Mittwoch, 08. Dezember 2021

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Fundierte Entscheidungshilfen für Politik und Gesellschaft

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Die Forschungsgruppe „MikroSim“ will Entwicklungen und Prognosen bis auf die Ebene von Gemeinden in Modellen abbilden.

Sie blicken in die Zukunft und stellen mit ihren Prognosen wertvolle Entscheidungsgrundlagen bereit. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungsgruppe „MikroSim“ schauen dafür nicht in Glaskugeln, sondern auf endlos lange Zahlenreihen. Statistiken und amtliche Daten sind die Basis, auf der die Professoren Ralf Münnich und Johannes Kopp von der Universität Trier gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Duisburg-Essen, des Statistischen Bundesamts und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin Entwicklungen in Deutschland fundiert prognostizieren und in Modellen abbilden.

Die Modelle dienen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft als fundierte Grundlage, um nachhaltige Entscheidungen treffen und Fehlentwicklungen vorbeugen zu können. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Weg frei gemacht für die Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit. Dank einer erneuten DFG-Förderung von 2,7 Millionen Euro kann die Forschungsgruppe um ihren Sprecher Prof. Dr. Ralf Münnich weitere drei Jahre an den hochrelevanten Fragen arbeiten.

In der ersten Phase haben die Forschenden damit begonnen, Mikrosimulationsmodelle für Themenbereiche wie demografischer Wandel, Migration und Pflegebedarf aufzubauen. Dabei stand die Entwicklung wissenschaftlicher Methoden und technischer Grundlagen im Fokus. Der Anwendungsbezug lag primär auf den Bereichen Pflege in Familienstrukturen und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt.

Zumindest innerhalb von Europa leistet das Team mit dieser Ausrichtung wissenschaftliche Pionierarbeit. Aus einem auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands bezogenen Datensatz wird der Transfer bis in kleinste Räume hergestellt, um Prozesse und Veränderungen in Regionen und Kommunen zu beschreiben. Die Abbildung in Modellen ermöglicht es, unterschiedliche Szenarien und Ausgangssituationen zu simulieren und alternative Handlungsoptionen anzubieten. Zur Einschätzung, wie sich Menschen künftig verhalten und wie sie ihr Leben gestalten, wurden sozialwissenschaftliche Handlungstheorien in die Modelle einbezogen.

Um fundierte Prognosen treffen zu können, braucht es neben einer guten Datenbasis und ausgefeilten wissenschaftlichen Methoden eine leistungsstarke IT-Infrastruktur, die in den vergangenen Jahren an der Universität Trier aufgebaut wurde. In der zweiten Projektphase von „MikroSim“ rücken mit Gesundheitsversorgung, Verkehr, Bildung und Wohnen neue Themenkomplexe in den Mittelpunkt. Ein weiteres Ziel besteht darin, die erarbeitete Mikrosimulation-Infrastruktur zu öffnen und weiteren Wissenschaftsdisziplinen für deren Fragestellungen und Analysen zur Verfügung zu stellen.

Nachdem in der ersten dreijährigen Periode des Projekts eine Abbildung Deutschlands sowie seiner dynamischen Veränderung konstruiert wurde, kommen in der zweiten Phase viele infrastrukturelle Aspekte bis auf kleinste regionale Ebenen zum Tragen. Damit können politische Maßnahmen und Veränderungen in der Bevölkerung bis auf die Ebene von Gemeinden und Stadtteilen untersucht werden.

„Die Forschungsgruppe vereint die Möglichkeit, mit modernsten Methoden der empirischen Sozialforschung und Statistik zu arbeiten und ein bedeutendes Zentrum für Deutschland mit einem einzigartigen Datenbestand aufzubauen. Dieser innovative Ansatz ist ein Gewinn für die Wissenschaft und zugleich Grundlage für eine evidenzbasierte Politikberatung“, so der Sprecher des Projekts, Professor Ralf Münnich.

Weitere Informationen: www.mikrosim.uni-trier.de