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„Die Leise-Lüge“ / Schienenhilfe misst selbst: Weiterhin laute Güterzüge im Rheintal unterwegs

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Rheintal, 18. Dezember 2020. Die Deutsche Schienenhilfe hat herausgefunden, dass auch nach dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2020 noch laute Güterzüge im Rheintal unterwegs sind. Dabei war der Bevölkerung seit Jahren versprochen worden, dass es ab Ende 2020 nur noch „leise Züge“ geben werde. Doch die Bußgeldvorschriften des Schienenlärmschutzgesetzes wurden wenige Tage vor dem Fahrplanwechsel vom Bundesverkehrsministerium ausgesetzt. Bis Ende 2021 gibt es nun keine Bußgelder, auch wenn es laut bleibt. Und laut ist es weiterhin. Denn die Schienenhilfe hat selbst gemessen.

Zum Messergebnis:

Am Mittwoch, 16. Dezember 2020 fuhren zwischen 10 – 14 Uhr fünf Güterzüge Richtung Süden durch Bad Breisig (linke Rheinstrecke, nahe Koblenz). Gemessen wurde am Bahnhof. Alle fünf Güterzüge waren mit über 70km/h unterwegs. Bei zwei Zügen waren Wagen mit lauten Graugusssohlen dabei. Diese dürften seit dem Fahrplanwechsel gar nicht mehr oder nur noch mit erheblich niedriger Geschwindigkeit fahren. Das aber war nicht der Fall.

Der erste Zug mit überwiegend lauten Graugussohlen fuhr um 10.40 Uhr durch, Beschriftung Lok: Rhenus, Geschwindigkeit viel zu schnell, da ca. 90 km/h. Zudem hatte der Zug Flachstellen (Radunebenheiten) mit einem maximalen Schallpegel von 108 dB. Das entspricht der Lautstärke einer laufenden Kettensäge in einem Meter Entfernung.

Der zweite Zug mit vielen lauten Graugussohlen fuhr um 13.46 Uhr durch, Beschriftung Lok: LINEAS, Beschriftung Waggons: Gefco Autotransporter, Geschwindigkeit erheblich zu schnell, da über 80 km/h. Zudem hatte dieser Zug Flachstellen (Radunebenheiten) mit einem maximalen Schallpegel im Impuls von 102 dB.

Bewertung:

„Das Schienenlärmschutzgesetz hat nicht ausreichend geholfen. Entgegen den Versprechungen fahren immer noch laute Züge durchs Rheintal“, erklärte der Sprecher der Deutschen Schienenhilfe, Dr. Jochen Zenthöfer: „Das Leise-Versprechen ist zur Leise-Lüge mutiert. Es werden wieder laute Weihnachten für die stressgeplagten Bürgerinnen und Bürger im Rheintal! Verantwortlich dafür erscheinen uns Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und sein Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU).“

Zur Messmethodik:

Dank unserer studentischen Unterstützer der Schienenhilfe konnten wir, mithilfe aus dem wissenschaftlichen Bereich entliehener kalibrierter Messgeräte und Mikrofone, den Schallpegel sowie die Impulspegel des vorbeifahrenden Güterverkehrs bestimmen und aufzeichnen. Mit diesen Aufnahmen wurden dann im Nachgang die noch mit Graugusssohlen bestückten Wagen ermittelt.

Aufruf:

Die Deutsche Schienenhilfe ruft alle Bürger im Rheintal auf, mit Handymikrofonen durchfahrende Güterzüge aufzunehmen. Laute Graugussohlen hört man sofort raus. Diese Aufnahmen bitte mit Tag, Uhrzeit und Ort an die lokalen Abgeordneten und die Schienenhilfe senden! Gemeinsam machen wir Druck im Jahr 2021, dem Jahr der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und der Bundestagswahl.

Auch die Schienenhilfe wird zeitnah weitere Messungen rechts- und linksrheinisch durchführen.