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Beschäftigte leiden oft unter ernsten Schlafstörungen

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Mainz, 20. November 2019 – In kaum einem anderen Bundesland leiden mehr Beschäftigte unter krankhaften Schlafstörungen als in Rheinland-Pfalz. Das zeigt der Gesundheitsreport der BARMER, für den die Krankenkasse die Daten von rund 180.000 bei ihr versicherten Erwerbspersonen mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz anonymisiert ausgewertet hat. „Kenntnisse zur Behandlung von Schlafstörungen sollten schon in der Ausbildung von Ärzten, Psychotherapeuten und anderen Gesundheitsberufen umfangreich vermittelt werden“, fordert Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

4,2 Prozent der Beschäftigten mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz litten im Jahr 2017 laut Gesundheitsreport unter ernsten Schlafproblemen wie Ein- und Durschlafstörungen, Albträume und Nachtangst (Bund: 3,8 Prozent). Nur in Berlin (4,4 Prozent), Bremen und im Saarland (je 4,3 Prozent) war der Anteil der Beschäftigten mit Schlafstörungen größer. Weibliche Beschäftigte (5,2 Prozent) in Rheinland-Pfalz sind öfter von Schlafstörungen betroffen als männliche Erwerbspersonen (3,2 Prozent). Kleis sagt: „Die Dunkelziffer bei Schlafstörungen liegt höher. Patienten sprechen Schlafstörungen beim Arztbesuch oft nicht an, wenn sie nicht zu erheblichen Beeinträchtigungen führen oder andere gesundheitliche Probleme wesentlicher erscheinen.“

Ärzte diagnostizieren immer öfter Schlafstörungen in Rheinland-Pfalz

Auffällig ist, dass die Zahl der Schlafstörungsdiagnosen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Erhielten im Jahr 2005 noch 2,4 Prozent der Erwerbspersonen mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz die Diagnose Schlafstörung, liegt der Wert heute um 75 Prozent höher. Dieser Trend betrifft gleichermaßen männliche und weibliche Beschäftigte in Rheinland-Pfalz. BARMER-Landesgeschäftsführerin Kleis betont: „Schlafstörungen sind eine Volkskrankheit. Der Prävention von Schlafstörungen sollte mehr Bedeutung zugeschrieben werden.“ Gesundheitserziehung in der Schule und betriebliche Gesundheitsangebote könnten der Entwicklung von Schlafstörungen entgegenwirken.

Auch innerhalb von Rheinland-Pfalz gibt es deutliche Unterschiede bei den Häufigkeiten von Diagnosen zu Schlafstörungen. Besonders oft stellen Ärzte entsprechende Diagnosen in der Pfalz. Von den 36 rheinland-pfälzischen Landkreisen und kreisfreien Städten erhielten im Mittel der Jahre 2015 bis 2017 Erwerbspersonen mit Wohnsitz in Pirmasens (5,6 Prozent) am häufigsten eine Schlafstörungsdiagnose. Es folgen die Landkreise Kusel (5,5 Prozent) und Birkenfeld (5,3 Prozent). Am seltensten stellten Ärzte den erwerbstätigen Bewohnern des Eifelkreises Bitburg-Prüm (3,0 Prozent), des Landkreises Mayen-Koblenz (3,3 Prozent) und des Rhein-Hunsrück-Kreises (3,4 Prozent) eine Diagnose aus dem Bereich der Schlafstörungen.

Schlafforscher warnt vor den Folgen von Schlafstörungen

Den Gesundheitsreport hat die BARMER zusammen mit aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen sowie Dr. Hans-Günter Weeß erstellt. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und Leiter des Schlafzentrums im Pfalzklinikum. Weeß sagt: „Die Auswirkungen von Schlafstörungen auf die Gesundheit und das Leistungsvermögen von Erwerbstätigen wurden bisher drastisch unterschätzt. Der Genesungsprozess bei Erkrankungen mit Schlafstörungen scheint im Vergleich zu Erkrankungen ohne begleitende Schlafstörung deutlich verlangsamt.“

Nach den Worten von Weeß ist die medikamentöse Therapie mit Schlafmitteln in vielen Fällen symptomatisch und birgt die Gefahr der Abhängigkeit. Zudem kommt sie zu oft und zu lange zur Anwendung und trägt zu einer Chronifizierung von Schlafstörungen bei. Kausale Therapien, wie die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, kommen viel zu selten zur Anwendung. Weeß warnt: „Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und psychische Störungen. Wer nicht ausreichend schläft hat auch ein höheres Risiko für Unfälle am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr.“ Besonders Beschäftigte im Schichtdienst seien von Schlafstörungen betroffen.