Sonntag, 24. März 2019

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Feierstunde im Roentgenmuseum Neuwied

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Politisches und soziales Engagement verbindet diesjÀhrige PreistrÀgerinnen -  Johanna-Loewenherz-Stiftung vergab Stipendien

Asbach, Victoria Elisa Over aus Breitscheid-Hochscheid und Bianca Walther aus Berlin sind die Stipendiatinnen der Johann-Loewenherz-Stiftung des Landkreises Neuwied. Alle vier wurden durch Landrat Achim Hallerbach ausgezeichnet.

Eingestimmt von FEMMES VOKAL, Klang gewordener Freundschaft aus Koblenz, hieß Landrat Hallerbach die zahlreichen GĂ€ste zur diesjĂ€hrigen Verleihung der Stipendien im historischen Saal des Neuwieder Roentgen-Museums willkommen.

„Politisches, soziales und gesellschaftliches Engagement verbindet unsere diesjĂ€hrigen PreistrĂ€gerinnen in besonderer Weise“, wĂŒrdigte Hallerbach das Engagement der jungen Frauen fĂŒr die Gesellschaft. Er setzte die Stipendiatsvergabe in den Fokus der aktuellen politischen und sozialen Situation: „Ich freue mich, dass wir im Jahr der Kommunal- und Europawahlen ein sichtbares Zeichen setzen können: DafĂŒr, dass es sich lohnt, fĂŒr ein demokratisches Miteinander einzustehen oder dieses Tun zu kommunizieren.“

Es gebe einerseits einen gelebten Reichtum an sozialen Möglichkeiten in unserer Gesellschaft. Aber auch die Spannungen seien andererseits in jĂŒngster Zeit unĂŒbersehbar geworden:

„Der Umstand, dass extreme Haltungen (wieder) politikfĂ€hig geworden sind und Menschen den Versuchungen von autoritĂ€ren oder homogenen Gruppierungen erliegen, zeigt uns, wie fragil und anfĂ€llig die Errungenschaften unserer Demokratie sind. Deshalb braucht es gerade jetzt mehr denn je Frauen von einer Geisteshaltung nach dem Vorbild der Johanna Loewenherz: Frauen wie Sie, die einstehen fĂŒr Demokratie, fĂŒr Toleranz und Respekt, fĂŒr die berechtigten Interessen von Frauen und die das Lebenswerk bedeutender Persönlichkeiten sichtbar nach außen tragen.“

Kerstin Schwanbeck-Stephan, die fĂŒr die erkrankte Gleichstellungsbeauftrage Doris Eyl-MĂŒller sprach, portraitierte die vier Stipendiatinnen:

Caroline Brömmelhues wurde von der Neuwieder David-Roentgen-Schule vorgeschlagen. Nach dem Abitur wird sie an dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm des Bundestages teilnehmen und als Austauschgast fĂŒr ein Jahr in den USA leben. Im Anschluss daran beabsichtigt sie, Maschinenbau zu studieren. Die Schule lobt: „Caroline Brömmelhues ist ein sehr gutes Beispiel dafĂŒr, dass junge Frauen auch im gewerblich technischen Bereich Ă€ußerst erfolgreich ihren Weg gehen können und die DurchlĂ€ssigkeit des berufsbildenden Schulwesens fĂŒr ihre eigene Entwicklung nutzen. Dies fĂ€llt vor allem dann besonders positiv auf, wenn dieser Weg, wie im Fall von Frau Brömmelhues, durch ein ganz besonderes soziales und gesellschaftliches Engagement gekennzeichnet ist. Sie macht anderen jungen Frauen Mut“.

Die zweite Schule, die einen Vorschlag eingereicht hat, ist das Rhein-Wied-Gymnasium Neuwied. Victoria Elisa Over möchte Medizin studieren und hat folglich exzellente Noten. Aber nicht nur die Zensuren sind ausgesprochen gut; auch ihre Rhetorik, ihr Sprachtalent, ihre KommunikationsfĂ€higkeit sind ausgezeichnet. Als ReprĂ€sentantin ihrer Schule nahm sie an einer BĂŒhnendiskussion aus Anlass der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin teil. Über mehrere Jahre moderierte sie schulische und außerschulische AnlĂ€sse. Victoria Over wirkte damit als Botschafterin des Rhein-Wied-Gymnasiums und Neuwieds weit ĂŒber die Grenzen der Schule bis auf Bundesebene in die Öffentlichkeit hinein“.

Beiden jungen Frauen ist gemein, dass sie sich weit ĂŒber das Pflichtprogramm einer Schule, sprich anstĂ€ndig lernen und möglichst gute Noten schreiben, hinaus engagieren. Sei es nun in der SchĂŒlervertretung, regional oder auf Landesebene, der Kommunalpolitik oder dem Projekt „Schule ohne Rassismus“.

Dieses Engagement zeichnet auch die dritte Stipendiatin aus: Gabi Krautscheid wurde von der Verbandsgemeinde bzw. der Tafel Asbach vorgeschlagen. Als Rollstuhlfahrerin weiß sie aus eigener Erfahrung was „Barrierefrei“ im Konkreten heißt. Ihr Engagement in der Kommunalpolitik konfrontiert die EntscheidungstrĂ€ger ganz unmittelbar mit der Tatsache, dass Barrierefreiheit nicht unbedingt bĂŒrgerfreundlich oder gar behindertenfreundlich bedeutet: Gabi Krautscheid ist in einigen FachausschĂŒssen ihrer Heimatgemeinde vertreten. Frau Krautscheid engagiert sich trotz ihres eigenen Handikaps als Rollstuhlfahrerin in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens und in sozialen Bereichen, um die Integration von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern.

Sie ist Initiatorin fĂŒr Integrationsmaßnahmen, Ansprechpartnerin fĂŒr Alleinerziehende, Leiterin der MS-Selbsthilfegruppe Asbach und Managerin der Kinder- und Damensportgruppen im TUS Asbach. So ist sie als Rollstuhlfahrerin ein Vorbild fĂŒr MĂ€nner und Frauen, eine Streiterin dafĂŒr, dass Inklusion in den politischen Entscheidungen RealitĂ€t wird.

Die vierte im Bunde, Bianca Walther wurde von der Gleichstellungsbeauftragten der Verbandsgemeinde Puderbach vorgeschlagen. Sie rĂŒckt Frauen in ihren wissenschaftlichen Fokus, die in der Geschichtsforschung nur wenig oder gar keine Beachtung finden. Bianca Walther bezeichnet sich selbst als spĂ€tberufene Geschlechterhistorikerin.

Als diplomierte Konferenzdolmetscherin lag eine Promotion zu Lebensgemeinschaften im BĂŒrgertum natĂŒrlich nicht unbedingt nahe. Aber Bianca Walther sagt selbst: „Dennoch hat mich die Passion fĂŒr ein ganz bestimmtes Fachgebiet nie losgelassen: die Frauenbewegung im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Mich faszinierten die oft streng aussehenden, hochgeschlossenen Damen, die so hartnĂ€ckig und doch lustvoll fĂŒr ihre Rechte und Freiheiten stritten. Ich hatte das GefĂŒhl, dass ĂŒber diese Frauen noch nicht alles gesagt ist und viele von ihnen noch viel zu wenig bekannt sind“.