Sonntag, 15. Dezember 2019

Letztes Update:10:51:15 PM GMT

region-rhein.de

Leserbrief

Drucken
Quo vadis St. Josef Krankenhaus Adenau? - Was geschieht hier wirklich?

Von Hans-Peter Meyer

Wenn man in der Verbandsgemeinde Adenau geboren wurde und 57 Jahre dort gelebt hat, den Bau und die Eröffnung des Sankt Josef-Krankenhauses im Jahre 1966 mit erlebt hat, sich als Patient und auch als Besucher von der guten Qualität der Ärzte und des Pflegepersonals überzeugen konnte, dann erfüllt mich diese bedrückende Entwicklung inzwischen auch als Externer mit großer Besorgnis, weil es ein ähnliches Problem auch in meinem heutigen Wohnort (Bad Ems) gibt und auch das kurzfristige Schicksal, die Schließung der Loreley-Kliniken in Oberwesel und Sankt Goar, deren Trägergesellschaft ebenfalls die Marienhaus Holding GmbH in Waldbreitbach ist.

Daher kann ich die Sorgen und Ängste der Bediensteten im Adenauer Krankenhaus und der örtlichen Bevölkerung als auch den Unmut des sehr aktiven Fördervereins vollkommen nachvollziehen...

....Das ist inzwischen traurigerweise ein generelles tiefgreifendes Problem im Krankenhauswesen - seit vielen Jahren bundesweit bekannt und die Situation hat sich zunehmend verschlechtert...

Die Masse ist träge...der einzelne bewegt sich erst dann, wenn er selbst betroffen ist...und die Politik sülzt uns permanent ein..."Privat vor Staat", (ist aber absolut gescheitert) und dementsprechend wurden auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen geschaffen, es liegt inzwischen alles in den Händen von Gesundheitskonzernen und sogenannten Trägergesellschaften, die entscheiden, Hauptsache es rechnet sich und die schwarze Null steht respektive die Gewinnmaximierung für das eigene Unternehmen ist gesichert und vor allem lohnend. Grosse Einheiten sollen geschaffen werden und kleine Krankenhäuser sollen weichen, ist offenbar auch eine Empfehlung der Landesregierung RLP, obwohl man sich dort nach außen immer zurückhält und auf die Zuständigkeit der Trägergesellschaften verweist, die wiederum die Rahmenbedingungen der Politik verantwortlich machen, also ein "Schwarze Peter Spiel" das wie so oft das wahre Problem verdeckt.

Ich verweise hierbei auf die Studie der Bertelsmann Stiftung vom 15.07.2019.

Dort heißt es wörtlich - genau lesen!:
Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich.
In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1.400 auf deutlich unter 600 Häuser, würde die Qualität der Versorgung für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern....

Das heißt im Klartext: Es wird vorgeschlagen, die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland zu schließen.. Da ist die Richtung der m.E. verhängnisvollen Entwicklung im bundesdeutschen Krankenhauswesen deutlich erkennbar.
Diese Studie sollte jeder ernsthafte Kritiker lesen.

Was haben Demonstrationen und Proteste bisher gebracht, letztendlich nichts....,stattdessen haben die Trägergesellschaften nach eigenen nutzbringenden wirtschaftlichen Interessen zu Lasten von Personal und Patientenschaft entschieden.

Wenn die breite Öffentlichkeit sich dieser Problematik nicht annimmt und wirklich effektiven Druck macht, geschieht nichts, im Gegenteil das Gesundheitssytem (siehe den bundesweiten katastrophalen Pflegenotstand) wird auf diese Weise langfristig an die Wand gefahren. Die dringend notwendige Daseinssfürsorge des Staates ist weitgehend verloren gegangen. Mit dem friedlichen Widerstandskämpfer Stephane Hessel kann ich nur unmissverständlich sagen: Empört Euch! Das ist auch der Titel seines Buches...)
Und nicht nur einige wenige (örtliche Politiker und Mandatsträger) müssen aktiv werden, es muss ein massiver Druck aus der gesamten Bevölkerung spürbar sein...

Anders wird sich nichts zum Positiven ändern....

Ich vermute aber, die der Landesregierung nicht ganz unbekannten Pläne für die (weniger gute Zukunft) des St. Josef Krankenhauses Adenau liegen schon in der Schublade des Sanierungsmanagements des Krankenhausträgers, der Marienhaus Holding GmbH in Waldbreitbach und werden - wie es nahezu immer praktiziert wird - früher oder später der Öffentlichkeit als unumkehrbar präsentiert.

Vorher wird es ähnlich einer Volksverdummung noch einige beschwichtigende Aussagen und Ablenkungsmanöver von der Trägergesellschaft und auch aus dem politischen Bereich von der Landesregierung RLP aus Mainz geben.

Ich wünschte, ich hätte Unrecht...!

Hans-Peter Meyer

--