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„Verrückt? Na und!“ soll psychische Gesundheit von Schülern in Rheinland-Pfalz stärken

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Mainz, 23. März 2018 – „Verrückt? Na und!“ heißt ein Programm des Vereins Irrsinnig Menschlich und der BARMER, das die psychische Gesundheit von rheinland-pfälzischen Schülern stärken soll. Das Besondere an dem Programm ist, dass Menschen, die eine psychische Erkrankung überwunden haben, in die Schule kommen, um über seelische Krisen zu sprechen. Die Schirmherrschaft für die Etablierung von „Verrückt? Na und!“ an den Schulen in Rheinland-Pfalz haben Sozial- und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig übernommen. Weitere Unterstützer sind die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz und die Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Den Startschuss für die Etablierung des Programms im Land bildete eine Informationsveranstaltung im Mainzer Rathaus.

Dort erfuhren die Teilnehmer, dass „Verrückt? Na und!“ Schultage für Schüler klassenweise ab Jahrgangsstufe acht anbietet. „Menschen, die eine seelische Krise gemeistert haben, treten an diesen Tagen als so genannte Experten in eigener Sache mit den Jugendlichen in den Dialog und werden von fachlichen Experten wie Psychologen oder Sozialpädagogen begleitet“, erklärte Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Thema bei den Schultagen seien erlebte Krisen, Lebensschicksale und jugendtypische Bewältigungsstrategien. Ziel von „Verrückt? Na und!“ sei es, Schüler für Warnsignale psychischer Leiden zu sensibilisieren, seelisches Wohlbefinden in der Schule zu fördern und durch die Begegnung mit Betroffenen psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Die BARMER fördert das Programm finanziell.

„Verrückt? Na und!“ macht psychische Krisen besprechbar“

Durchgeführt werden die „Verrückt? Na und!“-Schultage von Regionalgruppen an ihrem jeweiligen Standort anbieten. Diese Gruppen bestehen aus regionalen Kooperationspartnern des Vereins Irrsinnig Menschlich wie zum Beispiel Trägern der psychosozialen Versorgung oder Gesundheitsämtern und den durch sie gewonnenen fachlichen Experten und „Experten in eigener Sache“. Irrsinnig Menschlich steht Regionalgruppen beratend zur Seite, trainiert sie für den Einsatz in der Schule und versorgt sie mit dem für die Schultage benötigten Material. In Rheinland-Pfalz gibt es bisher nur eine Regionalgruppe in Mainz mit dem Team von unplugged – Das Beratungscafe als Kooperationspartner.

Dr. Manuela Richter-Werling, Gründerin und Vorstand des Vereins Irrsinnig Menschlich und Initiatorin des Programms, sagte: „Irrsinnig Menschlich macht das ,schwierige‘ Thema psychische Krisen besprechbar und zwar dort, wo Prävention besonders wirkungsvoll ist: in Schule und Ausbildung. Im Fokus stehen dabei besonders Jugendliche und junge Erwachsene. Denn die Mehrheit aller psychischen Erkrankungen beginnt in der Jugendzeit, ausgerechnet in einer Zeit, die für eine gute gesundheitliche Entwicklung, Sozialisation und Lebensqualität prägend ist. Die Folge: menschliches Leid, zerstörte Lebenschancen, enorme volkswirtschaftliche Kosten.“ Das Schulprogramm „Verrückt? Na und!“ sei ein „Türöffner“ für ein hochaktuelles gesamtgesellschaftliches Thema. Sie unterstrich: „Dafür braucht es weitere Unterstützer aus Gesundheit, Bildung, Politik und Wirtschaft, um das Angebot in Rheinland- Pfalz auszubauen, damit wir noch mehr junge Menschen erreichen.“

