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Vor 75 Jahren: Luftkampf mit tödlichem Absturz im Schlierbachtal

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Lahnstein. Am 19. Dezember 1944 konnte man am Himmel über Oberlahnstein einen Luftkampf verfolgen, in dessen Verlauf eine deutsche Jagdmaschine abgeschossen wurde und in der Schlierbach abstürzte. Der Flugzeugführer Leutnant Fick kam dabei ums Leben.

Mit seinen 21 Jahren galt der am 25. Januar 1923 in Berlin-Falkensee geborene und zuletzt in Oppeln in Oberschlesien wohnende Günther Fick bereits als erfahrener Flugzeugführer, als er an diesem 19. Dezember 1944 fiel. Sein militärischer Werdegang fand ausschließlich auf einsitzigen Jagdflugzeugen Messerschmitt Bf 109 statt. In der relativ kurzen Zeitspanne zwischen September und November 1944 lassen sich ihm die Abschüsse von drei amerikanischen und zwei britischen Maschinen zuordnen. Dies vor dem Hintergrund, dass etliche junge Flugzeugführer der Luftwaffe aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit ihren ersten Luftkampf nicht überlebten.

Am Morgen des 19. Dezember 1944 startete Günther Ficks aus mehreren Maschinen bestehende 14. Staffel des Jagdgeschwaders 4 vom Luftwaffen-Fliegerhorst nahe Alteno in Brandenburg. Fick war erst wenige Tage vorher zum „Staffelführer“ der 14. Staffel ernannt worden. Die Bewaffnung seiner Messerschmitt bestand aus zwei Maschinengewehren über dem Triebwerk und einer Motorkanone, die durch die hohle Kurbelwelle schoss.

Seine Gegner flogen im Zielgebiet Koblenz Geleitschutz für Bomber. Nachdem die deutsche Wehrmacht die Schlechtwetterphase seit dem 17. November 1944 dazu genutzt hatte, ihre Vorbereitungen für eine Gegenoffensive im Westen abzuschließen, hatte am 16. Dezember 1944 die Unternehmung „Wacht am Rhein“ begonnen. Starke Wehrmachtsverbände sollten die alliierte Front durchbrechen und sich bis zur Nordseeküste durchkämpfen, um den alliierten Vormarsch zurückzuwerfen und insbesondere wichtige Nachschubhäfen zu blockieren. Aufgrund des Mitte Dezember außerordentlich schlechten Winterwetters konnten die US-Luftstreitkräfte in den ersten Tagen der angelaufenen „Ardennen-Offensive“ der Wehrmacht kaum nennenswerten Widerstand entgegensetzen. Außer gelegentlichen Aufklärungsflügen war sie zur Untätigkeit verdammt. Erst das aufklarende Wetter seit dem 19. Dezember 1944 ermöglichte den effektiven Einsatz von Jagdflugzeugen, Jagdbombern und Bombern.

Die 8. US-Luftflotte startete Bomberangriffe auf Straßen und Verkehrsknotenpunkte in Luxemburg sowie auf die Bahnhöfe Trier-Ehrang und Koblenz, um den deutschen Nachschub zu stören. Jagdbegleitung erhielten die Bomber von siebenunddreißig P-47-Thunderbolt-Maschinen, dem schwersten einmotorigen Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs. Über Koblenz kam es am Nachmittag dieses Tages dann zu einem Luftkampf zwischen vier Maschinen des 83. Fighter Squadrons, der 78. Fighter Group und anderen Maschinen der 14. Staffel Jagdgeschwader 4. Auf amerikanischer Seite gelangen den vier namentlich bekannten Piloten der US-Airforce jeweils ein Abschuss einer Messerschmitt Bf 109.

Die Maschine von Günther Fick wurde um 14.40 Uhr in großer Höhe von einer P-47 abgeschossen und stürzte in ein Waldstück oberhalb der Schlierbach. Bei dem Aufschlag explodierte die Maschine („Aufschlagbrand“); starke Rauchentwicklung zeigte die Absturzstelle weithin an, an der die örtliche Polizei feststellte, dass sich die Maschine nahezu senkrecht in die Erde gebohrt und dabei völlig zerlegt hatte. Große Wrackteile wurden in weitem Umkreis verstreut, kleinere Stücke sind bis heute oberflächlich nachweisbar. Der Motor war rund 1,5 m tief in das Erdreich eingedrungen  und hatte den bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Körper des Flugzeugführers unter sich begraben. Offenbar war es ihm nicht gelungen, sich aus seiner abstürzenden Maschine zu befreien, bevor sie aufschlug. Die sterblichen Überreste wurden in den folgenden Tagen geborgen und in der Alten Friedhofskapelle in Oberlahnstein aufgebahrt.

Die Beisetzung erfolgte am 04. Januar 1945, wenige Wochen vor dem 22. Geburtstag von Günther Fick, auf dem Alten Ehrenfriedhof in Oberlahnstein, mit militärischen Ehren. Am Verlauf des Krieges vermochte die Ardennen-Offensive nichts zu ändern. In der Diktion des Dritten Reiches war ein weiterer Flugzeugführer den Heldentot gestorben. Aber Deutschland wollte schon lange keine Helden mehr. Deutschland wollte Frieden.