Erstmals Erwerbstätigenbefragung

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Regionalrat Wirtschaft veröffentlicht Studie zu Leben und Arbeiten im Rhein-Hunsrück-Kreis

Analyse der regionalen Stärken und Schwächen – Relevanz für Politik und Wirtschaft

Gedacht haben es sich viele, jetzt steht es schwarz auf weiß fest – und das wissenschaftlich belegt: Die Menschen leben und arbeiten gerne im Rhein-Hunsrück-Kreis. Dabei überwiegen die Vorteile klar gegenüber den Schwächen.

Dies ist in aller Kürze das Ergebnis einer Erwerbstätigenbefragung, die in der vergangenen Woche im Kreisausschuss vorgestellt wurde. Im Auftrag des Regionalrates Wirtschaft Rhein-Hunsrück e.V. hat das Umfragezentrum Bonn – Prof. Rudinger GmbH, kurz uzbonn GmbH, erstmals eine repräsentative Studie durchgeführt. Dazu wurden insgesamt 529 Erwerbstätige aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis im Zeitraum vom 25. Mai bis 25. Juni 2020 telefonisch befragt; 300 von ihnen leben im Hunsrück, 229 am Mittelrhein. Gefördert wurde die Befragung als LEADER-Projekt durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

„Unser Ziel war es, herauszufinden, ob die Erwerbstätigen gerne in der Region leben und arbeiten – und warum“, so Achim Kistner, Geschäftsführer des Regionalrates Wirtschaft Rhein-Hunsrück mit Sitz in Simmern. „Die Ergebnisse sind von großem Interesse nicht nur für uns als Wirtschaftsförderer und Regionalentwickler, sondern grundsätzlich für Politik und Wirtschaft – und das gleich aus mehreren Gründen.“

So liefert die Studie erstmals statistisch belegte Informationen für die künftige Arbeit des Regionalrates Wirtschaft als Einrichtung der Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung. Die positiven Aussagen zum Rhein-Hunsrück-Kreis werden beispielweise in die Marketingkampagne GELOBTES LAND einfließen, mit der Fachkräfte und ihre Familien zum Zuzug gewonnen werden sollen. Darüber hinaus liefert die Befragung sowohl der Politik als auch der Wirtschaft, d. h. den regionalen Betrieben, wichtige Erkenntnisse über diejenigen Faktoren, die den (potenziellen) Mitarbeiter*innen besonders wichtig sind – oder eben von nachgeordneter Bedeutung. „In Zeiten des Fachkräftemangels gilt es für die Arbeitgeber, möglichst attraktiv für Arbeitnehmer zu sein“, so Kistner.

Hier die zentralen Ergebnisse der Befragung (Mehrfachnennungen waren jeweils möglich.):

Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist ganz klar eine Wohlfühlregion. Bei den sogenannten Wohlfühlfaktoren werden Spitzenwerte erzielt: 94,4 Prozent der Befragten geben an, sehr gerne oder gerne in der Region zu leben. 90,4 Prozent schätzen die Landschaft und Natur, 85,9 Prozent denken nicht über einen Wegzug nach und 82,5 Prozent würden den Landkreis als Ort zum Leben und Arbeiten weiterempfehlen.

Frauen haben viel häufiger ihre Arbeitsstelle im Kreis, sie fühlen sich hier auch tendenziell wohler als die Männer. Menschen am Mittelrhein und auf dem Hunsrück leben fast gleich gerne in der Region.

36,5 Prozent der Befragten sind Pendler aus dem Kreis. Neun von zehn dieser Gruppe (90,4 Prozent) fahren mit dem Auto zur Arbeit, davon wiederum immerhin jeder 8. als Mitglied einer Fahrgemeinschaft.

41,5 Prozent der Pendler arbeiten außerhalb des Kreises, weil sie dort eine Arbeit gefunden haben. 28,9 Prozent geben an, dass es vor Ort keine Areit für sie gab. 11,9 Prozent pendeln, weil sie woanders mehr verdienen. Übrigens: Am Mittelrhein pendeln deutlich mehr Menschen zur Arbeit und legen größere Distanzen zurück als auf dem Hunsrück.

Wichtig sind den Arbeitnehmer*innen im Job insbesondere eine gute Kommunikation und Wertschätzung. Eine faire Bezahlung steht an dritter Stelle, gefolgt von Flexibilisierung der Arbeitsorganisation, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie moderner Ausstattung des Arbeitsplatzes. Wenig Überstunden spielen eher eine nachgeordnete Rolle.

Gründe, den Kreis zumindest vorübergehend ganz zu verlassen, sind in erster Linie ein Studium (36,1 Prozent) bzw. Schule und Ausbildung (34,5 Prozent) sowie eine neue Arbeitsstelle (31,9 Prozent). Partnerschaft und familiäre Gründe fallen hier kaum ins Gewicht (9,1 und 5,0 Prozent). Grundsätzlich gilt: Je höher der Schulabschluss, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Wegzuges.

Befragt, warum sie (wieder) in den Kreis gezogen sind, gibt es wiederum drei eindeutige Beweggründe: die Arbeitsstelle (28,6 Prozent), die Verbundenheit zu Familie und Freunden vor Ort (26,2 Prozent) und die Partnerschaft (23,8 Prozent). Es folgen die Landschaft/Natur, günstiger/bezahlbarer Wohnraum und Heimatverbundenheit.

Grundsätzlich zu den Stärken und Schwächen der Region befragt, werden erneut drei zentrale positive Punkte genannt: die Landschaft und Natur, das Wandern sowie die Nähe zu Familie, Verwandtschaft und Freunden. Gefolgt vom günstigen Wohnraum und dem Zusammenhalt der Bevölkerung.

Kritik gibt es insbesondere an der Infrastruktur (49 Prozent), der medizinischen Versorgung (13,8 Prozent) sowie den kulturellen Angeboten (9,1 Prozent) – allesamt typische Defizite für den ländlichen Raum.

„Natürlich sind wir selbst von den Stärken des GELOBTEN LANDES überzeugt“, bewertet Achim Kistner die Ergebnisse, „aber von den berufstätigen Menschen im Kreis bestätigt zu bekommen, dass sie gerne hier arbeiten und leben, macht es uns einfacher, mit den Vorzügen der Region zu werben. Durch die Befragung werden neben ganz vielen positiven Bewertungen aber auch ein paar Schwächen offengelegt. Wir, die Politik und die Unternehmen haben also auch ein paar Hausaufgaben bekommen.“

Diese und weitere Ergebnisse der Studie wurden in einem Flyer anschaulich zusammengestellt. Dieser kann persönlich abgeholt werden beim Regionalrat Wirtschaft Rhein-Hunsrück e.V., Koblenzer Str. 3, 55469 Simmern, Telefon: 06761/96442-0, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Eine Online-Version steht als Download auf der Website www.rhein-hunsrueck.de zur Verfügung. Außerdem liegen die Flyer bei der Kreisverwaltung in Simmern aus.