Montag, 01. März 2021

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Auswirkungen der Pandemie treffen den regionalen Arbeitsmarkt hart

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  • Arbeitslosenquote steigt auf 5,8 Prozent
  • Ein Drittel weniger Stellen vakant
  • Anzeigen ĂŒber Kurzarbeit sinken
  • Prognosen bleiben schwierig

Erste Schritte wurden seit Anfang Mai aus dem Lockdown zurĂŒck in den Alltag gemacht. Langsam nimmt die Wirtschaft ihre TĂ€tigkeit wieder auf. Dennoch: Von NormalitĂ€t kann noch lange keine Rede sein. Dies schlĂ€gt sich auch im Mai auf den regionalen Arbeitsmarkt nieder. Die Arbeitslosenquote steigt im Agenturbezirk Neuwied auf 5,8 Prozent – mit 9.888 Menschen ohne Job verzeichneten die Statistiker im vergangenen Monat einen Anstieg um 692 Personen, im Vergleich zum Vorjahr sind es 2.357 Personen mehr. Damit liegt die Quote 1,4 Prozentpunkte ĂŒber dem Vorjahreswert und 0,4 Punkte ĂŒber der Aprilquote.

„Wir spĂŒren die Auswirkungen der Pandemie in vielen Bereichen unserer Agentur“, sagt Karl-Ernst Starfeld, Leiter der Agentur fĂŒr Arbeit Neuwied. „Nicht nur am Zuwachs der Arbeitslosen wird deutlich, wie schwerwiegend die Folgen der Krise sind. Es werden zudem fast ein Drittel weniger Stellen als im Vorjahr gemeldet. Hinzu kommen die historischen Zahlen in der Kurzarbeit. Erfreulich ist laut Starfeld hingegen, „dass die hiesigen Unternehmen ihre Ausbildungsstellen nicht zurĂŒckziehen, sondern FachkrĂ€ftesicherung durch Ausbildung auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr betreiben wollen.“

Die unmittelbaren Ausfälle von Wirtschaftstätigkeit gerade in Bereichen, die üblicherweise weniger von Konjunkturschwankungen betroffen sind – wie beispielsweise das Gastgewerbe, Dienstleistungen des öffentlichen Lebens oder Einzelhandel, haben dazu gefĂŒhrt, dass insbesondere eher kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse, Arbeitsplätze im Helferbereich und Minijobs, die in vielen der vom Lockdown betroffenen Bereichen stark vertreten sind, weggefallen sind. „Es ist zu beobachten, dass die regionale Wirtschaft noch immer robust genug ist, um ihre FachkrĂ€fte weitgehend zu halten, und auch mit Hilfe von Instrumenten wie Kurzarbeit Arbeitslosigkeit abzuwenden“, so Starfeld.

Im Mai zeigten 173 weitere Unternehmen Kurzarbeit an. 71 Unternehmen sind im Kreis Altenkirchen, 102 im Kreis Neuwied ansĂ€ssig. Im April waren es mit 1.616 Unternehmen, im MĂ€rz mit 1.176 deutlich mehr. „Die meisten Unternehmen, die vom Lockdown in ihrer WirtschaftstĂ€tigkeit eingeschrĂ€nkt waren und sind, haben in den vergangenen zwei Monaten Kurzarbeit angemeldet“, so Starfeld. Hier rechne man mit keinem weiteren explosionsartigen Anstieg mehr. Dennoch: „Zum jetzigen Zeitpunkt eine realistische Prognose zu stellen, bleibt schwierig“, sagt der Agenturleiter. „Wir appellieren weiterhin an die Unternehmen, den bisherigen Kurs fortzusetzen, langfristig zu planen und trotz der schwierigen Situation zu versuchen, ArbeitsplĂ€tze zu erhalten und die bereit gestellten AusbildungsplĂ€tze den aktuellen Problemen zum Trotz zu besetzen, um die FachkrĂ€fte von morgen zu sichern.“

Um passende Auszubildende und Betriebe auch in Corona-Zeiten in gewohnter ZuverlĂ€ssigkeit zusammenzufĂŒhren und junge Menschen bei ihrem Start ins Erwerbsleben zu beraten und zu unterstĂŒtzen, hat die Berufsberatung der Agentur spezielle UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten eingerichtet. Die regelmĂ€ĂŸigen Sprechstunden in den Schulen fallen zwar den Schulschließungen zum Opfer und auch die Agentur selbst ist seit dem 18. MĂ€rz fĂŒr den Publikumsverkehr geschlossen. „Wir stehen jedoch weiterhin fĂŒr unsere Kundinnen und Kunden zur VerfĂŒgung und bieten neue Wege fĂŒr die Beratung an “, sagt Dr. Marianne Wirth, Teamleiterin der Berufsberatung Neuwied. „DafĂŒr haben wir eigens eine Hotline eingerichtet, an die die Jugendlichen sich wenden können und persönlichen Kontakt zu ihrem Berater herstellen können.“ Unter 02631-891 891 ist die Berufsberatung Neuwied tĂ€glich erreichbar. Auch Arbeitgeber werden gebeten, ihre Ausbildungsstellen an den Arbeitgeberservice zu melden. „Wir arbeiten auf Hochtouren, um auf gewohnt hohem Niveau passende Arbeitgeber und Auszubildende zusammenzubringen. NatĂŒrlich stehen wir auch beratend fĂŒr alle Jugendlichen zur VerfĂŒgung, die ihren Abschluss nicht schaffen, ins Ausland gehen wollen oder ein Studium anstreben“, so Dr. Marianne Wirth.

Zum Schluss noch der separate Blick auf die beiden Landkreise, die von der Agentur fĂŒr Arbeit Neuwied betreut werden.

Im Landkreis Neuwied liegt die Arbeitslosenquote mit 5,8 Prozent um 0,4 PunktĂŒber dem Vormonatsniveau und 1,3 Punkte ĂŒber dem Wert des Vorjahres. 5.762 Personen sind hier ohne Arbeit, das ist ein Anstieg um 435 Personen in den vergangenen vier Wochen.

Im Kreis Altenkirchen sind derzeit 4.126 Menschen ohne Job – 257 mehr als im April und 1.042 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,3 Punkte auf 5,7 Prozent, und ĂŒbersteigt die Quote des Vorjahres damit um 1,4 Prozentpunkte.

Übersicht Arbeitsmarkt

aktueller

Monat

Mai 2020

VerÀnderung zum Vormonat

VerÀnderung zum Vorjahresmonat

gesamter Agenturbezirk

Arbeitslose insgesamt

9.888

692

2.357

Arbeitslose SGB III**

4.682

375

1.800

Arbeitslose SGB II*

5.206

317

557

Arbeitslosenquote insgesamt

5,8

0,4

1,4

Zugang Arbeitsstellen

320

125

-142

Bestand Arbeitsstellen

1.925

-377

-968

Landkreis Altenkirchen

Arbeitslose insgesamt

4.126

257

1.042

Arbeitslose SGB III**

2.128

149

798

Arbeitslose SGB II*

1.998

108

244

Arbeitslosenquote insgesamt

5,7

0,3

1,4

Zugang Arbeitsstellen

163

93

-15

Bestand Arbeitsstellen

581

-84

-356

Landkreis Neuwied

Arbeitslose insgesamt

5.762

435

1.315

Arbeitslose SGB III**

2.554

226

1.002

Arbeitslose SGB II*

3.208

209

313

Arbeitslosenquote insgesamt

5,8

0,4

1,3

Zugang Arbeitsstellen

157

32

-127

Bestand Arbeitsstellen

1.344

-293

-612