Dienstag, 07. Dezember 2021

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Stefan-Morsch-Stiftung: Anpfiff für die neue Stiftungsbotschafterin

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Christina Biehl engagiert sich für die Hilfe gegen Blutkrebs

Frauenfußball-Bundesliga, U-20-Weltmeisterschaft, Champions-League-Finale und 3. Liga im Herren-Fußball: Christina Biehl (34) hat seit 2008 eine steile Karriere als Schiedsrichterin hingelegt. Nun engagiert sich die Rheinland-Pfälzerin auch im Kampf gegen den Blutkrebs und unterstützt die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei, ab sofort ehrenamtlich als erste offizielle Botschafterin.

„Mich hat es sehr gefreut, dass die Stiftung auf mich zugekommen ist, um mich als Botschafterin zu gewinnen“, berichtet Christina Biehl. „Mein Vater ist, als ich 18 Jahre alt war, an Krebs gestorben. Das hat mich in meiner gesamten Laufbahn geprägt.“ Die Unterstützung der studierten Sportmanagerin sowie Umwelt- und Betriebswirtin kommt gerade richtig, denn Corona macht auch der Stammzellspenderdatei schwer zu schaffen: Da derzeit keine Typisierungsaktionen vor Ort stattfinden können, ist die Anzahl der Neuregistrierungen um 75 Prozent zurückgegangen. „Das bedeutet, dass wir 2020 etwa 15.000 Menschen weniger als potenzielle Lebensretter registrieren konnten als noch 2019“, erklärt Susanne Morsch, Vorstandsvorsitzende der Stiftung. „Im Gegensatz zur Blutspende kommt es bei der Stammzellspende auf die sogenannten HLA-Merkmale an. Das sind genetische Gewebemerkmale, die in einer sehr großen Vielfalt beim Menschen vorkommen – und die bei einer Spende übereinstimmen müssen. Wir sind deshalb immer auf der Suche nach dem ‚genetischen Zwilling‘ eines Erkrankten.“  

Christina Biehl wird ihren Bekanntheitsgrad unter anderem künftig dazu nutzen, für die Stiftung zur Online-Typisierung aufzurufen: „Das geht ganz einfach von Zuhause aus, über deren Homepage. Man muss lediglich drei kurze Fragen beantworten und seine Kontaktdaten angeben. Dann bekommt man ein Set für eine Speichelprobe inklusive Anleitung direkt nach Hause geschickt. Und das sendet man dann einfach wieder an die Stiftung zurück. Dies funktioniert auch im Lockdown super.“ Darüber hinaus berichtet die frisch ernannte Botschafterin in den Social-Media-Kanälen der Stiftung über ihre Einsätze als Schiedsrichterin. Am 18. Februar steht zum Beispiel ein Freundschaftsspiel der Frauen an, Belgien gegen die Niederlande: „Durch meine Schiedsrichtertätigkeit komme ich sehr viel herum, sowohl national auch als international. Ich möchte den Menschen von der Stiftung berichten, sie begeistern – und sie überzeugen sich typisieren zu
lassen.“ Gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation hat Botschafterin Biehl bereits jetzt interessante Beiträge geplant, die sie aber im Detail noch nicht verraten will: „Es soll ja spannend bleiben“, lacht sie.

Die Stefan-Morsch-Stiftung feiert in diesem Jahr ihr 35-jähriges Jubiläum. Sie war die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands und ermöglichte hierzulande zum ersten Mal die gezielte Suche nach einem sogenannten Fremdspender. Denn nur ein Drittel der Erkrankten findet einen passenden Lebensretter in der Familie. Alle anderen sind auf eine Fremdspende angewiesen, wenn Chemotherapien und Bestrahlungen, etwa bei Leukämie, nicht den gewünschten Erfolg bringen – und eine Stammzellspende die einzige Chance auf Überleben ist. „Wie kaum eine andere medizinische Therapie ist die Stammzelltransplantation auf die Solidarität der Bevölkerung angewiesen. Die Bereitschaft, sich für einen fremden Menschen einzusetzen, kann nicht hoch genug bewertet werden“, betont Susanne Morsch. Sie ist die Schwester von Namensgeber Stefan Morsch, der als erster Europäer 1984 durch eine Fremdspende von seiner Leukämie geheilt wurde. Unerwartet verstarb Stefan jedoch ein halbes Jahr später an einer Lungenentzündung. Seinem Wunsch, eine Spenderdatei in Deutschland aufzubauen, um auch anderen Betroffenen helfen zu können, haben seine Eltern und viele Unterstützer nach seinem Tod wahr werden lassen – und das prägt bis heute das Selbstverständnis der Stiftung: „Wir nehmen Blutkrebs persönlich.“