Montag, 10. August 2020

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Tiere bei Hitze nicht im Auto lassen

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Veterinäre weisen auf Gefahren im Sommer hin

KREIS MYK. Wenn sich das Thermometer jenseits der 30-Grad-Grenze einpendelt und die Sonne erbarmungslos niederbrennt, kann es für Hund, Katze, Meerschweinchen und Co. gefährlich werden. Darauf weisen die Veterinäre der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz hin.

Fehlt ein kühles Schattenplätzchen, ist die Frischluftzufuhr oder das Trinkwasserangebot nicht ausreichend, entsteht in den kleinen Tierkörpern ein Wärmestau, der dann schnell die Symptome eines Hitzschlags nach sich zieht. „Abgeschlagenheit, Unruhe oder Taumeln sind erste Alarmzeichen, die vom Tierbesitzer sofortiges Handeln verlangen. In einem solchen Fall muss das Tier sofort in den Schatten, besser noch in einen kühleren Innenraum, gebracht und mit frischem Trinkwasser und Frischluft versorgt werden“, so die Veterinärin Dr. Simone Nesselberger. Bei Krämpfen, Atemnot oder gar Bewusstlosigkeit besteht akute Lebensgefahr. Zeigt ein Tier diese Symptome, sollte es mit feucht-kalten Tüchern bedeckt sofort zum Tierarzt gebracht werden. Während des Transports ist es wichtig, auf ausreichende Luftzirkulation zu achten.

Gefährdet sind vor allem ältere oder herzkranke Hunde und Katzen wie auch hochträchtige und ganz junge Tiere. Sie sollten nicht der sengenden Mittagshitze ausgesetzt werden. Auch bei robust erscheinenden Tieren ist es ratsam, körperliche Aktivitäten immer auf die kühleren Tageszeiten zu verlegen.

Die Veterinäre weisen zudem auf die unterschätzte Hitzschlaggefahr bei Kaninchen, Meerschweinchen und Ziervögeln hin. Gerade Ziervögeln, deren Käfige oder Freigehege im Laufe des Tages der vollen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, sollte permanent eine natürliche Schattenquelle zur Verfügung stehen. „Die handelsüblichen kleinen Schutzhäuschen aus Sperrholz sind als alleinige Schattenspender nicht ausreichend“, so Nesselberger. Weit verbreitet ist zudem der Irrglaube, Kaninchen und Meerschweinchen benötigen kein Trinkwasser. Dieser Irrtum kann im Hochsommer für die Tiere tödliche Folgen haben.

Erhöhte Hitzschlaggefahr droht allen Tieren, die bei hohen Außentemperaturen im Auto transportiert werden müssen. Autofahrten mit Haustieren erfordern daher eine sorgfältige Vorbereitung. Für längere Fahrten sollten die kühleren Tages- oder Nachtzeiten eingeplant werden. In das Reisegepäck gehören ein ausreichender Vorrat an Trinkwasser und mehrere, möglichst helle Tücher, die bei Sonneneinstrahlung angefeuchtet werden und als kalte Kompressen oder verdunstungsaktive Käfigabdeckung dienen können. Ist der Wagen durch längeres Stehen überhitzt, sind auch kürzere Autofahrten für Tiere belastend und sollten vermieden werden. Grundsätzlich gilt: Ein Tier darf niemals im geparkten Fahrzeug zurückgelassen werden – auch nicht für kurze Zeit. Offene Fensterspalten sind bei hochsommerlichen Temperaturen kein ausreichender Klimaschutz. „Da kommt es schnell zum Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Dabei gilt: Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit schützt vor Strafe nicht. Man sollte bedenken, dass die Hitze für die Tiere eine Qual ist“, so Nesselberger abschließend.

Psychologie: entscheidender Schritt zum Verstehen von Handlungen

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Forschende von sieben Universitäten zeigen in einem neuen Rahmenmodell, wie Menschen ihre Handlungen steuern. Das könnte auch für den Alltag höchst relevant sein.

„Man könnte denken, dass das Greifen einer Kaffeetasse nichts Besonderes ist“, sagt Prof. Dr. Christian Frings von der Abteilung für Allgemeine Psychologie der Universität Trier, „doch es ist eine beachtenswerte Leistung unseres Gehirns, das unsere Handlungen steuert.“ In der Psychologie gibt es viele Modelle, die Teilaspekte menschlichen Handelns beschreiben. Sie erklären unter anderem, wie wir neue Bewegungen wie Tennisspielen lernen oder welche Motivation hinter unseren Handlungen steckt. Doch ein übergreifendes Rahmenmodell fehlte bisher. Nun hat eine Forschungsgruppe einen vielversprechenden Vorschlag gemacht.

