Montag, 19. November 2018

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Nachdenken über Kreativität

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Talkrunde mit Expertinnen und Experten als Vorbote des ersten Kongresses ProKreativität an der Hochschule Koblenz

KOBLENZ. Am 26. September 2018 laden die Hochschule Koblenz sowie die Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz zum ersten Kongress ProKreativität an den RheinMoselCampus in Koblenz in der Konrad-Zuse-Straße 1 ein. Dort werden hochkarätige Referentinnen und Referenten wie der Trendforscher Matthias Horx thematisieren, wie Kreativität entsteht und warum sie so wichtig für Unternehmen und die Zukunft Deutschlands ist. Das Interesse an diesem hochaktuellen Thema ist in der Region rund um Koblenz bereits jetzt besonders groß. Dies bewies eine interessante Talkrunde im Dreikönigenhaus des ISSO-Instituts, bei der hiesige Expertinnen und Experten sich zum Thema „Nachdenken über Kreativität“ engagiert austauschten. In dieser Talkrunde traten ganz verschiedene Aspekte von Kreativität zu Tage.

Dass Kreativität ganz verschiedene Bereiche der Gesellschaft und damit im Grunde alle betrifft, zeigte die große Bandbreite des Podiums, das Moderator Sascha Krause, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Koblenz, Pädagoge und Gründungsmitglied von Atelier mobil e.V., im Dreikönigenhaus begrüßen konnte. Von Seiten der Wirtschaft nahmen der Unternehmer, Stifter und ISSO-Gründer Martin Görlitz, Sabine Mesletzky als Expertin Fachkräfte bei der IHK Koblenz sowie Michael Denck teil, Absolvent der Hochschule, Gewinner Konrad Zuse Zukunftspreis und heute Digital Innovator DB Skydeck. Zudem konnte Teresa Höh für diese Talkrunde gewonnen werden. Sie baut das gerade in der Nähe des Stattstrandes neu entstehende Innovationscenter der DEBEKA (#DICE) mit auf, das in Zukunft ein besonderer Raum für kreatives Arbeiten sein wird.

Die Besetzung des Podiums von Seiten der Hochschule Koblenz belegte die Bedeutung von Kreativität in Forschung und Lehre quer durch ganz verschiedene Fachbereiche und Disziplinen – von Sozial- und Wirtschaftswissenschaften über Ingenieurwissenschaften bis hin zur Kunst. So gehörte Prof. Dr. Daniela Braun der Runde an, Vizepräsidentin für Lehre an der Hochschule Koblenz und renommierte Expertin im Bereich der Kindheits- und Kreativitätsforschung, ebenso wie Professor Dr. Thomas Schnick, der als Dekan den Fachbereich Ingenieurwissenschaften leitet. Ferner teilten Marketingprofessorin Dr. Nicole Krautkrämer-Merkt, Gründerin eines Start-ups für Artificial Intelligence, sowie Nele van Wieringen, Absolventin der Hochschule Koblenz und Leiterin des Keramikmuseums Höhr-Grenzhausen, ihre Ansichten und Gedanken zum Thema Kreativität.

Moderator Sascha Krause ist Gründungsmitglied von Atelier mobil e.V., einem gemeinnützigen Verein, der sich der ganzheitlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen und deren Förderung kreativer und sozialer Kompetenzen verpflichtet hat, verfügt also selbst über eine große Expertise und viel Erfahrung in Sachen Kreativität. Vor diesem Hintergrund  gelang es immer wieder mit gezielten Fragen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Talkrunde auf interessante Weise miteinander ins Gespräch zu bringen. Was ist überhaupt unter Kreativität zu verstehen und welche Tragweite hat diese Kompetenz? Wie können Bildungsinstitutionen und Unternehmen zusammen wirken, um Kreativität zu fördern und nutzbar zu machen?

