Freitag, 16. April 2021

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Tunnelbauprojekt Kuckuckslay

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SGD-Nord-Präsident Uwe Hüser schaut sich die Gesundheits- und Arbeitsschutzbedingungen beim Tunnelbauprojekt Kuckuckslay an

An der Tunnelbaustelle Kuckuckslay der Deutschen Bahn AG herrscht reger Betrieb und alle sind bemüht, den aufgestellten Zeitplan einzuhalten. Dennoch müssen auch hier die Gesundheits- und Arbeitsschutzbedingungen für die Menschen, die dort arbeiten, eingehalten werden. Ob das auch so ist, kontrolliert die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, die im nördlichen Rheinland-Pfalz für die Einhaltung dieser Bestimmungen verantwortlich ist. Sie kontrolliert aber nicht nur, sondern berät auch bei komplexen Fragestellungen.

„Der große Druck, den Zeitplan beim Tunnelbau einzuhalten, und die besonderen Anforderungen an die Mitarbeitenden müssen im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben zum Gesundheits- und Arbeitsschutz stehen“, erklärt SGD-Nord-Präsident Uwe Hüser, der sich  vor kurzem einer Baustelleninspektion anschloss. An dem Termin nahmen neben den Experten der SGD Nord auch der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator (SiGeKo) der DB Netz AG, der Bauleiter und eine Sicherheitsfachkraft teil. „Bei einer Baumaßnahme dieser Größenordnung und Komplexität muss bereits vor Beginn der Arbeiten ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erstellt und durch die SGD Nord geprüft werden. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung an das Unternehmen dar“, sagte Uwe Hüser.

Hinzu kommt, dass auch neue Regeln unter Berücksichtigung der COVID-19-Pandemie notwendig wurden. Auf der Baustelle wurde daher etwa die Maskenpflicht eingeführt, um die Ansteckungsgefahr unter den jeweiligen Arbeitsteams so gering wie möglich zu halten.

In dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan wurde die Baustelle beispielsweise in unterschiedliche Arbeitsbereiche unterteilt, in denen Gefährdungsbeurteilungen für die Mitarbeitenden erstellt werden mussten. Für bestimmte Bereiche wurden auch Schutzausrüstungen gefordert. Zudem wurden besondere Regeln aufgestellt, die im Gefahrenfall eingehalten werden müssen. Eine große Rolle spielt dabei die Unterweisung, denn die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen auch wissen, was sie unter welchen Bedingungen zu tun haben. Ein begleitendes Gefahrstoffmessprogramm dient dazu, die Arbeitsschutzmaßnahmen zu überwachen. Dies sind nur einige Punkte, die ein solch komplexer Plan beinhaltet und die vor Ort umgesetzt werden müssen.

Die SGD Nord war zufrieden mit den beim Tunnelbauprojekt umgesetzten Maßnahmen. „Die gesetzlichen Vorgaben wurden gut umgesetzt. Unsere Fachleute hatten keine Beanstandungen“, so Präsident Hüser nach dem Baustellentermin. Im Rahmen einer dreiwöchigen Totalsperrung vom 17. Juli bis 9. August 2021 wird der gesamte Baubereich wieder für den zweigleisigen Bahnbetrieb zurückgebaut. Die Restarbeiten beginnen bereits im April 2021 und dauern bis September 2021 an.

Hintergrund:

Der über 150 Jahre alte Kuckuckslay-Tunnel im Kylltal entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen des Bahnbetriebs. Daher wird er in den kommenden Jahren unter laufendem, eingleisigem Betrieb und unter Verwendung einer Schutzeinhausung modernisiert. Die vorbereitenden Arbeiten fanden von Februar bis November 2018 statt. Im Februar 2019 begannen die Arbeiten am Südportal des Tunnels. Auf der Bahnstrecke Hürth-Kalscheuren–Ehrang, der sogenannten Eifelstrecke, passieren die Züge den Kuckuckslay-Tunnel zwischen Kordel und Ehrang. Der zweigleisige Tunnel wurde 1871 erbaut. Durch Umwelteinflüsse wie Tropfwasser und Frost waren Schäden entstanden, die im Rahmen der Arbeiten behoben wurden. Zudem entsprach der Gleisabstand im Tunnel mit 3,5 Metern nicht mehr den heutigen Anforderungen an einen modernen Schienenverkehr. Um den Gleisabstand im 450 Meter langen Tunnel auf vier Meter zu vergrößern, kam die „Tunnel-im-Tunnel-Methode“ zum Einsatz. Dabei wurde eine Schutzeinhausung innerhalb des Tunnels errichtet. Durch diese konnte während der gesamten Bauarbeiten der Zugbetrieb aufrechterhalten werden: Im Zwischenraum von Schutzeinhausung und Tunnel wurde gearbeitet, während der Zugverkehr auf einem Gleis weiter rollte. Teilweise wurde der Tunnel innerhalb von Sperrpausen auch mittels Sprengungen verbreitert. Nach Abschluss der Vortriebsarbeiten erhielt der Tunnel eine neue Innenschale aus Stahlbeton. Der wasserundurchlässige Beton bietet einen größeren Schutz vor Verwitterung und verhindert künftig Nassstellen innerhalb der Tunnelröhre. Vor dem eigentlichen Beginn der Arbeiten wurde die südliche Stützwand des Tunnels durch eine sogenannte Bohrpfahlwand ersetzt. Die an den Gleisbereich angrenzenden Böschungen wurden zusätzlich mit Netzen und Felsnägeln gesichert. Dadurch wurde verhindert, dass während der Vortriebsarbeiten loses Geröll in den Gleisbereich fällt. Zusätzlich wurde am Südportal ein neuer Betondeckel über dem Tunnel errichtet, welcher nach Fertigstellung der Bauarbeiten zum neuen Fahrradweg gehören wird.

(vgl. Bauprojekt Kuckuckslay-Tunnel | BauInfoPortal der Deutschen Bahn (deutschebahn.com)).

Weitere Informationen unter www.sgdnord.rlp.de