Montag, 27. September 2021

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Hochwasserhilfe Aar Einrich hilft den Opfern der Flutkatastrophe

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Gemeinsam gegen die Hilflosigkeit: Wenn Gummistiefel und Wundpflaster zum neuen Gold werden

Aar-Einrich. Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat auch die Menschen in der VG Aar-Einrich zutiefst erschüttert. Die grauenhaften Bilder der Zerstörung sorgten nach dem ersten Schock dafür, dass schon nach einem Tag eine Hilfsaktion in der VG und über ihre Grenzen hinweg begann, die ergreifend und unbeschreiblich schön ist:

Am Freitag nach der Flut entstand bei einem kurzen Telefonat zwischen Manuela Jäger aus Allendorf und einer Bekannten aus Laurenburg die Idee, eine Hilfsaktion ins Leben zu rufen: „Da muss man doch helfen – lass uns was starten“ – ungefähr so lautete das Ziel der beiden. Es folgte ein Spendenaufruf auf Facebook und ein Anruf von Ralf Heil, der sich zum personifizierten Organisationsbüro entwickeln sollte. Die VG Aar-Einrich in Person von Bürgermeister Harald Gemmer sagte sofort ihre Hilfe zu, die Burgblickhalle in Burgschwalbach wurde zunächst zum Dreh- und Angelpunkt, um Spenden, Hilfen und Helfer zu koordinieren.

Durch die sozialen Medien, persönliche Kontakte und Mundpropaganda kamen schon nach Kurzem die ersten gepackten Hilfsgüter an. Unablässig trafen Menschen in der Halle ein, die einfach helfen wollten. Sie kamen zu Fuß, mit dem Auto, per Moped, Transporter oder Traktor und die komplexe Hilfe organisierte sich durch viele kompetente BürgerInnen sehr schnell: Einige sortierten, andere schleppten, verpackten, beschrifteten. Schon am Samstag gab es einen Aufnahmestopp: Die Menschen der VG Aar-Einrich und weit darüber hinaus hatten so viele Kleider, Geschirr, Möbel, Kaffeemaschinen, Babynahrung und vieles mehr gespendet, dass die Kapazitäten fast erschöpft waren. Unternehmen halfen spontan beim Palettieren und Transportieren, spendeten Kartonage, Folie oder Paletten. Schon am Samstagabend rollten zwei 12-Tonner der Firma Heimann und mehrere Transporter in Richtung Nürburgring und zur Polizeischule Wittlich.

Doch weder damit, noch mit dem Säubern der Halle am Sonntag war es getan, denn im Katastrophengebiet ist langfristig Hilfe notwendig. Die Hochwasserhilfe Aar-Einrich gründete Infogruppen auf WhatsApp und Facebook, erweiterte sein Kontaktenetz und erfuhr weiter eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft.

Fast täglich sind seitdem Hilfstrupps nach Ahrweiler gefahren, um Schlamm wegzuschippen, Häuser leerzuräumen, Geröll wegzuschaffen, aber auch gezielte Hilfsgüter zu verteilen. „Was anfangs am meisten gebraucht wurde, waren Gummistiefel, Gummistiefel, Gummistiefel, gefolgt von Schaufeln, Stirnlampen, Batterien, Dosenöffnern und Wasserkanistern“, berichtet Manuela Jäger. „Viele Menschen dort haben nichts mehr.“ Die HelferInnen kamen abends immer völlig erschöpft heim, hatten aber auch viele wichtige Informationen darüber, was direkt beim Einsatz wirklich gebraucht wird: Nicht Kleider und Möbel, die man momentan nirgends lagern oder aufstellen kann, sondern Mückenspray, Arbeitshandschuhe, Gaskocher mit Kartusche. „Man muss sich vorstellen, dass die Menschen dort ohne Strom, Wasser, Gas, Telefon, Internet leben. Viele bleiben in ihren Häusern aus Angst vor Plünderungen – aber dann besteht die Gefahr, dass sie auf dem matschigen Boden, auf den Treppen vor allem im Dunkeln ausrutschen und sich ernsthaft verletzen“, erklärt Ralf Heil, der sich Mitte der Woche mit vielen der rund 40 Personen traf, um das weitere Vorgehen zu organisieren.

Dabei wurde klar: Jetzt geht es darum, vor Ort aufzuräumen und die Menschen mit momentan sinnvollen Spenden zu versorgen, die an mehreren Stellen in der VG Aar-Einrich und Diez gesammelt werden. „Aber natürlich wollen wir langfristig helfen. Spätestens im Herbst, wenn es kalt wird und dort die Infrastruktur noch nicht wieder aufgebaut wird, könnten wir die Menschen auch hier in Ferienwohnungen unterbringen. Der Aufbau dort wird Jahre dauern und wir wollen so lange wie nötig Hilfe und Helfer zur Verfügung stellen“, unterstreicht Manuela Jäger.

Vor allem im Internet auf ihrer Facebookseite informieren die ehrenamtlichen Helfer täglich, was momentan gebraucht wird. So waren plötzlich Handtücher aller Art gefragt, damit sich die Helfer im schlammigen Gebiet zwischendurch säubern können. Aber auch Produkte zur medizinischen Wundversorgung waren nach wenigen Tagen heiß begehrt, denn im schlammigen Wasser lauern überall Verletzungsgefahren durch Scherben, gesplittertes Holz oder scharfe Metallkanten. Die Brühe dort ist sehr giftig, kontaminiert mit Diesel, Fäkalien – schon der kleinste Spritzer auf der Haut ist gefährlich und kleinste Verletzungen müssen sofort versorgt werden.

So kann jeder helfen:

Die Hochwasserhilfe Aar-Einrich freut sich über jede helfende Hand – ob beim Organisieren von Fahrzeugen und Spendentransporten, beim Aufräumen vor Ort oder durch das Einrichten von Spendenboxen in den Ortsgemeinden.

Die Fahrten in das Einsatzgebiet werden vorher bekannt gegeben, es ist unbedingt notwendig, sich anzumelden. Dabei werden dann aktuell gesammelte Spenden mitgenommen und direkt vor Ort verteilt.

Aktuelle Informationen zur Organisation, geplanten Fahrten und Spendenaufrufen gibt es am besten über die Facebookseite Hochwasserhilfe Aar-Einrich oder die Kontaktpersonen Manuela Jäger (Tel. 0177-3683954) und Ralf Heil (Tel. 0176-20415462)

Möglichkeiten für Spenden in haushaltsüblichen Mengen gibt es in:

Allendorf, Hauptstraße 1c

Kördorf Oberstrasse 9 unterm Carport

Laurenburg Hauptstraße 11, grüne Spendenkiste.

Bitte keine Kleider- und Möbelspenden!

Konten für Geldspenden werden von der VG Aar-Einrich bekanntgegeben.

Und: Weil es den Rahmen sprengen würden, wurden hier nur sehr wenige Personen exemplarisch namentlich genannt, aber ein großes Danke geht an wirklich jede Helferin und Helfer und die vielen Unternehmen, die spontan und großzügig gespendet und geholfen haben! Ihr seid großartig!