Montag, 26. Oktober 2020

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Kreishandwerkerschaft Rhein-Lahn

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„Runder Tisch beim Landrat mit kantigen Themen“

Bad Ems. Alljährlich treffen sich die Spitzenvertreter des regionalen Handwerks und der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises zum „runden Tisch“ im Kreishaus in Bad Ems!

Bei diesem zwei- bis dreistündigen Gespräch packen die Obermeister der Innungen und der Vorstand der Kreishandwerkerschaft frei von der Leber weg alle akuten und auch oft langjährige, fast schon endlose Probleme und Themen auf den Tisch. Hier wird dann im offenen Dialog mit Landrat Frank Puchtler an möglichen Lösungen, logischen Erklärungen und auch hin und wieder an neuen Wegen gemeinsam diskutiert und gearbeitet.

Vieles konnte in den vergangenen Jahren zum Wohle des Handwerks, der Handwerksbetriebe, der Mitarbeiter, der Auszubildenden und auch der regionalen Verbraucher erreicht werden. Und bei vielen Themen benötigt es dann auch wieder einen langen Atem und eine gewisse Hartnäckigkeit.

Und somit bewegten sich auch in diesem Jahr die Fragen um die kreisweiten Themen der Müllentsorgung für problematische Dämmstoffe an der Kreismülldeponie und deren Kapazitäten für die regionalen Entsorger und deren Preisbildung, Sachstand des „Digitalpaktes“ in den heimischen Schulen in Trägerschaft des Kreises, Bestandsschutz für die beiden Berufsbildenden Schulen im Kreisgebiet und die verstärkte Förderung der Berufsorientierung an den weiterführenden Schulen in der Trägerschaft des Rhein-Lahn-Kreises.

In allen Punkten konnte Landrat Puchtler gewisse und auch spürbare Fortschritte verkünden, wobei man allerdings noch lange nicht alles optimal umgesetzt oder restlos erledigt hat. Alleine die Diogitalisierung erweist sich schon als das größte Projekt des Kreises seit etlichen Jahren. Und manchmal holt einen auch die Entwicklung fast ein bevor ein solches Projekt komplett umgesetzt ist.

Die Berufsschulen sind in ihrem Bestand gesichert, müssen aber auch mit immer neuen und aktuellen  Bildungsangeboten um den Zuspruch der Schüler kämpfen. Hier konnten auch die beiden anwesenden Schulleiter der BBS Nicolaus-August-Otto Schule in Diez, Jörg Schmitz und der Schulleiter der BBS Lahnstein, Dietmar Weber, berichten wie sich im Zuge des Fachkräftemangels und dem Rückgang der Ausbildungszahlen doch neue Wege gehen lassen müssen.

Den Bäckern unter Obermeister Lieber brennt das Problem mit Verpackungsabfällen und Kartonagen, welche nicht immer problemlos entsorgt werden können, unter den Nägeln. Landrat Puchtler wird hierzu gemeinsam mit der Werksleitung Lösungen finden.

Besonderes Highlight für jeden Bäcker ist aber die Bon- und Quittungspflicht für absolut jeden getätigten Verkauf an der Ladentheke. Hier werden tonnenwiese Altpapier und völllig unnötige Kosten auf die Bäckereien in nicht unerheblichen Ausmaß abgewälzt. Ein bürokratischer Unfug ohne Sinn und praktischen Verstand.

Und dies in einer Branche wo man zur Zeit fast schon von einem Bäckerei-Sterben sprechen kann. Viele Bäckermeister geben ihre Betriebe auf wegen hoher Belastungen oder weil keine Nachfolger zu finden sind. Weder in der Familie noch bei den Mitarbeitern.

Die aktuelle Situation der KFZ-Zulassungsstellen im Kreisgebiet während der Corona-Krise wurde vom KFZ-Handwerk angesprochen. Schnellere Abwicklung und übergreifende Regelungen sollen hier den Aufwand verringern und die Abläufe optimieren. Allerdings sind nach wie vor die Sicherheitsregeln zur Eindämmung der Pandämie in den öffentlichen Dienststellen zu beachten.

Breitbandversorgung und das Mobilfunknetz sind nach wie vor die Themen für doch nicht wenige Handwerksbetriebe im ländlichen Raum. Gerade im Bauhandwerk müssen oft umfassende und vielseitige Unterlagen runtergeladen werden. Oft eine stundenlange Prozedur wegen nicht ausreichender Breitbandqualität. Das nervt gewaltig.

Und wenn dann noch durch sogenannte „Weiße Flecken“ im Mobilfunknetz oft wegen weniger Meter die Handy-Verbindung zum Mitarbeiter auf der Baustelle oder mit einem wichtigen Kunden abreißt, dann sind tatsächlich gute Nerven nötig.

Gute Nerven sind auch zur Zweit bei den Autofahreren und Pendlern im Rhein-Lahn-Kreis gefordert. Die aktuellen Baustellen und Umleitungen durch Sanierungsmaßnahmen im Kreisstraßennetz erfordern gerade von den Handwerks-betrieben im ländlichen Bereich enorm viel Geduld, logistisches Umdenken und nicht zuletzt erhebliche finanzielle Belastungen durch lange Anfahrzeiten, Staus und endlosen Umleitungsfahrten zu Kunden oder Lieferanten. Dies bedeutet Kosten die nicht alle auf die Kunden umgelegt werden können und viele Betriebe vor kaum lösbare Probleme stellt.

In diesem Punkt wurden vor allem erneut die Mittelrheinbrücke und die Umgehung von Braubach gefordert. Auch über eine weiteren Ausbau der Bäderstraße könnten die Verkehrsströme im Kreisgebiet optimiert werden. Auch sollten Sanierungsmaßnahmen, wie beispielsweise in Lahnstein früher kommuniziert werden und gemeinsam mit den betroffenen Kommunen vor der Maßnahme intensiver an erträglichen Lösungen gearbeitet werden.

Nach fast dreistündigen Gespräch konnte doch das ein oder andere Thema versöhnlich abgeschlossen werden und auch im nächsten Jahr wird es wieder eine große Runde beim Landrat geben.

Kreishandwerksmeister Johannes Lauer bedankte sich sich bei allen Teilnehmern für ihre konstruktiven Beiträge und Fragen. Beim Landrat bedankte sich der Kreishandwerksmeister für die sehr offene und verbindliche Vorgehensweise durch die Verwaltung. Kooperation statt Konfrontation wird im Rhein-Lahn-Kreis groß geschrieben. Zum Nutzen aller im Handwerk tätigen Menschen.