Das Podium war sich einig, dass Kreativität eine Schlüsselkompetenz der Zukunft und für die Generierung von Innovationen in Unternehmen unverzichtbar ist. Dem Bildungssystem kommt dabei die Rolle zu, Kreativität abseits von statischen Lehrplänen stärker zu fördern als bislang. In diesem Zusammenhang verwies Sascha Krause auf Studien über die hohe Kreativität von Kleinkindern, die im Laufe des Lebens enorm abnehme. Dem gelte es entgegenzusteuern. Für Nele van Wieringen ist die Reizüberflutung ein Grund für den Verlust von Kreativität schon bei jungen Menschen: „Wir müssen wieder lernen uns zu langweilen – so kann Kunst, so können neue Ideen entstehen.“ Michael Denck forderte dazu auf, Kreativität nicht nur bei jungen Menschen zu suchen und zu fördern: „In Unternehmen sind es vor allem die älteren Kolleginnen und Kollegen, deren Erfahrung unerlässlich ist, um die Innovationen letztlich umsetzen zu können.“

Sabine Mesletzky von der IHK betonte, dass die Bedeutung von Kreativität in der Wirtschaft durch den Wandel im Arbeitsleben steigen wird: „Auf dem Fachkräftemarkt wird Kreativität noch nicht explizit als Ressource gehandelt. Dies wird sich ändern: Durch flachere Hierarchien und New-Work-Ansätze in Unternehmen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur mehr kommunizieren, sondern selbst auch kreativer sein.“ – „Natürlich sind nicht alle Ideen verwertbar“, gab Prof. Dr. Daniela Braun zu bedenken, „aber es muss generell darum gehen, in Unternehmen kreative Bereitschaft zu wecken und zu unterstützen.“

ISSO-Gründer Martin Görlitz brachte den in seinem Institut gelehrten Nachhaltigkeitsgedanken in die Debatte ein: „Alle Probleme, die wir aktuell auf dem Globus haben, sind von Menschen gemacht. Wir können Kreativität einsetzen, um diese Probleme wieder aus der Welt zu schaffen und so die Umwelt zu retten.“

Beim Thema Digitalisierung diskutierte das Podium durchaus kontrovers, ob dieser Trend der Entwicklung von Kreativität eher abträglich sein oder diese vielmehr unterstützen könne. „Digitalisierung kann dazu dienen, Menschen das Arbeitsleben zu erleichtern. Aber sie kann Kreativität nicht ersetzen“, so Prof. Dr. Thomas Schnick. Als Beispiel dafür nannte Prof. Dr. Nicole Krautkrämer-Merkt das Thema Pflege, bei der trotz der Automatisierung die menschliche Zuwendung unverzichtbar sei. Diese Meinung vertrat auch Teresa Höh: „Maschinen können standardisierte Prozesse immer besser abwickeln als wir Menschen. Dadurch bleibt uns mehr Raum, um kreativ zu sein.“ Dafür müssten auch äußere Gegebenheiten wie beispielsweise eine inspirierende Arbeitsatmosphäre geschaffen werden.

Diese spannende Talkrunde gab einen schönen Vorgeschmack auf die Tagung ProKreativität, die am 26. September an der Hochschule Koblenz stattfinden wird. Unterstützt wird diese Tagung von Institutionen wie dem ISSO Institute for Social and Sustainable Oikonomics und von der Deutschen Gesellschaft für Kreativität. Redner des Kongresses sind neben Matthias Horx auch weitere Publikumsmagneten wie Prof. Dr. Michael Braungart, Gründer und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Umweltforschungs- und Beratungsinstitut EPEA, Martin Görlitz von der Martin-Görlitz-Stiftung und der Direktor für Bildung und Kompetenzen der OECD, Prof. Dr. Andreas Schleicher. Neben Vorträgen wird es auch verschiedene Workshops für den gemeinsamen Gedankenaustausch und für Studierende ein Assessment Center Training durch die Partnerunternehmen geben. Dem Thema der Tagung folgend verleiht die Deutsche Gesellschaft für Kreativität e.V. im Rahmen der Veranstaltung den CREO 2018, einen Ehrenpreis für kreative Leistung. Moderiert wird der Kongress von SWR-Moderatorin Ulrike Nehrbaß. Weitere Informationen zum Tagungsprogramm sowie zur Anmeldung sind unter www.pro-kreativitaet.de abrufbar.