Donnerstag, 18. Oktober 2018

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Staatsanwaltschaft Koblenz

"Polizistentrick" - Zwei Verdächtige in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft Koblenz führt ein Ermittlungsverfahren gegen zwei in Dortmund lebende deutsche Staatsbürger im Alter von 47 und 20 Jahren.

Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, in der Zeit vom 10.04.2018 bis 12.04.2018 als Teil einer international agierenden Bande einer älteren Dame aus dem Westerwaldkreis vorgespiegelt zu haben, Angehörige der Polizei zu sein. Mit dieser Legende sollen sie unter Schaffung massiver Drohszenarien über mehrere Tage hinweg versucht haben, die ältere Dame zur Herausgabe ihres Vermögens zu zwingen. Die Geldübergabe wurde sodann für den 12.04.2018 vereinbart. Da die Polizei zuvor von dem Vorgang Kenntnis erhalten hatte, konnte sie die Geldübergabe überwachen und die Beschuldigten in der Folge festnehmen.

Gegen beide Beschuldigte ist am 13.04.2018 Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der bandenmäßig begangenen räuberischen Erpressung ergangen. Sie befinden sich seit diesem Tag in Untersuchungshaft.

Aus ermittlungstaktischen Gründen und zum Schutz der Geschädigten und ihrer Angehörigen können keine weiteren Details zum Tatgeschehen und zu den bisher geführten Ermittlungen mitgeteilt werden. Ich bitte deshalb von Nachfragen abzusehen.

Ergänzend weisen Polizei und Staatsanwaltschaft auf Folgendes hin:

Die Vorgehensweise der Tatverdächtigen ist leider bundesweit hinreichend bekannt und beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Koblenz zunehmend.

Die angeblichen Polizeibeamten behaupten in vorbereitenden Telefongesprächen mit ihren meist lebensälteren Opfern, dass Geld und Wertgegenstände auf der Bank oder Zuhause nicht mehr sicher seien. Man möge diese doch bitte ins Gewahrsam der Polizei übergeben. Im Anschluss erscheint dann ein Unbekannter, der sich als Polizist ausgibt, an der Haustür und nimmt alles in Empfang.

Dabei machen sich die Täter zunehmend auch Technik zu Eigen: Den Opfern wird als Nummer des Anrufers oftmals die Notrufnummer 110 oder der Anschluss ihrer lokalen Polizeidienststelle angezeigt.

Um nicht Opfer eines solchen Betrugs zu werden, geben das Polizeipräsidium Koblenz und die Staatsanwaltschaft dazu folgende Tipps und Hinweise:

  • Seien Sie misstrauisch

  • Lassen Sie sich nicht durch die (geschilderte) Situation oder wiederholte Anrufe aus der Fassung bringen oder verunsichern. Bleiben Sie bei Ihrer Linie, gesundes Misstrauen zu zeigen. Fordern Sie den Anrufer im Zweifel zu einem persönlichen Treffen auf.

  • Geben Sie nie Details zu ihren Vermögensverhältnissen preis. Machen Sie keine Angaben zu ihrer Wohn- und Lebenssituation.

  • Beenden Sie im Zweifelsfall das Gespräch sofort, wenn der Anrufer Geld von Ihnen fordert. Gehen Sie nie auf Geldforderungen ein. Besprechen Sie sich dazu mit vertrauenswürdigen Personen aus Ihrem persönlichen Umfeld.

  • Die Polizei meldet sich vielleicht bei Ihnen über die Amtsleitung, aber nie mit der 110!

Diese Nummer ist Notrufen an die Polizei vorbehalten und kann schon aus technischen Gründen nicht für Rückrufe durch die Polizei verwendet werden.

Aber auch eine andere örtliche Telefonnummer ist nicht zwingend Nachweis dafür, dass es sich bei dem Anrufer um einen Polizeibeamten der örtlichen Polizeibehörde handelt.

Wenn Sie unsicher sind, sagen Sie einen Rückruf zu. Besorgen sich dazu die Rufnummer der zuständigen Dienststelle über die Telefonauskunft und rufen Sie nicht einfach die angezeigte Rufnummer zurück. Im Zweifel: Wählen Sie die 110!

  • Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung. Übergeben Sie nie Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen. Etwaige Verwandte oder Bekannte treffen sich auch gerne persönlich mit Ihnen, soviel Zeit muss sein. Von Polizeibeamten lassen Sie sich an der Haustür einen Dienstausweis zeigen. Fragen Sie nach deren Dienststelle und rufen Sie im Zweifel dort an. Echte Polizisten werden Ihre Bedenken respektieren und solange draußen warten, bis Sie sicher sein können, mit wem Sie es zu tun haben. Betrüger haben meistens nicht so viel Zeit und scheuen das Entdeckungsrisiko.

  • Keine falsche Scham: Informieren Sie die Polizei sofort, wenn Sie Opfer eines falschen Polizeibeamten geworden sind. Sie helfen damit sich und anderen, denn nur so kann es der Polizei gelingen, die Täter zu ermitteln.

  • Telefonbetrüger sind schlau! Seien Sie schlauer!

Rechtliche Hinweise:

Wegen räuberischer Erpressung macht sich strafbar, wer einen Menschen rechtswidrig unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu bereichern. Die Tat ist mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, im Fall der bandenmäßigen Begehung mit Freiheitstrafe nicht unter drei Jahren bedroht.

Ein Haftbefehl wird erlassen, wenn gegen einen Beschuldigten ein dringender Tatverdacht und ein Haftgrund bestehen. Der Haftbefehl dient allein der ordnungsgemäßen Durchführung des staatsanwaltschaftlichen und, sofern es zur Anklageerhebung kommt, des gerichtlichen Verfahrens. Der Erlass eines Haftbefehls bedeutet mithin nicht, dass gegen die Verhafteten bereits ein Tatnachweis geführt ist oder zu führen sein wird. Für die Beschuldigten gilt vielmehr weiterhin die Unschuldsvermutung.

gez. Kruse, Leitender Oberstaatsanwalt