Brücke zwischen Handlungssteuerung, Lernen, Gedächtnis und Motivation

„Wir wollen eine Brücke zwischen Handlungssteuerung, Lernen, Gedächtnis und Motivation bauen“, sagt Christian Frings als Sprecher der DFG-Forschungsgruppe „Binding and Retrieval in Action Control“ (BRAC). Der Trierer Wissenschaftler und seine Kolleginnen und Kollegen aus Aachen, Jena, Freiburg, Leiden, Passau und Würzburg beschreiben in ihrem Modell die grundlegenden Prozesse der Handlungssteuerung: Zentral ist die Vorstellung, dass Handlungen aus Merkmalskombinationen von Objekten, Bewegungen und Effekten bestehen. Wenn wir zum Beispiel einen Text tippen möchten, ist das Objekt die Taste, die Bewegung die Muskelanspannung im Finger und der Effekt der getippte Buchstabe. Bei Wiederholungen von Merkmalen werden frühere Merkmalskombinationen abgerufen: Wenn wir das nächste Mal einen Text tippen, können wir das schon ein klein wenig schneller. Man kann sich das 10-Finger-Tippen als immer wieder geübte Merkmalskombination vorstellen.

Das Modell der Forschungsgruppe stellt nun heraus, dass der Prozess der Integration von Merkmalen und der Prozess des Abrufs durch Merkmale unabhängig voneinander sind. Dies hat eine weitreichende Bedeutung: Prozesse wie Aufmerksamkeit, Motivation oder Lernen durch Belohnungen/Bestrafungen können demnach an zwei unterschiedlichen Aspekten der Handlungssteuerung ansetzen: beim Entstehen der Merkmalskombinationen oder aber beim Abruf bereits gebildeter Merkmalskombinationen. Das kognitive System hat automatisch ablaufende Kontrollmechanismen, die das Aufrechterhalten ineffizienter oder inkompatibler Merkmalskombinationen verhindern. Aber man kann diese Prozesse auch willkürlich ansteuern.

Methoden der Psychotherapie weiterentwickeln und Fahrassistenzsysteme verbessern

Vor allem für die Grundlagenforschung zur Handlungssteuerung sind die Beschreibungen in diesem Modell von Bedeutung – aber nicht nur. „Das Modell ermöglicht, neue Hypothesen und Vorhersagen treffen zu können.“ Beispielsweise kann es helfen, Methoden der Psychotherapie weiterzuentwickeln oder die Bedienung von Fahrassistenzsystemen im Auto, die ja Handlungen von Fahrern unterstützen, zu verbessern.

Dass ihr Modell wirklich ein großer Schritt zum Verstehen menschlichen Handelns ist, zeigt auch die Veröffentlichung im weltweit sehr renommierten, interdisziplinären Fachmagazin „Trends in Cognitive Sciences“. Anders als gewöhnlich können Forschende ihre Aufsätze nicht selbst einreichen. Vielmehr fragt das Magazin gezielt ausgewählte Forschende an.

Anknüpfungspunkte für weitere Bereiche

Im nächsten Schritt wird die Forschungsgruppe ihr Modell für verschiedene Bereiche weiterentwickeln und Anknüpfungspunkte schaffen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Forschungsgruppe mit 1,8 Millionen Euro.

Link zum Aufsatz:

Frings, C., Hommel, B., Koch, I., Rothermund, K., Dignath, D., Giesen, C., ... Philipp, A. (2020). Binding and Retrieval in Action Control (BRAC). Trends in Cognitive Sciences, 1-13.

Glasverbot am Koblenzer Münzplatz soll Sicherheit erhöhen

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Glas-, Keramik- und Porzellanbehälter sind bis Ende August zeitweise am Wochenende tabu

