnungen an Sonn- und Feiertagen ist im Internet zu finden: www.ihk-rlp.de.

Frostschäden im Obstbau

Abgabe von Schadensmeldungen bis zu 28. Juli möglich!

Mainz. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau mitteilt, können ab sofort landwirtschaftliche Unternehmen mit Erwerbsobstbau, die aufgrund von Schäden durch Spätfröste im April 2017 in ihrer Existenz bedroht sind, ihre Schäden an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) melden. Zur Meldung wurden auf der Homepage der ADD entsprechende Formulare eingestellt.

Auch über die Homepage des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV) www.bwv-net.de kann der Antrag heruntergeladen werden.

Die Schadensmeldung muss bis Freitag, den 28.07.2017 erfolgen. Nach der Schadensmeldung und der Prüfung der Angaben durch die ADD und eine von dieser eingesetzten Schadenskommission können dann Anträge zur Zahlung einer Finanzhilfe durch das Land Rheinland-Pfalz gestellt werden. Dabei gelten folgende Bedingungen: Die Schäden für den gesamten Betriebszweig Obstbau müssen mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung erreichen. Es muss ein Mindestschaden von 3.000 € entstanden sein. Der Zuschuss beläuft sich auf ein Drittel der festgestellten Schadenssumme, höchstens 10.000 Euro. Der BWV hat sich für die Einstufung der genannten Frostsituation als Naturkatastrophe eingesetzt. Präsident Michael Horper begrüßte die Information des Landwirtschaftsministeriums, kritisierte aber die Deckelung der Hilfen bei 10.000 Euro. Gerade größere Betriebe hätten weitaus höhere wirtschaftliche Schäden zu beklagen.

Das Ministerium weist darauf hin, dass vor der Bewilligung der Finanzhilfe jeweils geprüft wird, in welchem Maße das Unternehmen durch die aufgetretenen Schäden in seiner Existenz betroffen ist. Hierzu sind im Antrag die Vermögensverhältnisse und Einkünfte des Unternehmens einschließlich ggf. vorhandener nichtlandwirtschaftlicher Vermögen und Einkünfte darzustellen.

Von Valencia an die Mosel

Frischgebackene Fleischergesellen starten in berufliche Zukunft

Zell/Koblenz. 2014 starteten Tomas Lucas Perez und Alfonso Martinez ihr persönliches Abenteuer in Deutschland. Über das Projekt MobiPro-EU der Handwerkskammer Koblenz bereiteten sie sich in Spanien auf ihre Ausbildung zum Fleischer vor. 600 Stunden Sprachförderung im Herkunftsland und ein Orientierungspraktikum bei der Globus GmbH in Zell an der Mosel später stand für beide fest: „Wir wagen das Abenteuer Ausbildung in Deutschland.“

Im ersten Ausbildungsjahr wurden mit den Betreuern der Handwerkskammer (HwK) Koblenz und den Verantwortlichen im Betrieb viele Gespräche geführt, besonders dann wenn das Heimweh zu stark wurde oder die Sprachbarrieren in der Berufsschule zu hoch wurden. Daneben besuchten die beiden Auszubildenden an sechs Stunden in der Woche sprach- und fachtheoretische Förderangebote der HwK Koblenz in der Moselakademie Cochem.

Nach drei Jahren ist es nun geschafft. Tomas und Alfonso erhalten den begehrten Gesellenbrief. Und die vielen Stunden in Sprachkurs und Berufsschule haben sich für die beiden gelohnt. Mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Globus GmbH in Zell in der Tasche planen beide nun auch ihre Zukunft in Rheinland-Pfalz, das für sie bereits zur zweiten Heimat geworden ist.

Das Projekt MobiPro-EU wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert. Dank der Mitarbeit der Arbeitsagentur Koblenz-Mayen kann ein weiterer Erfolg in Sachen Mobilität in Europa verbucht werden.

Landwirtschaft

Schadensmeldung nach Spätfrösten ab sofort möglich

Obstbaubetriebe, die durch die Spätfröste im April existenzbedrohende Schäden erlitten haben, können ab sofort ihre Schäden bei der ADD melden.

Landwirtschaftliche Unternehmen mit Erwerbsobstbau, die aufgrund von Schäden durch Spätfröste im April 2017 in ihrer Existenz bedroht sind, können von heute an ihre Schäden an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) melden. Dies teilte das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau mit. Zur Meldung wurden auf der Homepage der ADD entsprechende Formulare eingestellt. Ein ebenfalls eingestelltes Merkblatt erläutert das Verfahren.
https://add.rlp.de/de/themen/foerderungen/im-brand-und-katastrophenschutz/gewaehrung-staatlicher-finanzhilfen-elementarschaeden/

Die Schadensmeldung muss bis Freitag, den 28.07.2017 erfolgen. Nach der Schadensmeldung und der Prüfung der Angaben durch die ADD und eine von dieser eingesetzten Schadenskommission können dann Anträge zur Zahlung einer Finanzhilfe durch das Land Rheinland-Pfalz gestellt werden.

Dabei gelten folgende Bedingungen: Die Schäden für den gesamten Betriebszweig Obstbau müssen mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung erreichen. Es muss ein Mindestschaden von 3.000 Euro entstanden sein. Der Zuschuss beläuft sich auf ein Drittel der festgestellten Schadenssumme, höchstens 10.000 Euro.

Das Ministerium weist darauf hin, dass vor der Bewilligung der Finanzhilfe jeweils geprüft wird, in welchem Maße das Unternehmen durch die aufgetretenen Schäden in seiner Existenz betroffen ist. Hierzu sind im Antrag die Vermögensverhältnisse und Einkünfte des Unternehmens einschließlich ggf. vorhandener nichtlandwirtschaftlicher Vermögen und Einkünfte darzustellen.

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