Bätzing-Lichtenthäler und Hubig übernehmen Schirmherrschaft

„,Verrückt? Na und!‘ bietet die Möglichkeit, junge Menschen zu erreichen und sie über psychische Erkrankungen aufzuklären. Es geht dabei aber nicht nur um die Vermittlung theoretischen Wissens, sondern um einen Austausch auf Augenhöhe – mit persönlich Betroffenen, mit Experten, die in der Versorgung psychisch Erkrankter arbeiten, untereinander, aber auch mit Lehrern. Kinder und Jugendliche sollen Kompetenzen im Umgang mit psychischen Belastungen und Krisen aufbauen. Sie sollen Mut haben, Hilfe zu suchen und Hilfe anzunehmen“, betonte Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

„Das Programm ‚Verrückt? Na und!‘ leistet einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der psychischen Gesundheit in der Schule. Schülerinnen und Schüler werden niedrigschwellig an das Thema psychische Gesundheit herangeführt. Sie erfahren, dass seelische Krisen zum Leben gehören und bewältigt werden können. Ängste und Vorurteile werden abgebaut und gleichzeitig Zuversicht und Lösungswege aufgezeigt. Damit ist ‚Verrückt? Na und!‘ ein weiterer wichtiger Baustein in unserem breiten Angebot, mit dem gutes und gesundes Lernen und Lehren an den rheinland-pfälzischen Schulen gelingt“, so Dr. Stefanie Hubig.

Seit acht Jahren „Verrückt? Na und!“ in Mainz

Christopher Haas, Leiter von unplugged – Das Beratungscafe, zog eine Bilanz der Arbeit der Regionalgruppe Mainz: „Seit acht Jahren führen wir ,Verrückt? Na und!‘ in Mainz durch. Im letzten Jahr haben wir 25 Schulklassen und 615 Schüler erreicht. Im Projekt erarbeiten wir, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit Krisen konfrontiert wird. Die Schüler werden für ihre eigene seelische Gesundheit sensibilisiert und erfahren, wie sie diese stärken und wo sie unkompliziert Hilfe bekommen können.“ Haas dankte der Roswitha Beck Stiftung für Gemeindenahe Psychiatrie, die durch eine Förderung die Informationsveranstaltung unterstützt hatte.

Insa Schmitter, Expertin in eigener Sache, engagiert sich in der Regionalgruppe Mainz. Sie ruft andere Menschen mit überstandener seelischer Erkrankung, die sich gefestigt fühlen, zu einer Teilnahme in einer Regionalgruppe von „Verrückt? Na und!“ auf: „Ich mache bei dem Schulprojekt mit, weil ich junge Menschen dazu ermutigen möchte, sich Hilfe zu holen, wenn es ihnen schlecht geht und um ihnen zu zeigen, dass man jede Krise bewältigen kann.“ Der Umgang mit seelischen Krisen sollte genauso selbstverständlich präsent sein, wie das Verhalten bei einem Schulunfall oder Feueralarm.

Deutsche Rentenversicherung und Unfallkasse unterstützen Programm

Ralf Weisenburger, Reha-Dezernent der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, sagte: „Psychische Erkrankungen in jungen Jahren können eine Hypothek für das spätere Leben sein. Mit der Reha für Jugendliche setzen wir ein Ausrufezeichen dagegen. Dort trainieren Jugendliche ihre Stärken, entwickeln ihr Selbstwertgefühl und werden stabiler. Aber wir wollen schon vor der Reha ansetzen und deshalb fördern wir gerne das Projekt ‚Verrückt? Na und!‘“.

Andreas Hacker, Leiter der Präventionsabteilung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, sagte: „Die seelische Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften liegt der Unfallkasse Rheinland-Pfalz besonders am Herzen. ,Verrückt? Na und!‘ ist praxisnah und kann bedarfsorientiert und ohne großen Aufwand gut im Schulalltag eingebunden werden. Wir unterstützen gern den Ausbau weiterer Regionalgruppen. Wenn das Präventionsprogramm flächendeckend angeboten wird, können auch Schulen in ländlichen Regionen davon profitieren.“