Koblenz. Gerade in diesen warmen Sommertagen dient der Münzplatz abends und am Wochenende Koblenzerinnen und Koblenzern sowie Gästen aus dem Umland als Treffpunkt in den zahlreichen gastronomischen Betrieben sowie auf der Freifläche. Die Situation vor Ort haben das städtische Ordnungsamt und die Koblenzer Polizei dabei im Blick – gerade im Hinblick auf die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen der Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Wochen wurden hierbei diverse Maßnahmen ergriffen, um den jeweiligen Interessen der Anwohner, Gastronomen und Feiernden so gut es geht gerecht zu werden.
So wird seit rund zwei Wochen unter anderem der Münzplatz an den Wochenenden stärker ausgeleuchtet, da es immer wieder zu starker Vermüllung auch mit Glassplittern kommt, was eine nicht unerhebliche Gefahr für die Passanten darstellt.
Die Situation hinsichtlich zurückgelassener Flaschen und zahlreichem Glasbruch im Bereich des Münzplatzes hat sich zuletzt allerdings nicht verbessert, so dass die Stadtverwaltung Koblenz und die Polizei in einem gemeinsamen Gespräch am Dienstag das weitere Vorgehen hierzu abgestimmt haben.
„Wir haben uns in Absprache mit der Polizei dazu entschieden, für die kommenden Samstage ein Glasverbot für den Münzplatz zu verhängen. Damit wollen wir für mehr Sicherheit und mehr Ruhe bei den Anwohnern und Feiernden gleichermaßen sorgen“, fasst die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs das Ergebnis des konstruktiven Gesprächs zusammen.
Auf dem Münzplatz und in der Münzstraße ist nunmehr per Allgemeinverfügung ab Samstag, 8. August, bis zum 30. August 2020 ein Glasverbot verhängt. Das Mitführen von Glas-, Keramik- und Porzellanbehältern wie zum Beispiel Flaschen, Gläsern, Tassen oder Krügen ist im genannten Zeitraum dann jeweils samstags von 21 Uhr bis sonntags um 6 Uhr verboten. Ausgenommen von dem Verbot sind solche Bereiche, für die eine gaststättenrechtliche Erlaubnis besteht, wie beispielsweise in den verschiedenen Außengastronomien am Münzplatz.

Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Stadt Koblenz

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Junge Leute mit Interesse an der Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturen, die Integration und ein lebendiges Miteinander in Koblenz aktiv mitgestalten wollen – können sich für den Bundesfreiwilligendienst bei der Stadtverwaltung bewerben.
Zusammen mit den hauptamtlichen Sozialarbeitern und Integrationslotsen unterstützen Bufdis Menschen beim Ankommen in unserer Gesellschaft und leisten einen wichtigen Integrationsbeitrag. Einsatzort sind die städtischen Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber und Flüchtlinge.
Was für Voraussetzungen sollten Bewerberinnen und Bewerber mitbringen?
-        Neugierde und hast Lust gemeinsam etwas zu bewegen,
-        Kreativität,
-        Mindestalter 18 Jahre,
-        Fremdsprachenkenntnis idealerweise mehrere Fremdsprachen, zumindest aber Englisch und
-        wünschenswert Führerscheinbesitz der Klasse B

Fakten zum BFD
·       Vollzeitdienst für 18-27jährige
·       Ziele: Bildung und (berufliche) Orientierung
·       über 27 Jahre alt? Dann ist ein BFD auch in Teilzeit möglich!
·       mindestens 6, im Regelfall 12 Monate
·       der BFD wird als Praxisteil bei der Erlangung der Fachhochschulreife anerkannt
·       eigenständige Projektarbeit
·       flexibler Beginn zum Monatsanfang möglich
·       monatliches Taschengeld
·       5 spannende Bildungsseminare
·       stadtinterne Fortbildungs- und Schulungsmöglichkeiten
·       30 Tage Urlaub
·       volle Sozialversicherung
Interessenten schicken ihre Bewerbung an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Weitere Informationen stehen hier: https://www.soziale-lerndienste.de/

Dramatische Entwicklung: „Flüsterbremsen“ könnten zu noch mehr Bahnlärm führen

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Schienenlärmschutzgesetz wohl wirkungslos

Als die „Flüsterbremsen“ entwickelt wurden, sollte das den Schienenlärm erheblich reduzieren. So wurde es Anwohnern und Lokführern versprochen. Die Deutsche Bahn schrieb 2017: „Zusammen mit einer guten Pflege der Gleise wird so das Rollgeräusch eines Güterwagens um bis zu 10 dB (A) in der Vorbeifahrt reduziert und somit halbiert. Damit wird eine wesentliche Lärmquelle im Schienengüterverkehr bekämpft.“

Im Mai 2020 erklärte die Bundesregierung, dass mit dem Fahrplanwechsel 2020/2021 „nach Schienenlärmschutzgesetz keine lauten Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz verkehren“ dürfen. Alles dank der Flüsterbremse.

