Donnerstag, 02. April 2020

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Vor 75 Jahren: Bombardierung Lahnsteins am 2. Weihnachtstag

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Lahnstein. Vor 75 Jahren tobte der Zweite Weltkrieg. Trauriger Höhepunkt für Niederlahnstein war der zweite Weihnachtstag 1944, als 160 Menschen ihr Leben ließen.

Nach dem Scheitern der deutschen Ardennenoffensive konzentrierten sich die amerikanischen Luftangriffe wieder auf die Nachschubwege und Verkehrsanlagen im Hinterland der Front. Dabei geriet erstmals auch der am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege gelegene Bahnhof Niederlahnstein ins Visier. Am 26. Dezember 1944 warfen 60 Flugzeuge der 2. Bomber-Division gegen 11.53 Uhr mittags vier Bombenteppiche auf den Bahnhof und die nähere Umgebung. Diese richteten unter den vielen Durchreisenden und den Verwundeten eines gerade einlaufenden Lazarettzuges ein schreckliches Blutbad an: Neben 119 Soldaten fanden auch 41 Zivilisten in ihren Wohnungen in der Mark-, Goethe- und Rheinstraße den Tod.

Sämtliche Kriegsdienstverpflichtete und Ostarbeiter wurden aus den Industriebetrieben abgezogen und zum Bahnhof Niederlahnstein zum Bergen und Aufräumen gebracht. Am Bahnhof zeigte sich nach Zeitzeugenberichten ein grauenvolles Bild: Drei Züge mit Verwundeten standen auf den Bahnhofsgleisen Richtung Limburg und Oberlahnstein, als die Bomben fielen. Alle packten mit an, Verletzte und Tote aus den Zügen zu bergen. Die Verwundeten wurden in zwei Reihen gelegt. Sie waren mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Weil das Rote Kreuz nur eine Handkarre besaß, kam die Artillerie und fuhr die Verletzten ins Krankenhaus Bergstraße. In der Schulchronik ist vermerkt, dass man über eine Woche lang aus den Trümmern Leichen grub, die in den vier unteren Schulsälen in der Bergstraße aufgebahrt wurden.

Der Bahnhof, 1879 mit imposantem Empfangsgebäude im Stil des Historismus‘ errichtet, wurde vollkommen zerstört. Einzig der Schuppen für die Güterabfertigung und das Toilettenhäuschen blieben stehen. Die Zerstörung eines Großteils der Bahnanlagen machte eine Umleitung des rechtsrheinischen Bahnverkehrs über Bad Ems notwendig.

Beträchtliche Schäden entstanden zudem am Amtsgericht und an der erst sechs Jahre zuvor neu gebauten St. Barbara-Kirche; 20 Wohnhäuser wurden vollständig zerstört.

Der Zweite Weltkrieg dauerte an. Zwei weiteren Großangriffen, am 28. Dezember 1944 und 29. Januar 1945, folgten im Februar und März mindestens sieben Tieffliegerangriffe. Am 10. März setzte die Beschießung beider Städte durch die amerikanische Artillerie ein. Mit der amerikanischen Besetzung am 27. März 1945 endeten schließlich die Kampfhandlungen am Rhein-Lahn-Eck.

Das Stadtarchiv Lahnstein wird mit einer Ausstellung an diese furchtbare Zeit erinnern, mit der Botschaft, dass sich so etwas nie wiederholen möge. Diese Dokumentation wird vom 12. bis 30. März 2020 in der Hospitalkapelle Lahnstein zu sehen sein. Wer als Zeitzeuge persönlich oder durch Abfassung eines Zeitzeugenberichts mitwirken kann, wird gebeten, sich beim Stadtarchiv zu melden (Tel. 02621 914-296; vom 23.12. bis 31.12.2019 ist das Archiv geschlossen).