Mittwoch, 01. April 2020

Letztes Update:03:43:53 PM GMT

region-rhein.de

Auch vor 50 Jahren gab es Hochwasser

Drucken

Lahnstein. Erst kürzlich berichteten wir über das verheerende Hochwasser von 1920 Nachdem die Städte Nieder- und Oberlahnstein in den 1960er Jahren weitgehend vor größeren Hochwassern verschont blieben, hieß es im Februar 1970 „Land unter“. Während Pegel Kaub/Rhein am 25. Februar mit 7,93 m den zweithöchsten Stand des 20. Jahrhunderts meldete, lag er am Pegel Koblenz mit 8,61 m „nur“ auf Rang 8 (Zum Vergleich: 1993: 9,52 m; 1995: 9,30 m). Sechs Wochen vorher herrschte noch Niedrigwasser mit 1,29 m, doch dann setzte die Schneeschmelze rasch ein.

Betroffen waren insgesamt 463 Gebäude in Lahnstein, davon 416 im Ortsteil Niederlahnstein. Insgesamt wurden 83 Wohnungen und 21 kleinere Gewerbetriebe (Ladengeschäfte, Lokale etc.) vom Hochwasser überflutet. In insgesamt 114 Kellern wurde Heiz- und Schweröl in einer Lagermenge von 1.184.570 Liter ermittelt. In 67 Kellerräumen wurde auslaufendes Heizöl festgestellt, das zum Teil durch Verwendung eines Ölbindemittels beseitigt werden konnte. Darüber hinaus wurden rund 65.000 Liter Öl-Wassergemisch aus beschädigten Öltanks abgesaugt und in Kesselwagen abgefahren. Die hierbei entstandenen Gebäudeschäden beliefen sich auf rund 180.000 DM. Hinzu kamen 13 größere Gewerbebetriebe, die ganz oder teils unter Wasser standen und daher ihre Produktion vorübergehend einstellen mussten, heißt es im abschließenden Einsatzbericht der Feuerwehr vom 9. März.

Eingesetzt waren sämtliche verfügbare städtische Arbeitskräfte, Feuerwehr, THW, DRK, Bundeswehreinheiten mit insgesamt 100 Mann, 16 Boote und drei Amphibien-Fahrzeuge, schrieb Oberbürgermeister Rolf Weiler an die Bezirksregierung. Auch der Telefonverkehr brach zum größten Teil zusammen und die Stromversorgung fiel teilweise aus.

170 Schadensmeldungen gingen bei der Stadt ein. Für Schäden an privatem Vermögen gewährten der Rhein-Lahn-Kreis und die Stadt Lahnstein eine Zuwendung von Hilfsgeldern in Höhe von 60.275 DM für 86 betroffene Personenhaushalte in Nieder- und 14 in Oberlahnstein. Davon zahlte der Rhein-Lahn-Kreis 21.227 DM zweckgebunden für private Sachvermögen der Hauseigentümer oder Mieter (nicht für Gewerbebetriebe!). Hinzu kamen ein einmaliger Zuschuss der Landesregierung an zehn hochwassergeschädigte Privathaushalte in Höhe von 1.950 DM sowie zinsverbilligte Darlehen. Landesweit hatten über 3.600 Privatpersonen, 400 Wirtschafts- und Landwirtschaftsbetriebe sowie 22 Gemeinden Finanzhilfe beantragt. Die gesamte Antragssumme betrug 7,5 Millionen Mark.

In Lahnstein leisteten die Wachen Nord und Süd mit einer Mannschaftsstäke von 66 Personen zusammen 4.086 Arbeitsstunden, davon wurden 1.100 Stunden Lohnausfall geltend gemacht, was damals 7.861 DM Lohnausfallkosten entsprach.

Die Fotos zeigen den „Bootsverkehr“ im Innenhof des Martinsschlosses und in der Emser Straße, in Höhe Heimbachgasse.