Doch nun stellt sich heraus: Die Flüsterbremse flüstert vermutlich gar nicht. Schreit sie vielmehr?

1.  Laute Güterwagen

Was sind „laute“ Güterwagen? Schauen wir dazu ins Schienenlärmschutzgesetz. „Laut“ ist nach Paragraph 2 ein Güterwagen, wenn er bei der Inbetriebnahme nicht den Anforderungen gewisser EU-Verordnungen entspricht. Entspricht er den Anforderungen, ist er leise und darf fahren. Das ist gut.

Doch die Ernüchterung kommt in Paragraph 3: Danach werden gewisse Güterwagen diesen leisen Wagen „gleichgestellt“. Wann ist das der Fall? Wenn er von Grauguss-Bremssohlen auf Verbundstoff-Bremssohlen (das sind Kompositwerkstoffe: K- und LL-Sohle) umgerüstet worden ist. Ok – auch das klingt erstmal gut: Leisere Bremsen.

2.  Leise Bremsen und laute Flachstellen

Doch Bremsen sind nicht der einzige Lärmfaktor bei einem Güterwagen. Auch Unebenheiten beim Rad, sogenannte Flachstellen, machen Lärm. Doch der Begriff „Flachstelle“ steht gar nicht im Gesetz. Es handelt sich also gar nicht um ein „Schienenlärmschutzgesetz“, sondern nur um ein „Bremslärmschutzgesetz“.

Der Name des Gesetzes ist irreführend. Wenn es heißt, „der Einsatz lauter Güterwagen ist auf dem deutschen Streckennetz verboten“, umfasst das nur laute Güterwagen nach der Definition des Gesetzes. Das ist das durchschaubares Manöver des Gesetzgebers: Er definiert einfach, was seiner Meinung nach laut ist, und beschränkt die Lautstärke auf die Bremsen.

In den Ohren der Anwohner bemisst sich die Lautstärke eines Güterwagens aber nach seiner tatsächlichen Emission, nicht nach dem, was in einem Gesetz steht.

3.  Wieso bleiben die Güterwagen laut?

Grund sind die genannten Radunebenheiten, die Flachstellen. Bisher heißt es dazu beschwichtigend, Flachstellen seien zu vernachlässigen. Das betreffe nur 6 Prozent der Waggons. Allerdings bedeutet das, dass ein Zug mit 200 Achsen immerhin 12 Flachstellen hat! Hört man die?

Lassen wir das die Experten beschreiben, die kaum verdächtig sind, den Güterverkehr madig machen zu wollen, nämlich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (Ortsgruppe Bebra). Sie schreibt im Juli 2020:

Flachstellen verursachen „laut polternde, klopfende oder schlagende Geräusche bei der Vorbeifahrt eines Zuges.“

Da fällt uns etwas auf: Das erste Wort der Definition ist „laut“. Aber solche Güterwagen sollen doch gar nicht mehr unterwegs sein dürfen ab Dezember 2020?

4.  Wie viele Flachstellen gibt es?

Die Zahl der Flachstellen wird massiv steigen. Zum einen soll der Schienengüterverkehr deutlich wachsen.

Das hat der „Schienenpakt“ im Sommer 2020 beschlossen. Das ist aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes auch gut. Doch ein Wachstum um das Doppelte erhöht auch die Flachstellen um das Doppelte.

Und damit nicht genug. Ausgerechnet die neuen Bremsen, die alles leiser machen sollen, führen nun zu mehr Flachstellen. Lassen wir wieder die Experten der Gewerkschaft GdL zu Wort kommen, die den Grund für den steigenden Lärm nennen:

„Ursache sind die sogenannten neuen Flüsterbremsen, welche aus speziellen Kunststoffen bestehen und im Vergleich zu den alten Stahlbremsklötzen die Lauffläche des Rades nicht mehr aufrauen.

Diese bleibt also glatt, wodurch sich das Rollgeräusch erheblich reduziert. Bei starken oder Bremsungen unter ungünstigen Witterungsumständen, kommt es nun allerdings leider öfter zu einem Blockieren der Räder.

Ein weiterer Nachteil: Während ein Bremsklotz aus Stahl bei einer Bremsung in der Lage war eventuelle Materialauftragungen durch die Drehbewegung des Rades zu beseitigen können dies die neuen Bremssohlen in dieser Form nicht mehr.“

Ergebnis aus unserer Sicht: Flüsterbremsen reduzieren Lärm, schaffen aber auch neuen Lärm.

