Montag, 25. März 2019

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Carl-Zuckmayer-Preis 2019

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Dreyer und Menasse: Vorbehaltlose Anerkennung von Fakten gehört zum Wertefundament unserer liberalen Öffentlichkeit

Nach GesprĂ€chen zwischen MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer, dem Kommissionsvorsitzenden Kulturminister Professor Konrad Wolf, Kommissionsmitgliedern und Robert Menasse hat MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer entschieden, den Carl Zuckmayer Preis am 18. Januar 2019 an Robert Menasse zu ĂŒberreichen. Hier die gemeinsame ErklĂ€rung im Wortlaut:

ErklÀrung zur Verleihung des Carl-Zuckmayer-Preises 2019 an Robert Menasse

„Robert Menasse hat sich große Verdienste um die deutsche Sprache erworben, er hat in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes literarisches Gesamtwerk geschaffen, fĂŒr das er zurecht große Anerkennung erhĂ€lt. Sein engagiertes Streiten fĂŒr die europĂ€ische Idee trifft europaweit auf große Resonanz und hat die politische Debatte um die Zukunft der EuropĂ€ischen Union sehr bereichert. In WĂŒrdigung dieses beeindruckenden Wirkens werde ich Robert Menasse am 18. Januar 2019 die Carl-Zuckmayer-Medaille verleihen“, so MinisterprĂ€sidentin Dreyer.

Die öffentliche Diskussion um den Umgang von Robert Menasse mit angeblichen Zitaten von Walter Hallstein hatte einen intensiven Austausch zwischen MinisterprÀsidentin Malu Dreyer, dem Kommissionsvorsitzenden, Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf und Robert Menasse zur Folge.

„Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass die vorbehaltlose Anerkennung von Fakten zum Wertefundament unserer liberalen Öffentlichkeit gehört. Die Bereitschaft, ja die Notwendigkeit, Gewissheiten von Annahmen und Fakten von Meinungen zu trennen, ist fĂŒr das Gelingen einer demokratischen Debatte unerlĂ€sslich“, so Dreyer und Menasse. In einem offenen politischen Austausch mĂŒsse der Konsens gelten, dass in höchstem Maße gewissenhaft und sorgfĂ€ltig mit Zitaten und historischen Tatsachen umgegangen werde.

„Es war ein Fehler von mir, Walter Hallstein in öffentlichen Äußerungen und nicht-fiktionalen Texten Zitate zuzuschreiben, die er wörtlich so nicht gesagt hat. Es war unĂŒberlegt, dass ich im Vertrauen auf Hörensagen die Antrittsrede von Hallstein in Auschwitz verortet habe. Diese hat dort nicht stattgefunden. Das hĂ€tte ich ĂŒberprĂŒfen mĂŒssen. Ich habe diese Fehler nicht absichtsvoll und nicht mit dem Ziel der TĂ€uschung begangen. Ich hielt diese Geschichte fĂŒr ein starkes symbolisches Bild des europĂ€ischen Einigungsprojekts, das doch zweifellos mit dem Schwur ‘Nie wieder Auschwitz‘ verbunden ist. In meinem Roman ist das stimmig, aber die Vermischung von literarischen Fiktionen mit Äußerungen in europapolitischen Diskussionen bedauere ich sehr und entschuldige mich bei allen, die sich getĂ€uscht fĂŒhlen“, erklĂ€rt Robert Menasse.

Es gebe einen Unterschied zwischen der kĂŒnstlerischen Freiheit, die ein Schriftsteller in seinem fiktionalen Schaffen genieße, und der Verantwortung, der er gerecht werden mĂŒsse, wenn er sich in den politischen Diskurs begebe. WĂ€hrend Ersterer mit der historischen wie gegenwĂ€rtigen RealitĂ€t kĂŒnstlerisch umgehen, sie deuten und modellieren dĂŒrfe, unterliege Letzterer der Verpflichtung, Fakten von Fiktion zu trennen.

„Das Spiel von Fakten und Fiktionen zuzuspitzen und zu polarisieren – das war lange Zeit im öffentlichen Diskurs eine Rolle des Dichters. Es war eine produktive Methode, Diskussionen auszulösen, vor der sich Pragmatiker und so genannte Realisten drĂŒcken. Dass aber heute, in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung, in Zeiten von Hetze und absichtlichen FĂ€lschungen, hier klar abgegrenzt werden muss, verstehe ich. Die kĂŒnstlerische Freiheit im Roman und die Spielregeln im politischen Diskurs dĂŒrfen nicht vermischt werden. Darauf werde ich achten und darauf können Sie sich verlassen“, so Menasse.