Sonntag, 15. Dezember 2019

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SPD Rhein-Lahn

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60 Minuten SPD: ÖPNV soll mit ‚Mobilfalt‘ weiter verbessert werden

Kreisvorsitzender Mike Weiland zeigte Verbesserungsschwerpunkte aus Sicht der SPD auf

Verbesserungen im ÖPNV und bei der hausärztlichen Versorgung sind die Themen, die dem SPD-Kreisvorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden im VG-Rat Loreley Mike Weiland im Rahmen seiner Dörfer-Tour durch die Verbandsgemeinde Loreley, aber auch bei den Terminen gesamten Kreis, am häufigsten als Wünsche der Bürgerinnen und Bürger begegnen. Aus diesem Grund widmete sich die jüngste Ausgabe von „60 Minuten SPD“ in Weisel, die auch auf Einladung des SPD-Ortsvereins um den Vorsitzenden Volker Bernhard stattfand, jetzt des Themas „Mobilfalt – zukunftsfähiger ÖPNV im ländlichen Raum“. Als Fachreferent war hierzu Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel, zu Gast. „Wir müssen noch einige Stellschrauben drehen, um den ÖPNV im Kreis zu verbessern und noch attraktiver zu machen“, stieg Mike Weiland in die Veranstaltung ein.

Konkret bedeutet das seitens der SPD: Die Einhaltung der Richtlinien 30/60 Minuten, verbesserte und mehr Direktverbindungen, um die Fahrzeiten insgesamt kürzer zu machen, eine bessere Anbindung der Schulen und das Marketing muss intensiver betrieben werden. „Ganz besonders aber muss die Preisgestaltung für den Fahrgast spürbar günstiger werden“, so Mike Weiland weiter. Dies gelte einerseits auf den Strecken innerhalb des Rhein-Lahn-Kreises als auch für den lange überfälligen durchgängigen Tarif über die Ländergrenze nach Hessen bis Wiesbaden/Frankfurt. „Nur wenn der ÖPNV bezahlbar und attraktiv ist, wird er auch genutzt“, so der Kreisvorsitzende. Um aber die Grenzen zwischen günstigerem und dem immer wieder in größeren Städten viel diskutierten kostenlosen ÖPNV abstecken zu können, bat Weiland Stephan Pauly um eine Kostenschätzung, wenn der Rhein-Lahn-Kreis den ÖPNV komplett finanzieren und die Menschen kostenfrei fahren könnten. Dann würde sehr schnell klar, was geht und was nicht geht.

Um die 68 Linien im Rhein-Lahn-Kreis bedienen zu können, brachte der Rhein-Lahn-Kreis laut Pauly im Jahr 2014 rund 10,9 Mio. Euro jährlich auf. 2016 waren es 14,3 Mio. Euro. Im Jahr 2018 kostete der ÖPNV den Kreis etwa 17,5 Mio. Euro. Hier sei der Kreis Vorreiter aller Landkreise im nördlichen Rheinland-Pfalz gewesen und habe mit der Linienbündelung im Jahr 2014 begonnen, für Busunternehmen attraktive und weniger attraktive Linien zusammen zu legen, um überhaupt noch alle Linien aufrecht erhalten zu können. Wenn alle Linienbündel im Jahr 2020 überplant und in Betrieb sind, wird der Rhein-Lahn-Kreis laut Stephan Pauly etwa 22 Mio. Euro für den ÖPNV ausgeben. Um diese vorhandenen Angebote, ohne weitere Verbesserungen, kostenlos anbieten zu können, müsse man die Summe der jährlich eingenommenen Fahrgelder der Nutzer von rund 11 Mio. Euro sowie weitere Leistungen mit einbeziehen und käme auf etwa 44 Mio. Euro oder mehr, wenn der ÖPNV im Kreis komplett kostenlos sein solle – eine Summe, die weit mehr als das doppelte der aktuellen Ausgaben darstelle.

Montags bis freitags werden die 68 Linien im Kreis im 2-Stunden-Takt betrieben. Samstags und sonntags sowie an Feiertagen sei dies laut Pauly jedoch nicht möglich, weil der ÖPNV im Kreis auf Kita- und Schülerverkehre abgestellt sei. Beispielsweise für Weisel bedeutet dies aber auch, dass selbst an Wochentagen der Busverkehr nur zwischen etwa 7 und 16 Uhr erfolgt – ein Angebot, das etwa für viele Berufstätige nicht ausreichend ist. Gerade aber wurde den Kreisgremien ein neues Modell andiskutiert, das im Werra-Meißner-Kreis bereits erfolgreich läuft: „Mobilfalt“, also Mobilität und Vielfalt, ist dort ein Erfolgsrezept, das den bestehenden ÖPNV in einem noch etwas weniger dicht bewohnten Flächenlandkreis als dem Rhein-Lahn-Kreis ergänzt und erweitert. Unter dem Begriff „Ridesharing“ ist eine bedarfsorientierte Mitfahrerzentrale 24 Stunden, rund um die Uhr, besetzt. Der herkömmliche Bus- und Bahnverkehr wird mit dem Individual-PKW-Verkehr verknüpft und ist somit keine Schwächung oder Konkurrenz zum ÖPNV, sondern eine Stärkung durch bürgerschaftliches Engagement. Bürger können jederzeit ihre regelmäßigen oder unregelmäßigen Autofahrten anderen Mitfahrern anbieten und erhalten dafür eine Kostenerstattung je Kilometer. Sowohl PKW als auch Mitfahrende sind versichert. Die Mitfahrerzentrale bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Steht kein PKW mit einer Fahrt zur Verfügung, kann ein Taxi zum ÖPNV-Tarif die Fahrt übernehmen. Vorteil dieses Systems ist zudem, dass die Busunternehmen meist gar keine kleinen Fahrzeuge für den Individualverkehr anbieten können. Somit sind private PKW als Ergänzung des ÖPNV, die ohnehin fahren und Menschen mitnehmen können, gerade im ländlichen Bereich, wo man sich oft untereinander auch noch kennt, eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation. „Gerade in Zeiten des Klimawandels kann man so den ÖPNV auch noch ressourcenschonend organisieren“, waren sich Mike Weiland und Weisels SPD-Vorsitzender Volker Bernhard nach der Veranstaltung einig. Die mögliche Alternative kam bei den Besuchern von 60 Minuten SPD in Weisel übrigens gut an. „Auf Kreisebene werden wir das Projekt weiterverfolgen und versuchen, sobald wie möglich in den Echtbetrieb zu bringen“, so Mike Weiland abschließend.