Montag, 06. Dezember 2021

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Die Verkehrswende heißt nicht Bahn, sondern Digitalisierung und Vernetzung

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Pro Rheintal fordert Koalitionäre auf, sich bei der Verkehrserneuerung nicht auf das fossile Bahnsystem, sondern auf neue Technologien und Digitalisierung zu stützen. Den Verkehr durch Vernetzung smart zu reduzieren und effektiver zu machen, anstatt ihn antiquiert und laut zu verlagern, muss das Ziel sein.

Die Ampel-Koalition hat nach Ansicht von Pro Rheintal richtig erkannt, dass von Deutschland die Impulse für eine Abwendung des Klimawandels und damit auch für eine Verkehrswende ausgehen müssen. Darin sei auch die Chance sowohl für zukünftiges Wachstum als auch Wohlstand begrün­det. Die Gefahr dabei sei jedoch, dass die Zeit und damit der Klimawandel davonläuft, weil die eigene Leistungsfähigkeit überschätzt und die Ziele nicht erreicht würden.

Der Einfluss der Umwelt wie auch die Leistungsfähigkeit der Menschen sind ein zentraler Punkt. Schon in den kommenden Jahren könnte das Leistungsvermögen der Menschen durch Klimawandel auch in den bisher als gemäßigt bewerteten Zonen dramatisch abnehmen. Dadurch könnten alle bisher dargelegten Pläne und Absichten in einen Strudel von Über­schuldung und dem Nichterreichen der gesetzten Ziele geraten.

So ist es nach Ansicht von Pro Rheintal-Chef Frank Gross zum Beispiel völlig illusorisch, im Güterverkehr auf eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene zu hoffen. Seit Jahrzehnten und mit dreistelligen Milliarden-Investitionen sei es der Bahn nicht gelungen, der Straße auch nur einen einzigen Prozentpunkt im Güterverkehr abzunehmen. Die Güterbahn sei antiquiert, teuer, langsam, umständlich und in moderne Logistikketten kaum noch integrierbar. „Das Beste an der Bahn ist noch ihre Propaganda, die ihr immer wieder ein grünes Image verleiht“, so Gross. Die Güterbahn sei aber nicht „grün“, sondern „rostig“, wie man am Lärm, der von Güter­zügen ausgehe, überall in Deutschland täglich hören könne.

Gleichzeitig seien Lärm und Luftverschmutzung, mit Blick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen, die beiden gravierendsten Einflüsse. Insbesondere der Lärm der überwiegend nachts verkehrenden Güterbahn betrifft – wie aus einer Untersuchung des Umweltbundesamtes hervor- geht – inzwischen 6,5 Millionen Menschen, die somit weniger ausgeschla­fen und leistungsfähig sind und so den Aufgaben der Zukunft immer weniger entsprechen könnten.

Als herausragender Ansatz der neuen Politik müsse deshalb gelten, die Umwelt- und Lebensbedingungen möglichst umgehend zu verbessern. Im Corona-Lockdown habe man einen Eindruck davon bekommen, wie viel schöner und gesünder ein Leben auf der Erde bei weniger Verkehr und Umweltbelastung sein könnte. Als Ansatzpunkt sieht Pro Rheintal hier einerseits Tempolimits in allen Bereichen, wo Verkehr mit Wohnbebauung in Berührung kommt. Denn je höher das Tempo, umso mehr Lärm. Das gelte an Straßen wie an Bahnlinien. Andererseits könne der Ausbau der 5G-Netze in Verbindung mit der weiteren Vernetzung von Beruf und Verkehr zu massiven Entlastungen führen.

Die Vernetzung bedeute auch weniger Fahrten von und zur Arbeit, weniger Flug- und Geschäftsreisen, weniger Gebäude- und Heizungs­aufwand, etc. „Wir müssen die Vernetzung und Gestaltung der Kommuni­kations- und Verkehrsnetze in professionelle Hände geben, die nicht von Lobbyisten kontrolliert werden, sondern direkt für Staat und Volkswirt­schaft arbeiten“, sagt Pro Rheintal, das ein entsprechendes Forderungs­papier an die Koalitionäre übermittelt hat und sich dabei auf Zusagen der SPD auf einen vor der Wahl beantworteten Wahlprüfstein bezieht.

Aus Lärmschutz- wie aus Sicherheitsgründen seien jetzt im Rheintal sofortige Tempolimits für die Bahn unausweichlich. Diese dürfe, wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch, innerhalb der Ortschaften nicht schneller als 50 km/h fahren. „Die Bahn kann ihr heutiges Tempo verdoppeln, indem sie sich moderne Fahrzeugkupplungen zulegt, aber nicht, indem sie nachts mit 100 km/h durch romantische Rheindörfer jagt. Hier geht es um Grund- und Menschenrechte“, erklärt Gross.