Sonntag, 24. März 2019

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Mit Film und Hip Hop gegen Extremismus

Forschungsprojekt gibt jungen Menschen konkrete Tipps gegen Radikalisierung

„Man ist dabei Dich grad‘ gehörig in die Irre zu leiten. Dass Du zu glauben scheinst, der SchlĂŒssel aller Lösungen sei Hass und Gewalt?“ Diese Zeilen aus einem Rap ĂŒber einen jungen Mann sind ein SchlĂŒsselmoment im interaktiven Video der Kampagne „Zivile Helden“. Unter https://www.zivile-helden.de/radikalisierung/ wird die Geschichte einer Radikalisierung erzĂ€hlt – und es werden zugleich Auswege aus der extremen Situation aufgezeigt. Film, Rap-Song und umsetzbare Empfehlungen sollen jungen Menschen helfen, sich mit dem Thema Radikalisierung auseinanderzusetzen und im Idealfall zu lernen, wie sie extremistischen Meinungen begegnen können.

Hinter Radikalisierung steht ein Prozess, der aus einer extremen Meinung im schlimmsten Fall Gewalt gegen Menschen werden lĂ€sst. Das gilt fĂŒr die meisten radikalen Richtungen (Linksextremismus, RechtsradikalitĂ€t oder Salafismus). Im Musikvideo veranschaulichen die „Zivilen Helden“ in einem GesprĂ€ch zwischen zwei Freunden die Stufen eines Radikalisierungsprozesses. Doch das Video zeigt zugleich, welche Gegenargumente und Strategien einem Radikalisierenden entgegengehalten werden können – und im Video können Zuschauer direkt eingreifen. „Mit diesem Schwerpunkt unserer Kampagne Zivile Helden wollen wir jungen Menschen Wege aufzeigen, um eine mögliche Radikalisierung zu erkennen“, erklĂ€rt Prof. Gabrielle Kille, Verbundkoordinatorin des Projektes „PrĂ€DiSiKo“, das „Zivile Helden“ entwickelt hat. „Wir geben den Jugendlichen sechs konkrete Tipps, um auf extreme Meinungen zu reagieren. Dazu gehören zum Beispiel kluge Gegenargumente bei extremistischen Parolen, aber auch die einfĂŒhlsame UnterstĂŒtzung in einer problematischen Situation.“

Gerade in der PubertĂ€t können junge Menschen besonders von extremen Ideen oder einfachen ErklĂ€rungen beeinflusst werden. Das machen sich Extremisten zu Nutze. Sie liefern in ihren radikal gezeichneten Weltbildern die Identifikationsgrundlage fĂŒr Jugendliche. „Wir wollen Radikalisierung verhindern helfen. Gerade das soziale Umfeld der jungen Radikalen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Geschwister, Freunde, Bekannte oder Lehrer können aktiv in den Prozess der Radikalisierung eingreifen und diesen stoppen“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Leiter der Polizeilichen KriminalprĂ€vention der LĂ€nder und des Bundes.

Die Polizei testet das Konzept der „Zivilen Helden“ in der Praxis und setzt dabei auch ganz bewusst auf eine Diskussion zu allen Aspekten der Radikalisierung in den sozialen Netzwerken. Harald Schmidt betont: „Wir wollen niedrigschwellig unterstĂŒtzen. DafĂŒr ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram besonders geeignet.“

Sechs Verhaltensempfehlungen der „Zivilen Helden“ bei extremen Meinungen:

  1. Hinterfragt die GrĂŒnde fĂŒr extremistische Äußerungen und weist mit guten Argumenten auf WidersprĂŒche hin.
  2. Reagiert auf abwertende Äußerungen und widersprecht diesen.
  3. Zeigt Euren Respekt und UnterstĂŒtzung aber auch absolute Intoleranz gegenĂŒber radikalen Einstellungen.
  4. Bietet Freunden mit problematischen Einstellungen immer wieder Eure UnterstĂŒtzung an.
  5. Bittet anderen im nahen Umfeld der Betroffenen um Hilfe.
  6. Sichert Beweise extremistischer Äußerungen beispielsweise durch Screenshots.

Das Konzept fĂŒr „Zivile Helden“ wurde unter dem Akronym „PrĂ€DiSiKo“ (PrĂ€ventive digitale Sicherheitskommunikation) von Experten aus der Medienethik, Kommunikationswissenschaft, Kriminologie, Rechtswissenschaft und der Ökonomie entwickelt. Es wird in den kommenden Monaten weiter ausgewertet.

„Zivile Helden“ im Netz

Website: www.zivile-helden.de

Facebook: https://www.facebook.com/Zivile-Helden-1114156508732301/

Twitter: https://twitter.com/ZivileHelden

Instagram: https://www.instagram.com/zivilehelden/

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCN7q1FRvNqdKnxw_LVrMvIQ/featured

Channels Jodel-App: In Stuttgart unter @DeinPolizeiRatgeber

Gefördert wird PrĂ€DiSiKo vom BMBF im Zuge der Bekanntmachung „Zivile Sicherheit – Neue ökonomische Aspekte“ im Programm „Forschung fĂŒr die zivile Sicherheit“. NĂ€here Informationen ĂŒber Sicherheitsforschung unter: www.sifo.de