Dienstag, 24. September 2019

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SPD-Fraktion im VG-Rat Loreley

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SPD: Vor Gründung einer Tourismus- und Betriebs-GmbH bedarf es klarer Zahlen, Daten und Fakten

Tourismus-Berater, die von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz beauftragt worden waren, ein tragfähiges Konzept für die professionelle Aufstellung des Tourismus am Modell der Verbandsgemeinde (VG) Loreley zu erstellen, haben jetzt vorgeschlagen, eine Tourismus- und Betriebs-GmbH als Dachmarke auf den Weg zu bringen. „Genau eine solche Dachmarke ist zentrale Forderung der SPD im Wahlprogramm gewesen“, freut sich Mike Weiland, SPD-Fraktionsvorsitzender im VG-Rat. Die Studie sagt zudem, dass nicht der VG-Bauhof, sondern ebenso die GmbH mit professionellem Personal für die künftige Pflege des Landschaftsparks auf dem Loreley-Plateau tätig werden solle. Damit sieht Mike Weiland die SPD-Linie in vollem Umfang bestätigt. Die Verwaltung hatte gerade die Frage der Pflege des Landschaftsparks zuletzt ganz anders beurteilt.

Darüber hinaus muss sich nach Ansicht der SPD eine GmbH um weit mehr als bloß um den zentralen Punkt „Loreley“ kümmern. Sie mache nur Sinn, wenn man die gesamte VG Loreley von Braubach mit der Marksburg über die Gemeinden bis hin nach Kaub zur Pfalzgrafenstein gemeinsam vermarkte. Die Übernachtungsbetriebe müssten mit einbezogen werden und ebenfalls über die GmbH direkt vermarktet werden können. „Überall in den Ferienregionen in Deutschland – ob in den Alpen, dem Allgäu, Schwarzwald oder an der Nord- und Ostsee – kann man direkt zentral nach Unterkünften suchen und buchen“, so Weiland. In den einzelnen Tourist-Informationen in der VG Loreley werde gute Arbeit geleistet. „Wir müssen aber mit Blick auf die BUGA 2029 das Kirchturmdenken ablegen und die Arbeit unter einer Dachmarke bündeln, um mit allen anderen Ferienregionen in Deutschland konkurrenzfähig und schlagkräftig mithalten zu können“, so die SPD weiter.

Alle Beteiligten müssen mit weiteren Überlegungen in der Zeitachse Gas geben, sonst kann man das Ziel zum Start 2021 kaum erreichen. Bis es aber zur Beschlussfassung über die Gründung einer GmbH im VG-Rat Loreley kommen kann, für die nach vollständigem Aufbau geschätzt etwa ein Budget von 700.000 bis 900.000 Euro jährlich aufgebracht werden muss, muss die VG-Verwaltung erst einmal Kärrnerarbeit leisten. „Viele, insbesondere neue Ratsmitglieder, schienen nach dem sehr deutlichen und vor allem die aktuelle Tourismussituation der VG Loreley sehr ehrlich beschreibenden Vortrag der Experten erst einmal geplättet“, vermutet die SPD. „Die Wahrheit tut manchmal weh“, hatte Mike Weiland den Vortrag kommentiert, aber beigepflichtet, dass man wegweisende Entscheidungen treffen müsse, um mit den anderen Tourismusregionen mithalten zu können. „So eine Entscheidung kann man aufgrund der entstehenden Kosten aber auch nicht auf Grundlage einer Studie übers Knie brechen“, betonte Mike Weiland nach der VG-Ratssitzung. Die SPD-Fraktion ergänzt, man könne seitens der Verwaltung nach der ersten Vorstellung des Vorschlags daher auch nicht bloß wegen der ausgebliebenen Kritik am Konzept davon ausgehen, dass die GmbH bereits beschlossene Sache sei.

Bislang steht jährlich ein Tourismus-Budget von etwa 270.000 Euro in der VG Loreley zur Verfügung – Geld, das von der VG über die Umlage von den Gemeinden erhoben und von einigen wenigen weiteren Partnern erbracht wird. Viel davon fließt in die vorhandene Loreley-Touristik als bestehenden Verein. Vor einer Ratsentscheidung bedarf es daher Zahlen, Daten, Fakten: Wen kann die VG-Verwaltung bis zu einem positiven Beschluss als GmbH-Gesellschafter gewinnen? Wen als Partner? Sind alle Gemeinden und Städte der VG mit an Bord? Wie viel Geld wollen sie künftig einbringen? Kann man alle bisherigen Partner, die an dem bisherigen Budget beteiligt sind, im Boot halten? Wie geht man grundlegend mit der Tourismus-Organisation um, um künftige Doppelstrukturen zu vermeiden, denn die VG kann schließlich auch nur einmal Geld für den Tourismus ausgeben – entweder für die Loreley-Touristik oder eine neue Dachmarken-GmbH. Vor alledem ist die Frage zu klären, was eine GmbH alles konkret an Aufgaben übernehmen soll, damit man überhaupt mit potenziellen Gesellschaftern und Partnern sprechen kann, um sie für einen Einstieg zu begeistern. Wo liegen die Schwerpunkte der GmbH – beim Loreley-Plateau oder beim gesamten Tal? Dann müsse man auch wissen, wie viele Besucher das Loreley-Plateau aktuell nach der Umgestaltung jährlich besuchen. Hierzu hatte die SPD-Fraktion bereits angeregt, während der Sommerferien mittels der Vergabe von Ferienjobs Besucherzählungen durch die VG durchzuführen. Wie stellt man sich mit welchem Merchandising die Einnahmenseite vor?

„Wenn man mit der GmbH 2021 durchstarten möchte, wird die Zeit schon sehr knapp, denn gerade Tourismus-Messen arbeiten mit einem sehr langen Vorlauf“, so die SPD und es sei auch schwierig, gutes und geeignetes Personal zu finden. Bei Nachbarn, wie etwa der VG Bad Ems-Nassau, kann man sich sicher Einiges zum Vorbild nehmen. Insgesamt müssen aber eine gute Datenbasis und überzeugende Zusagen von Gesellschaftern und Partnern durch die Verwaltung beigebracht werden, damit der Rat finanziell nicht ins Blaue hinein eine Entscheidung treffen muss. Die SPD wird jede dem Tourismus der VG Loreley positiv wirkende und finanzierbare Entscheidung mit auf den Weg bringen.

Foto: SPD Loreley