Das berichtete auch die Fachzeitung „RailBusiness“ am 20. Juli 2020:

„Bei einer Zunahme des Schienengüterverkehrs auf 25 % Marktanteil werde es daher lauter statt leiser.“

Das Schienenlärmschutzgesetz hätte man sich aus Anwohnersicht also sparen können!

5.  Was kann man gegen Flachstellen tun?

Sie reparieren. Aber das geschieht oft viel zu spät. Manchmal fahren Güterwagen mit Flachstellen tagelang, monatelang durch die Gegend. Immer wieder Lärm, immer wieder, immer mehr …

6.  Aber muss der Wagenhalter nichts gegen Flachstellen tun?

Doch. Es gibt eine rechtliche Regelung gegen Flachstellen.

Problem: Sie greift nur ein, wenn die Flachstelle eine gewisse Länge hat. Doch auch kürzere – und breitere – Flachstellen können eine immense Lärmquelle darstellen.

Man kann nachweisen, dass die Länge der Flachstelle gemäß Allgemeinen Vertrag für die Verwendung von Güterwagen (AVV), Anlage 9 nichts mit der Intensität der Schlagwirkung auf die Schiene zu tun hat.

„Die Schläge von kurzen breiten Flachstellen wirken häufig viel stärker auf Rad, Achslager und Ladung als lange dünne Flachstellen. Daher hat die Intensität des Schlages nichts mit der Länge der Flachstelle gemäß AVV zu tun“, heißt es in der RailBusiness, die die Erkenntnisse eines Bonner Datenunternehmens zitiert.

Aufgrund der heutigen Regelwerke, die erst ab 40 mm Länge (bei 840-mm-Radsätzen) oder 60 mm Länge (bei 920-mm-Radsätzen) greifen, werde es daher nicht leiser.

„Anrainer von Schienenwegen würden weiterhin durch Flachstellen unter 40 mm Länge gestört, die breit sind und dadurch eine besondere Schlagintensität haben“, heißt es in der RailBusiness.

Dies wird vom Umweltbundesamt bestätigt. Am 15. Juli 2020 schrieb es der „Deutschen Schienenhilfe“:

„Es hat sich gezeigt, dass „kleine“ Flachstellen akustisch auffällig und „große“ Flachstellen akustisch unauffällig sein können.“

7. Was tun gegen Wagenhalter, die Flachstellen nicht reparieren?

Die GDL aus Bebra hat sich unserer Forderung angeschlossen, Flachstellen als Ordnungswidrigkeit zu behandeln. Doch die Verantwortung für Flachstellen bei einem Wagen dürfen nicht Lokführern oder den Menschen in der Zugvorbereitung angelastet werden. Gefragt sind die Wagenhalter.

Sie können durch Messungen erkennen, welche Wagen welche Flachstellen haben und den Wagen reparieren. Damit würden sie einer Ordnungswidrigkeit entgehen, den Lärm reduzieren, die Umwelt schützen und zugleich Geld sparen, weil die Wartungsintervalle auf die tatsächliche Wagensituation angepasst werden.

Doch die Schaffung einer Ordnungswidrigkeit hilft nur sekundär.

Deshalb schlägt die GdL (Bebra) vor:

„Aus unserer Sicht ist es notwendig ein Netz von Überwachungs- und Messtellen aufzubauen, welches in der Lage ist die Lärmbelastung eines Zuges nicht nur zu erfassen, sondern eventuelle „Übeltäter“ gleich zu identifizieren.“

Das wäre in der Tat der passende und am schnellsten greifende – und zudem heute schon technisch mögliche Lösungsansatz!

8. Was tut die Bundesregierung?

Doch die Bundesregierung wartet lieber ab. Sie verweist auf eine Studie, die das Umweltbundesamt durchführt. Die Ergebnisse werden „voraussichtlich 2022 veröffentlicht“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann im Juli 2020 auf eine Anfrage der Abgeordneten Tabea Rößner (Grüne).

Der Schienengüterverkehr hat in der Zukunft nur dann eine Chance auf Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn er leise ist. Das geht nur OHNE Flachstellen. Und zwar ab sofort – nicht erst in einigen Jahren, bis Studien veröffentlicht, diskutiert und Gesetze überlegt, entworfen und verworfen, diskutiert und vielleicht erst 2030 beschlossen werden, um 2033 in Kraft zu treten. Das ist zu spät.

Bis dahin hätte der aus Klimaschutzgründen notwendige Schienengüterverkehr viel Akzeptanz in der Bevölkerung verloren.

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