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Sommerkonzert am Sonntag, den 16. Juni 2019 um 19 Uhr

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Tangomesse in der Florinskirche – der Bach-Chor Koblenz lässt bitten!!

Tango in der Kirche!? Sollte der verruchte Tanz aus den Kneipen von Buenos Aires es wagen, sich etwa mit dem alt-ehrwürdigen, strengen Text der lateinischen Messe zu verbinden? – Unmöglich!

Unmöglich,  dachte Papst Benedikt XV. Er war er sich in seiner Meinung über den sittenverderbenden Tango mit Kaiser Wilhelm II. einig: Man sollte alles tun, um den verruchten Tanz zu verbieten. Doch die Möglichkeiten, ein solches Verbot durchzusetzen, waren begrenzt. So war es den kaiserlichen Offizieren lediglich verboten in Uniform Tango zu tanzen. Rigoroser ging da die Königlich Bayerische Polizeidirektion München vor: sie verbot zu Fasching 1914 den Tango „ein für allemal“. Auch der russische Dichter Tolstoj ließ kein gutes Haar an dem neuen Modetanz und nannte ihn „die Todeshymne des Kapitalismus“.

Doch der Siegeszug des südamerikanischen Tanzes war nicht aufzuhalten. Mit der von Jean Gilbert komponierten Posse  „Die Tango Prinzessin“ hielt der Tango Einzug auf deutschen Bühnen.

Als Wegbereiter des klassischen Tangos in Europa gilt der argentinische Komponist Astor Pantaleón Piazzolla (1921-1992), von dem in diesem Konzert natürlich eine Tango Komposition zu hören sein wird – Adiós Nonino in der Version für Violine und Piano. Das große Verdienst Piazollas liegt darin, dass es ihm gelingt, den Tango  mit der akademischen und bildungsbürgerlichen Tradition der klassischen Musik in Europa zu verbinden.

Ebenfalls aus Argentinien stammt der Komponist  Ariel Ramirez (1921 – 2010). Schon in seiner Jugend interessierte er sich für die indianische und kreolische Volksmusik seines Heimatlandes. Genau in der Zeit, als das Zweite Vatikanische Konzil  erlaubte, als Liturgiesprache in der Heilige Messe auch die jeweilige Landessprache zu benutzen, komponierte Ramirez die Misa Criolla. Der Text entspricht der offiziellen spanischen Messliturgie die einzelnen Teile sind jedoch jeder mit einem anderen Rhythmus versehen, der jeweils aus einer anderen Region Argentiniens stammt. Das Werk ist für zwei Solo-Tenöre, gemischten Chor, Schlagzeug, Klavier, und traditionelle Instrumente der Andenregion eingerichtet.

Mit der Tangomesse, der Misa a Buenos Aires erklingt ein weiteres Werk eines südamerikanischen Komponisten. Martin Palmeri, (*1965) ist in seinen Kompositionen sehr stark vom Meister des Tangos, Astor Piazzolla beeinflusst. Die Misa a Buenos Aires – ‚Misatango‘ ist sein bisher bekanntestes Werk. Sie wurde bereits in vielen Ländern aufgeführt. Die Messe benutzt den traditionellen lateinischen Text und folgt dem klassischen Aufbau einer Messe. Den gemischten Chor begleitet ein Orchester, bestehend aus einem Streichquintett, Piano und Bandoneon, ganz nach dem Vorbild des Tango.

Besonders interessant dürfte die Begegnung mit dem Bandoneon werden. Dieses Instrument  - ursprünglich im Erzgebirge entwickelt – stellt eine Art Handharmonika dar und fand in Deutschland als Klavier des kleinen Mannes rasch Verbreitung. Durch Emigranten aus Europa gelangte das Bandoneon nach Argentinien und wurde zum Instrument für den „Tango Argentino“.

Das Sommerkonzert gestalten der Bach-Chor Koblenz  gemeinsam mit regionalen Solisten und internationalen Instrumentalisten – Mezzosopran, Monica Mascus – Tenöre, Sebastian Haake und Tobias Rathgeber – Piano, Ingrid Wendel - Violine,  Katharina Wimmer –  Bandoneon, Christian Gerber – Gitarre, Pedro Pradoc.

Die Gesamtleitung liegt in den bewährten Händen  von Herman Wagener.

Karten unter  www.ticket-regional.de , bei der Buchhandlung Reuffel unter 0261-30 30 70  und in der Touristik Information Forum Confluentes,  Zentralplatz  unter  0261-19 433.

Weitere Infos unter:  www.bach-chor-koblenz.de Text:  Ulf Rademacher