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Rheinland-Pfälzer leiden besonders oft unter Reizdarm

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Mainz, 17. Mai 2019 – In fast keinem anderen Bundesland leiden anteilig mehr Menschen unter einem Reizdarm als in Rheinland-Pfalz. Das zeigt der Arztreport der BARMER. „Menschen mit einem Reizdarm sind oft in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Der Weg zur Arbeit, ein Treffen mit Freunden oder ein Kinobesuch kann mit dieser Erkrankung zur quälenden Belastung werden“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Das Reizdarmsyndrom sei gemessen an der Zahl der Betroffenen ein Volksleiden.

Das Reizdarmsyndrom äußert sich durch häufige und lange anhaltende Beschwerden im unteren Verdauungstrakt mit unbekannter Ursache. Typische Beschwerden sind Bauschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen. Laut Arztreport wurde im Jahr 2017 bei knapp 60.000 Rheinland-Pfälzern ein Reizdarm diagnostiziert. Das sind 1,5 Prozent der Bevölkerung in dem Bundesland. Nur im Saarland sowie in Baden-Württemberg, Bremen und Thüringen erfolgte die Diagnose öfter. „Befragungsstudien legen nahe, dass in Deutschland 17 Prozent der Bevölkerung an einem Reizdarm leiden. Viele Betroffene meiden aus Scham den Arztbesuch“, berichtet Kleis.

Reizdarmsyndrom betrifft auffallend viele Menschen in der Pfalz

In Rheinland-Pfalz wird auffällig oft in der Pfalz ein Reizdarm diagnostiziert. Zu den Landkreisen und kreisfreien Städten mit den bundesweit höchsten Diagnoseraten gehören der Kreis Kusel (3,0 Prozent), Speyer (2,5 Prozent), Ludwigshafen (2,4 Prozent), der Donnersbergkreis, der Rhein-Pfalz-Kreis (je 2,3 Prozent) und der Kreis Bad Dürkheim (2,1 Prozent). Der Kreis Kusel weist im Ranking aller deutschen Kreise und Städte den dritthöchsten Wert auf. Speyer und Ludwigshafen folgen auf den Plätzen sechs und sieben. Den geringsten Bevölkerungsanteil in Rheinland-Pfalz mit der Diagnose „Reizdarm“ gibt es im Kreis Vulkaneifel (0,8 Prozent).

Laut Kleis stellen sich Reizdarm-Patienten oft bei vielen Ärzten vor, bis sie die richtige Diagnose erhalten: „Die Anzeichen der Erkrankung sind sehr unspezifisch. Zudem ist das Reizdarmsyndrom eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, es müssen erst andere Ursachen ausgeschlossen werden, die die Beschwerden ebenso auslösen können.“ Bei der Diagnose würden zu oft bildgebende Verfahren wie Computer- und Magnetresonanztomografien eingesetzt, obwohl sie in der Regel nicht zur Abklärung eines Reizdarmsyndroms vorgesehen seien. „Gerade Computertomografien sollten aufgrund der hohen Strahlenbelastung zurückhaltend eingesetzt werden“, betont Kleis.

Der Arztreport liefert nicht nur Hinweise für Verbesserungspotenzial auf dem Weg zur Diagnose. Auch manche Ansätze zur Therapie von Reizdärmen müssen kritisch hinterfragt werden. „Laut Arztreport werden bei einem Reizdarm oft Magensäureblocker verordnet, obwohl ihr Nutzen bei der Behandlung umstritten ist“, erklärt Kleis. Magensäureblocker würden bei einer Langzeitanwendung mit einem erhöhten Risiko für Brüche, Magen-Darm-Infektionen sowie Lungenentzündungen in Verbindung gebracht. Auch opioidhaltige Schmerzmittel kämen zum Einsatz. „Hier ist nicht nur die Wirkung fraglich. Es droht auch eine Abhängigkeit“, unterstreicht Kleis.

Reizdarm-Therapie erfordert ganzheitlichen Ansatz

„Zu einer guten Therapie des Reizdarmsyndroms gehört ein ganzheitlicher Blick auf den Körper, der die Psyche ebenso einbezieht wie die Ernährung und Bewegung. Die reine Gabe von Medikamenten ist der falsche Ansatz“, bemängelt Kleis. Die Versorgung von Reizdarm-Patienten müsse deutlich besser werden. Hausärzte oder Internisten sollten am besten eng mit Schmerztherapeuten sowie zertifizierten Ernährungswissenschaftlern zusammenarbeiten und dabei die Psychosomatik im Blick behalten.

Nach den Worten von BARMER-Landesgeschäftsführerin Kleis können Betroffene selbst viel machen, um eine Linderung der Beschwerden zu erreichen. Dazu gehört, sich mit seiner Ernährung und seinem Essverhalten gezielt auseinanderzusetzen. Kleis sagt: „Auch Sport wie zum Beispiel Nordic Walking kann helfen. Meditieren und Achtsamkeitstraining können dazu beitragen, dass Betroffene lernen, mit psychosozialen Stressfaktoren umzugehen."