Leserbrief zu Martin Louis Schmidt (AfD): SED-Diktatur muss in Schulen Pflichtprogramm sein!

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Tatsächlich hätte es die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ohne Alexander Gaulands „Vogelschiss“ und dessen Folgen überhaupt nie gegeben. Im Nachkriegsdeutschland gab es vier Besatzungszonen. Und die dann entstandene DDR war ein Kind der Sowjetunion, der östlichen Besatzungsmacht. Die Interpretation von Geschichte ist meistens schwierig und kontrovers. So gehöre ich zu denen, die etwa den Untergang der Weimarer Republik nicht als zwangsläufig betrachten. Aber an dem Befund Drittes Reich, dessen Untergang und allein nur daraus resultierende Existenz von SED und DDR gibt es nun einmal nichts zu rütteln. Wenn Martin Louis Schmidt, der kultur- und geschichtspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz, fordert, die SED-Diktatur müsse in Schulen Pflichtprogramm sein, muss er sich schon die Frage gefallen lassen, ob das tendenziöse politische Rosinenpickerei werden soll. Viele rheinland-pfälzische Schüler wissen nicht nur kaum etwas über die SED-Diktatur und die Tragik der deutschen Teilung, sondern sie wissen auch kaum etwas über Auschwitz, die Schoah mit sechs Millionen toten Juden, Hitlers Vernichtungskrieg, der allein für die Sowjetunion 30 Millionen Tote bedeutete. Wenn Martin Louis Schmidt wirklich seriös wirken will, sollte er die ganze deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts als Schulstoff wünschen und sich demzufolge auch von Gaulands unsäglichem „Vogelschiss“ glaubhaft distanzieren. Ohne das Wirken der Nazis wäre es zur von ihm angesprochenen und auch von mir negativ bewerteten SED-Diktatur nämlich niemals gekommen.

Siegfried Kowallek, Neuwied