SPD-Fraktion diskutiert Kerosin-Studie des Umweltbundesamts

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Schweitzer: „Es braucht langfristige Messungen vor Ort“

Die SPD-Landtagsfraktion hat heute ein Fachgespräch zum jüngst veröffentlichten Gutachten des Umweltbundesamts zu den Auswirkungen des Treibstoffnotablasses veranstaltet. Gemeinsam mit Martin Schmied, Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, dem Toxikologen Professor Bernd Kaina sowie kommunalen Entscheidungsträgern wurde diskutiert, welche Schlussfolgerungen aus der Kerosin-Studie zu ziehen sind. Für die SPD-Landtagsfraktion nahm der Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer an der Diskussionsrunde teil.

Dazu erklärt Alexander Schweitzer: „Mit Blick auf die Auswirkungen von Treibstoffnotablass galt über viele Jahre: Wir wissen, dass wir zu wenig wissen. Die vorliegenden Studie des Umweltbundesamts hat erstmals systematisch anhand von theoretischen und realitätsnahen Szenarien untersucht, welche Mengen Kerosin am Boden ankommen und wie diese Rückstände aus umwelttoxikologischer Sicht zu bewerten sind. Nach den Berechnungen des Umweltbundesamts bewegen sich die prognostizierten Kerosin-Rückstände, die beim Ablassen von Treibstoff am Boden ankommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem für Mensch und Umwelt unkritischen Bereich. Durch das Gutachten unbeantwortet bleibt die Frage, ob und in welcher Konzentration und Zusammensetzung sich Kerosin-Rückstände langfristig im Boden ablagern. Die Pfalz, die Eifel und der Hunsrück sind seit Jahrzehnten Hauptablassgebiet für Ereignisse von Kerosin-Notablass. Um auch langfristige Auswirkungen von gehäuften Fällen von Treibstoffnotablass zu ermitteln, braucht es vor Ort langfristige Messungen des Bodens und der Luft. Neben den drei durch das rheinland-pfälzische Umweltministerium nachgerüsteten Messstationen sollten weitere Messpunkte eingerichtet werden, die langfristig die Boden- und Luftbelastung durch im Kerosin typische Substanzen erheben. Darüber hinaus ist auch die Luftfahrtindustrie in der Pflicht, durch technologische Forschung dafür zu sorgen, dass in Notsituationen kein Treibstoff abgelassen werden muss.“

Martin Schmied, Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausführlich die Konzeption, das Vorgehen und die Ergebnisse der Studie des Umweltbundesamtes „Treibstoffschnellablass aus Luftfahrzeugen: Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit“ vor. Anhand verschiedener theoretischer Szenarien wurde ermittelt, welche Kerosinmengen und welche Kerosinbestandteile unter verschiedenen Rahmenbedingungen am Boden ankommen. Zudem präsentierte er Berechnungen für ein realitätsnahes Szenario „Pfalz 2017“, bei dem sieben rheinland-pfälzische Ereignisse von Kerosin-Ablass aus dem Jahr 2017 berücksichtigt wurden. Die untersuchten Ablass-Szenarien und die umwelttoxikologischen Untersuchungen des Umweltbundesamts ergaben keine kritischen Umweltauswirkungen von Treibstoffschnellablässen auf Boden, Grundwasser, Luft und menschliche Gesundheit. Um mögliche Langzeiteffekte durch die langsame Ansammlung umweltschädlicher Stoffe vorzubeugen empfiehlt das Umweltbundesamt, die Gebiete, über denen Kerosin abgelassen werden darf, zu alternieren.

Professor Bernd Kaina vom Institut für Toxikologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz begrüßte, dass mit der vorliegenden Studie nun erstmals exakte Richtwerte vorliegen, welche Mengen Kerosin in unterschiedlichen Temperaturszenarien am Boden ankommen. Die Ergebnisse sprechen aus seiner Sicht dafür, das für die im Kerosin enthaltenen Kohlenwasserstoffe Benzol und Benzo[a]pyren mit hoher Wahrscheinlichkeit Entwarnung gegeben werden könne. Er warb dafür, auch weitere für Kerosin typische Substanzen in die vorhandenen Modelle zu integrieren. Weiteren Forschungsbedarf sieht er darüber hinaus was das Zusammenspiel verschiedener Kohlenwasserstoffe angeht, sogenannter Mischexpositionen. Unbeantwortet bleibe zudem die Frage, ob und in welcher Konzentration sich im Kerosin enthaltene Stoffe im Boden ablagern. Um die Bodenkonzentration dieser Substanzen abschließend bewerten zu können, spricht er sich für Bodenproben in den Ablassgebieten aus.