Samstag, 29. Februar 2020

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Hochschule Koblenz

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„Aktionstag zur Aufklärung 2.0 – Wir sind dran“ mit Ernst Ulrich von Weizsäcker begeisterte mit engagierten Studierenden

KOBLENZ. Das Motto „Wir sind dran!“ des Aktionstages zur Aufklärung 2.0 an der Hochschule Koblenz haben rund 100 Studierende aus verschiedenen Fachbereichen ganz wörtlich genommen: Selbstbewusst und kreativ formulierten sie ihre Ideen für eine in vielerlei Hinsicht nachhaltige und gerechte Gesellschaft. Fachlich auf hohem Niveau und rhetorisch stark zeigten sie keine Scheu, auf Augenhöhe mit Expertinnen und Experten wie etwa dem prominenten Nachhaltigkeitsforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem Mitgestalter des Bologna-Prozesses, Ulrich Bartosch, dem bekannten Klimaforscher Hartmut Graßl und natürlich auch mit ihren eigenen Professorinnen und Professoren zu diskutieren. Die Veranstaltung, die die Hochschule Koblenz als erste Hochschule bundesweit mit der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW) organisiert und die gleichnamige Veranstaltungsreihe eröffnet hatte, wurde von der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie von dem Koblenzer ISSO-Institut unterstützt.

In den internen Workshops präsentierten die Studierenden beispielsweise Konzepte zur Einsparung von Kohlendioxid im Koblenzer Stadtverkehr, diskutierten über mineralölbasierte Fassadendämmung, entwickelten Visionen für künftige Wohngebiete und stellten das deutsche Bildungssystem in Frage. Neben den Studierenden der Hochschule Koblenz nahmen auch Studierende der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Universität Passau und der Hochschule Emden/Leer teil. Diese Hochschulen wie auch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg werden in den nächsten Monaten gemeinsam mit der VDW weitere „Aktionstage für Aufklärung 2.0“ am jeweiligen Campus organisieren. Abends zeigten die Studierenden im Rahmen eines „Marktes der Möglichkeiten“ die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeiten im Foyer.

Die Idee zu diesen Aktionstagen geht auf das 2018 veröffentlichte Buch „Wir sind dran. Club of Rome: Der große Bericht“ zurück, in dem Ernst Ulrich von Weizsäcker und Anders Wijkman „eine neue Aufklärung für eine volle Welt“ fordern. Die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zu erwartenden Folgen von Klimawandel und abnehmender Artenvielfalt sowie konkrete Gegenmaßnahmen erläuterte der Nachhaltigkeitsforscher in seinem Vortrag „Wir sind dran! Warum es einer Aufklärung 2.0. bedarf!“. Anstatt unaufhaltsam auf die Apokalypse zuzusteuern, habe die Menschheit jetzt noch die Alternative: „Wir haben das Wissen, die erforderlichen Veränderungen umzusetzen, die für den Erhalt der Welt notwendig sind.“ Dafür seien jedoch große Einschnitte unvermeidbar, beispielsweise die Abkehr von der Mär des unaufhörlichen Wirtschaftswachstums. Bei dieser Aufklärung 2.0, die neben den messbaren Fakten auch soziale und ökologische Intelligenz erfordere, setze er vor allem auf die junge Generation. In diesem Zusammenhang berichtete von Weizsäcker von seiner Freundschaft mit Greta Thunberg, die er entgegen anderslautender Medienberichte persönlich als eine sehr bescheidene Person kennengelernt habe: „Ihr ist es sehr wichtig, anderen Menschen zuzuhören.“

Im Anschluss an den Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker fanden im AudiMax und im gegenüberliegenden Hörsaal parallel jeweils zwei thematische Blöcke statt, in denen nach Impulsvorträgen konkrete Forschungsprojekte und Diskussionsrunden auf der Agenda standen. Zur Auswahl standen die Themen Klimawandel und -anpassung, Ökonomie in der großen Transformation, nachhaltige Regionalentwicklung sowie die Zukunft der Stadt, des Bauens und Wohnens.

„Das Thema Nachhaltigkeit wird an der Hochschule Koblenz bereits seit Jahren in verschiedenen Fachbereichen erforscht und auch gelehrt“, betont Eric Mührel, Professor im Fachbereich Sozialwissenschaften, der diesen Aktionstag an der Hochschule Koblenz initiiert hatte. Dazu gehören auch interdisziplinäre Projekte. So forschen die Fachbereiche Sozialwissenschaften und bauen-kunst-werkstoffe gemeinsam an dem Thema nachhaltige Regionalentwicklung, das Prof. Peter Thomé als Architekt und Prof. Dr. Steffen Kröhnert als Sozialwissenschaftlicher gemeinsam vorstellten. Vorangegangen war ein Impulsvortrag der VDW-Geschäftsführerin Maria Reinisch. „Im Fokus steht der Begriff des sozialen Raumes, der auf der einen Seite geplant und gebaut, auf der anderen Seite aber durch die Bewohner sozial genutzt und angeeignet werden soll“, so Kröhnert. Eine solche interdisziplinäre Herangehensweise hat auch der neue Masterstudiengang „Integrierte Orts- und Sozialraumentwicklung“, der im nächsten Jahr an der Hochschule Koblenz an den Start geht. Ebenfalls interdisziplinär ausgerichtet ist der bereits seit vielen Jahren an der Hochschule Koblenz angebotene Bachelorstudiengang Wasser- und Infrastrukturmanagement, dessen Studierende sich insbesondere mit Fragen des Umwelt- und Gewässerschutzes auseinandersetzen.

Zum öffentlichen Teil konnten die Hochschule Koblenz und die VDW auch viele externe Gäste aus der Region begrüßen, die sich für Themen wie Klima, Bildung, Demokratie, Globalisierung und wirtschaftliche Transformation interessierten. Dass in Koblenz Ansätze zu einem nachhaltigeren Leben und Wirtschaften immer mehr in den Fokus rücken, zeigen Initiativen wie die im vergangenen Jahr gegründete Koblenzer Regionalgruppe der „Scientists for Future“. Dessen Initiator Frank Hergert; Professor am Fachbereich Ingenieurwesen der Hochschule Koblenz, berichtete am Aktionstag vom Engagement der Gruppe, insbesondere von der nun startenden Ringvorlesung zum Klimawandel. Martin Görlitz stellte sein ISSO-Institut vor, das sich bereits seit vielen Jahren dem Klimaschutz und weiteren Zukunftsthemen widmet. Mit der Abschätzung von Technologiefolgen beschäftigt sich auch das ebenfalls am Aktionstag vertretene Institut für qualifizierende Innovationsforschung & -beratung (IQIB) aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Unterstützt wurde die Veranstaltung zudem von der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) und der Koblenzer Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz (WWA).