Sonntag, 20. September 2020

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Nach dem Zugunglück in Niederlahnstein: Großer Dank an alle Einsatzkräfte

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Bürgermeister Dornbusch: „Aussagen der DB sind eine Unverschämtheit“

Lahnstein. Am Sonntag, 30. August 2020 entgleiste vor dem Bahnhof Niederlahnstein in Höhe des Bahnstellwerkes ein Güterzug, dessen Kesselwagen mit jeweils bis zu 60.000 Liter Diesel beladen waren.

Von den 19 Kesselwagen waren neun defekt und entgleisten teils stehend, sechs von ihnen stürzten um.

Nach Abschaltung der Hochspannungsleitungen über den Gleisen konnte noch am späten Sonntagabend mit dem Abpumpen begonnen werden – die Arbeiten dauerten insgesamt bis Dienstag an. Insgesamt waren mehr als 200 Einsatzkräfte vor Ort: das Deutsche Rote Kreuz, die Freiwillige Feuerwehr Lahnstein sowie weitere freiwillige Feuerwehren aus dem Umkreis, die Berufsfeuer aus Koblenz, der Gefahrstoffzug des Rhein-Lahn-Kreises, der Gefahrstoffzug Westerwald, die Werkfeuerwehr Infraserv Höchst sowie das THW.

So wurden ca. 200.000 Liter Diesel aufgefangen und in leere Güterwaggons abgepumpt, die an die Unfallstelle beordert wurden.  Die weiteren Arbeiten wie das Aufstellen der Waggons und das Abtragen und die fachgerechte Entsorgung des mit Diesel kontaminierten Erdreichs liegen in der Verantwortung der Deutschen Bahn.

Lahnsteins Bürgermeister Adalbert Dornbusch war mit verschiedenen Vertretern der Stadtverwaltung ebenfalls mehrmals am Unfallort. „Der Einsatz der vielen, oftmals freiwilligen, Kräfte verdient höchste Anerkennung. Was sie hier in den letzten Tagen geleistet haben, ist enorm – teils haben sie die ganze Nacht bis weit in den Montag hinein hier gearbeitet und ich möchte Ihnen meinen persönlichen und den Dank der Stadt Lahnstein aussprechen“, so Dornbusch.

Dass auf der Homepage der Deutschen Bahn zunächst zu lesen war „Ein Feuerwehreinsatz im Raum Niederlahnstein behindert den Bahnverkehr“ und dass dort bis dato immer noch von einer „Technischen Störung an der Strecke nach Feuerwehreinsatz“ die Rede ist, empfindet Dornbusch als einen inakzeptablen Affront gegenüber den beteiligten Einsatzkräften. „Es ist eine absolute Unverschämtheit, dass die Bahn es so darstellt, als wäre die Strecke aufgrund eines Feuerwehreinsatzes gesperrt. Dabei haben die Einsatzkräfte im Gegenteil einen großen Beitrag hinsichtlich der Freigabe der Strecke geleistet. Ihnen gebührt Dank und keine Verunglimpfung.“

Dass der Unfall Anlass für die neu entfachte Diskussion um den Güterverkehr im Mittelrheintal ist, kann Adalbert Dornbusch hingegen nachvollziehen: „Wir können noch von Glück im Unglück sprechen. Hätten die Waggons beispielsweise Benzin geladen, wäre der Unfall wahrscheinlich nicht so glimpflich abgelaufen. Doch auch solche und noch weitaus gefährlichere Stoffe werden tagtäglich von morgens bis in die Nacht durch unser enges Tal transportiert. Nicht nur der krank machende Lärm ist das Problem, es sind auch die Waren, die eine ständige Gefährdung für die  Bevölkerung bedeuten.“ Daher hofft er, dass das Zugunglück auch einen positiven Effekt hat und die Thematik um Ausweichstrecken wieder in den Fokus des zuständigen Bundes rückt.