Donnerstag, 25. Februar 2021

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Quo vadis St. Josef-Krankenhaus Adenau?

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Leserbrief

"Profit vor Menschlichkeit"

ist die unselige Devise bei den bundesweit rasant zunehmenden höchst verhängnisvollen Krankenhausschließungen, so auch in meiner alten Heimat Adenau.

Transparente, wie die angefügte Beschriftung wurden mitgeführt bei der Demonstration für den dringend notwendigen Erhalt des St. Josef-Krankenhauses in Adenau am 16.11.2019, die die dramatische Entwicklung in der Johanniterstadt am Nürburgring unmissverständlich umschrieben haben. Das alles soll die inzwischen offenbar resignierende Bevölkerung aus ihrer Lethargie wecken und zum aktiven (friedlichen) Widerstand animieren.

Die verantwortlichen politischen Mandatsträger und Parteien vor Ort verhalten sich äußerst zurückhaltend und sind in einem merkwürdigen Schweigen versunken.

Da war zwischendurch von vertraulichen Gesprächen bei der Landesregierung in Mainz und der Betreibergesellschaft Marienhaus GmbH in Waldbreitbach die Rede. Was ist dabei herausgekommen, was ist und war dabei so vertraulich, was darf und soll die schmerzlich betroffene Bevölkerung nicht wissen? Haben der Kreis Ahrweiler mit Landrat Jürgen Pföhler das Krankenhaus offenbar schon längst abgeschrieben, wenngleich am 5.11.2020 die zuständige Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler im Internet gepostet hat, "der (Krankenhaus-) Standort Adenau IST unverzichtbar. Der dortige Träger führt das Krankenhaus. Sofern er die Trägerschaft abgibt, MUSS der Landkreis die Trägerschaft übernehmen oder ein neuer Träger muss gefunden werden."

Was geschieht respektive was ist geschehen?

Wo bleiben die dringenden Antworten und notwendigen Lösungen?

Dieses verhängnisvolle Problem totzuschweigen oder auf die Vergesslichkeit der schmerzlich betroffenen Bevölkerung zu vertrauen oder besser gesagt zu spekulieren, wäre zutiefst verächtlich und darf keinesfalls die letzte krude Lösung sein.

Nur noch die örtliche Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land e.V. kämpft redlich und unermüdlich für einen Fortbestand des Krankenhauses mit Grund- und Regelversorgung.

Wo sind die 14.000 hoffnungsvollen Unterschriften geblieben, die Frau Bätzing-Lichtenthäler in Mainz übergeben wurden? - wer vertraut noch auf das unerträgliche unselige von Augenwischerei geprägte Geschwätz der Landesregierung (Frau Dreyer, Frau Bätzing-Lichtenthäler u.a.), bei Marienhaus in Waldbreitbach wird der fatale Kahlschlag der Krankenhausschließungen auch in der Corona-Krise bis zum bitteren Ende ungebremst fortgesetzt.

Da werden auch von den Nachfolgern des von destruktiven Sanierungsideen getriebenen einstigen Generalbevollmächtigten und sogenannten Gesundheitsökonomen Dr. Thomas Wolfram rücksichtslos endgültige Fakten geschaffen und die Landesregierung sieht tatenlos zu, im Gegenteil es gibt noch höchst dubiose staatliche Sicherstellungszuschläge um den dauerhaften Fortbestand des Krankenhauses zu gewährleisten, danach erfolgt die etappenweise Schließung des Hauses durch die Trägergesellschaft.

Das hat schon die Relevanz von sträflicher staatlicher Geldverschwendung.

Das ist für einen gesunden Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um dem verhängnisvollen Treiben ein Ende zu setzen. Es wurde schon genug verbrannte Erde hinterlassen. Es schaudert einen, solche unsozialen destruktiven Machenschaften erleben zu müssen. Es wurde genug Schaden angerichtet.

Verhängnisvolle Tatsache ist insbesondere, das unser Gesundheitswesen sich mehr und mehr zu einer Gesundheitsindustrie entwickelt, bei der die Ewirtschaftung von Erlösen der zentrale Antrieb ist. Die Krankenversorgung erfolgt nach dem Vorbild industrieller Produktion und verliert dabei den kranken Menschen nahezu völlig aus dem Blick. Das ökonomische Denken ist so vorherrschend, dass es inzwischen schon höchst gefahrenvoll ist, Patient zu werden und zu sein.
Ein Krankenhaus kann nicht gemanagt werden wie eine Autowerkstatt und Menschen können nicht in verwerflicher Weise zu wirtschaftlichen Zahlen degradiert werden.

Das Land Rheinland-Pfalz hat die festgelegte Aufgabe, die bedarfsgerechte flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Krankenhäusern sicherzustellen.
Diese dringend notwendige vorgeschriebene soziale Daseinsvorsorge des Staates ist nahezu komplett verloren gegangen.

Wenn sich nicht bald ein wirksamer (friedlicher) Widerstand in der Bevölkerung organisiert, sieht es düster aus für die Zukunft im bundesdeutschen Gesundheitswesen.

Mit dem renommierten Literaten Bertolt Brecht kann ich immer nur sagen:
"...Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der (eigenen) Mehrheit..."


Hans-Peter Meyer
56130 Bad Ems