Mittwoch, 05. August 2020

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Leserbrief

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Ich schäme mich

Am Samstag 11.7. war ich im Bootshaus in Neuwied um mir mit Freund*innen einen Auftritt der Kabarettistin Andrea Volk anzuschauen.

Anwesend waren etwa 50 Personen, die nun mit diversen Themen unterhalten wurden. Es ging um Nachbarschaft, Urlaub und auch schon in der ersten Hälfte des Programmes wurden eine Menge Witze auf Kosten von älteren oder auch übergewichtigen Personen gemacht. Nach der Pause ging es weiter und nun steuerte das Programm auf seinen Höhepunkt zu: eine Viertel Stunde lang machte sich Frau Volk über Musliminnen und Muslime lustig. Da wurde über Kopfbedeckungen gelästert (die Frauen sehen aus wie ein zugeklappter Regenschirm) oder über die Gebetsposition der Muslime, die sie auch als Islamisten bezeichnete (meine schwulen Freunde sind begeistert, denn die schmeißen sich auf den Boden und recken den Hintern in die Luft), so in etwa der Inhalt.

Das Neuwieder Publikum hatte Gefallen daran, gröhlte, klatschte und forderte Zugaben.

Warum ich mich schäme? Nicht wegen des Publikums. Fremdschämen ist mir inzwischen abhanden gekommen. Ich schäme mich, dass ich schweigend zugehört habe, bis zum Ende sitzen blieb und die Veranstaltung dann kommentarlos verlassen habe. Denn wer zu Rassismus schweigt, macht mit. Ich bitte hiermit um Entschuldigung!

Martina Hilger