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Konjunkturumfrage der IHK Koblenz

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Leichter Konjunkturaufschwung in ungewissen Zeiten

Koblenz, 12. Mai 2021. Im Frühsommer 2021 zieht die Konjunktur im Bezirk der IHK Koblenz trotz den Herausforderungen durch die Corona-Krise leicht an. Der IHK‑Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage in einem Wert darstellt, steigt um 5 Punkte auf 102 Punkte (Jahresbeginn 2021: 97 Punkte). Damit klettert der IHK-Konjunkturklimaindikator zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise vor einem Jahr in den Bereich von über 100 Indikatorpunkten. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, die auf einem repräsentativen Querschnitt der Wirtschaft von mehr als 480 Betrieben mit über 56.000 Beschäftigten basiert. Die Umfrage wurde vom 29. März bis 3. Mai 2021 durchgeführt.

„Die Wirtschaft steht weiterhin unter Anspannung. Die direkten wie indirekten Auswirkungen der Corona-Krise erzeugen ein diffuses Stimmungsbild. Die Zukunftserwartungen sind weiter sehr verhalten“, so Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz.

Laut Umfrage planen 30 Prozent der Unternehmen ihr Investitionsbudget in den nächsten 12 Monaten zu erhöhen, 24 Prozent möchten ihr investives Engagement hingegen reduzieren. Auch die Beschäftigungsperspektiven haben sich verbessert: Die Beschäftigungsbereitschaft steigt von minus 4 Prozentpunkten zum Jahresbeginn 2021 auf aktuell 5 Prozentpunkte.

Industrie als treibende Kraft im IHK-Bezirk Koblenz

Die Konjunktur wird aktuell maßgeblich von der Industrie getragen, deren Konjunkturklimaindikator 116 Punkte erreicht und sich damit deutlich vom Handel (87 Punkte) und der Dienstleistungsbranche (91 Punkte) abgrenzt. Die Industriebetriebe berichten von einem deutlich gestiegenen Auftragsbestand und einer deutlich erhöhten Kapazitätsauslastung.

„Die Investitionsgüterindustrie ist aktuell mit 129 Punkten Schrittmacher der Konjunktur. Hiervon können stimulierende Effekte ausstrahlen, etwa auf die Vorleistungsgüterindustrie. Demgegenüber stehen die wichtigen Exporterwartungen in der gesamten Industrie, die wieder gesunken sind. Sie zeugen von weiterhin großer Vorsicht und zahlreichen Unsicherheiten, die sich aus Lieferengpässen bei Vorprodukten und knappen Transportkapazitäten auf internationalen Routen ergeben“, erklärt Rössel.

Die konjunkturelle Lage im Handel verbessert sich auf 87 Indikatorpunkte (Vorumfrage 70), wobei der Einzelhandel (Vorumfrage 71 Indikatorpunkte) mit 93 Indikatorpunkte gegenüber dem Großhandel (90 Indikatorpunkte, Vorumfrage 80) etwas besser abschneidet und sich allmählich aus der Schlechtwetterlage herausarbeitet. Der Handel passt seine mittelfristigen Geschäftserwartungen erkennbar nach oben an, dennoch überwiegen die negativen die positiven Meldungen (Frühsommer 2021: minus 16 Prozentpunkte, Jahresbeginn: minus 40 Prozentpunkte). Besorgniserregend ist, dass über 40 Prozent der Unternehmen aus dem Handel und auch dem Dienstleistungsgewerbe von negativen Auswirkungen auf die Finanzlage berichten. Konkret werden der Eigenkapitalrückgang, die Liquiditätsengpässe sowie die drohende Insolvenz als negative Auswirkungen genannt.

„Die behördlich geschlossenen Einzelhändler, Hotels und viele weitere Gewerbetreibende, etwa Fitnessstudios oder Kinos stehen seit Langem mit guten Hygienekonzepten in den Startlöchern und wollen endlich wieder ihrer Geschäftstätigkeit nachgehen“, so Fabian Göttlich, Geschäftsführer Interessenvertretung IHK Koblenz.

Im Dienstleistungsgewerbe fällt das Geschäftsklima von 95 Punkten zum Jahresbeginn 2021 auf aktuell 91 Punkte. Vor allem die personenbezogenen Dienstleistungen verlieren in der Corona-Krise. Lediglich 10 Prozent der Betriebe zeigen sich mit Blick auf die kommenden 12 Monate zuversichtlich. 52 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftstätigkeit.

70 Prozent der Befragten sehen Corona-Krise als Risikofaktor

Das größte Risiko für die Wirtschaft im IHK-Bezirk Koblenz bleibt die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie mit 70 Prozent. Sichtbar zugelegt haben wieder einmal die Energie- und Rohstoffpreise, die von 43 Prozent der Betriebe mit Sorge betrachtet werden. Hier machen sich unter anderem die Einführung der nationalen CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme sowie steigende Ölpreise bemerkbar.  Auf den dritten Platz der Risikoskala setzt sich der Fachkräftemangel, der mit 41 Prozent der Stimmen wieder an Bedeutung gewinnt (Jahresbeginn 2021: 36 Prozent).