Digitalisierung: Landkreis geht in die Offensive

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Bürgerportal, smarte Prozesse und Zukunftsausschuss bilden Grundlage für ein innovatives Mayen-Koblenz

KREIS MYK. Als erster Landkreis in Rheinland-Pfalz hat sich Mayen-Koblenz 1996 mit einer eigenen Homepage im Internet präsentiert. Was damals als innovativ galt, ist heute selbstverständlich – und der digitale Wandel schreitet unaufhörlich voran. „Digitalisierung ist ein gesellschaftliches Thema, sie geht uns alle an und wir können uns weder vor ihr versperren, noch sie halbherzig annehmen“, sagt Landrat Dr. Alexander Saftig. Eine der zentralen Herausforderungen ist es, Verwaltungsleistungen für die Bürger digital anzubieten und die gesamte Kommunikation und sämtliche Arbeitsabläufe intern ebenfalls elektronisch und papierlos abzubilden. Auch nach außen hin ist der Landkreis  mit dem neuen Zukunftsbüro der Wirtschaftsförderungsgesellschaft am Mittelrhein (WFG) sowie dem Zukunftsausschuss gut aufgestellt.

Den Pkw bequem am heimischen PC oder am eigenen Smartphone ab- oder ummelden, die Schülerfahrkarte beantragen oder Termine im Kreishaus mit einem Klick vereinbaren – es gibt viele Möglichkeiten, Verwaltungsleistungen online anzubieten. Durch ein „Bürgerportal MYK“, das aktuell gemeinsam mit den Verbandsgemeinden und Städten auf den Weg gebracht wird, sollen die Menschen bei Behördengängen entlastet werden. In einem Flächenlandkreis wie Mayen-Koblenz ist das umso wichtiger, deshalb sieht die Kreisverwaltung – über die rechtlichen Vorgaben in Form des Onlinezugangsgesetzes hinaus – einen klaren Auftrag durch die Bürger. Mit Nachdruck arbeitet die Kreisverwaltung daran, proaktiv Prozesse zu optimieren und in die digitale Welt zu transferieren und wartet nicht erst darauf, dass Land und Bund standardisierte Verwaltungsleistungen in Onlineportalen zu Verfügung stellen. Im Kreishaus gilt die Leitlinie: Organisieren vor Digitalisieren. „Schlechte interne Prozesse bleiben schlecht, auch wenn man sie in eine digitale Welt überträgt“, betont Alexander Saftig.

Froh und dankbar zeigt sich der Landrat darüber, dass der Kreistag im vergangenen Jahr den Weg frei gemacht hat, um eine Koordinierungsstelle Digitalisierung im Kreishaus aufzubauen. Diese Koordinierungsstelle begleitet und treibt alle digitalen Projekte innerhalb der Verwaltung voran. „Hier sind wir ganz nah dran und können passgenaue Lösungen für unsere regionalen Eigenheiten, unsere regionalen Besonderheiten und vielleicht auch regionalen Probleme entwickeln“, sagt Saftig.

Da sich die Digitalisierung auf alle Daseinsbereiche auswirkt, hat sich dafür auch der Landkreis Mayen-Koblenz breit aufgestellt. So wurde mit dem Zukunftsbüro bei der WFG in diesem Sommer eine weitere Institution im Kreishaus geschaffen, die an einer Digitalisierungsstrategie arbeitet und dabei den demografischen Wandel im Blick behält. Nicht zuletzt ist ein Zukunftsausschuss ins Leben gerufen worden, um auch auf politischer Ebene Weichen für die digitale Zukunft im Landkreis zu stellen. Bereits Anfang November hat der Ausschuss seine Arbeit aufgenommen.

„Der Digitalisierungsprozess ist kein Sprint, sondern ein Marathon, umso wichtiger ist es, dass einige Projekte bereits angelaufen sind“, sagt Alexander Saftig und erläutert, dass bereits im Sommer der digitale Rechnungsworkflow erfolgreich im Kreishaus eingeführt wurde. „Rund 300 Mitarbeiter wurden geschult und bearbeiten nun papierlos 42.000 Kassenanordnungen im Jahr. Das spart Ressourcen, Druckkosten, Transportwege und viel Zeit.“

Zur Erarbeitung einer innovativen und zukunftsfähigen Digitalisierungsstrategie für das gesamte Kreisgebiet werden aktuell Workshops durchgeführt. Unterstützt und gecoacht werden Führungskräfte aus dem Kreishaus, Vertreter der Verbandsgemeinden und Städte sowie politischer Gremien des Landkreises dabei durch Christian Mainka vom externen Beratungsunternehmen „City & Bits“ aus Berlin. Bereits im Januar wird dieser Prozess beendet sein. Dann soll entschieden werden, ob für den Landkreis ein Förderantrag aus dem „Smart Cities Programm“ des Bundes gestellt werden soll. Hintergrund: Bereits Anfang 2019 wurde vom Bundesinnenministerium die Ausschreibung des „Smart Cities“-Modellprojektes veröffentlicht. Die Förderkulisse sieht ein Projektvolumen bis zu 10 Millionen Euro bei einer insgesamt siebenjährigen Laufzeit vor. Für den Landkreis Mayen-Koblenz wäre eine Beteiligung an dem Wettbewerb zu diesem Zeitpunkt allerdings zu früh gewesen. Umso wichtiger ist es, nun zielorientiert die Vorbereitungen zur Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie voranzutreiben. „Ich sehe hier echte Chancen für unsere Region, insbesondere für den ländlichen Raum“, betont Landrat Saftig.