Sonntag, 28. Februar 2021

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Todesursachen 2019: Kreislauferkrankungen und Krebs am häufigsten

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Im Jahr 2019 erlagen rund 17.700 Menschen aus Rheinland-Pfalz einer Erkrankung des Kreislaufsystems. Laut Statistischem Landesamt in Bad Ems entspricht dies einem Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2018. In den vergangenen zehn Jahren sind die Fallzahlen in dieser Gruppe der Todesursachen um 4,6 Prozent gesunken, während die Gesamtzahl aller Todesfälle im Land um 8,5 Prozent zunahm.

Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben Kreislauferkrankungen nach wie vor die mit Abstand häufigste Todesursache. Insgesamt rund 37 Prozent aller Todesfälle sind hierauf zurückzuführen. Unter den zehn häufigsten Todesursachen bei Männern und Frauen finden sich unter anderem die chronisch ischämische Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße), der akute Myokardinfarkt (Herzinfarkt), die Herzinsuffizienz sowie die hypertensive Herzkrankheit.

Jeder vierte Sterbefall in Rheinland-Pfalz (12.000) wurde durch sogenannte Neubildungen hervorgerufen. Im Vergleich zu 2018 sind die Fallzahlen um 1,9 Prozent zurückgegangen; längerfristig ist jedoch ein Anstieg zu verzeichnen (plus 4,2 Prozent zu 2009; plus 12,1 Prozent zu 1999).

Zum weitaus größten Teil handelte es sich hierbei um bösartige Neubildungen (Krebs). So findet sich Lungen- und Bronchialkrebs sowohl bei Männern (6,0 Prozent aller Todesfälle) als auch bei Frauen (3,8 Prozent) unter den am häufigsten festgestellten Todesursachen. Darüber hinaus war Brustdrüsenkrebs ursächlich für vier Prozent aller Todesfälle von Frauen; jeweils rund zwei Prozent aller Männer und Frauen verstarben an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Erkrankungen des Atmungssystems erlagen im Jahr 2019 weitere 7,2 Prozent (3.440 Personen), davon alleine 3,4 Prozent (1.639) durch die chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), die damit ebenfalls zu den zehn häufigsten Todesursachen zählt.

Psychischen und Verhaltensstörungen konnten 5,8 Prozent aller Todesfälle (2.759 Personen) zugeordnet werden; 5,1 Prozent (2.448) davon waren verschiedene Formen der Demenz. Wenngleich zuletzt ein Rückgang verzeichnet wurde (minus 8,8 Prozent zu 2018), nehmen die dieser Gruppe zugeordneten Sterbefälle langfristig zu. Die Zahl der Verstorbenen durch psychische und Verhaltensstörungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch für Krankheiten des Nervensystems – insbesondere Parkinson und Alzheimer – beobachten, die 2019 knapp 4 Prozent aller Sterbefälle (1.814) verursachten (minus 4,1 Prozent zu 2018); hier sind die Fallzahlen seit 2009 um 77 Prozent gestiegen.

Insgesamt 2.000 Menschen (4,2 Prozent aller Todesfälle) sind im Jahr 2019 in Rheinland-Pfalz infolge äußerer Ursachen wie Verletzungen und Vergiftungen verstorben; das waren 3,5 Prozent mehr als 2018. Auch für diese Gruppe Todesursachen zeigt sich auf lange Sicht einen überdurchschnittlichen Anstieg von 56 Prozent seit dem Jahr 2009. Zu dieser Dynamik hat vor allem eine Zunahme von Stürzen (plus 180 Prozent) beigetragen. Hiervon waren in erster Linie Personen mit 75 und mehr Lebensjahren betroffen.

Betrachtet man verschiedene Altersgruppen, so zeigt sich, dass sich die relative Häufigkeit von Todesursachen mit fortschreitendem Lebensalter ändert: Der Tod tritt in den ersten Lebenstagen vor allem aufgrund von Komplikationen unmittelbar vor, während oder nach der Geburt auf. Darüber hinaus sterben Menschen in den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens vermehrt an angeborenen Chromosomenanomalien und Fehlbildungen. Äußere Ursachen wie Verletzungen und Vergiftungen durch Unfälle oder Suizid sind ebenfalls vergleichsweise häufig Grund für Sterbefälle bei jüngeren Menschen. Mit fortschreitendem Alter treten diese Faktoren – zumindest relativ betrachtet – in den Hintergrund und der Anteil von Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Neubildungen sowie psychischen und Verhaltensstörungen an allen Todesfällen nimmt zu.

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Das Statistische Landesamt veröffentlicht jährlich mehr als 200 Pressemitteilungen, die ein umfassendes Bild der Strukturen und Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft liefern. Die Veröffentlichung der Zahlen erfolgt mit einigem zeitlichen Abstand zum Berichtszeitraum; denn das Einsammeln der Daten und ihre sorgfältige Aufbereitung nach wissenschaftlichen Grundsätzen kosten Zeit. Deshalb wird im Moment auch noch über Strukturen und Entwicklungen berichtet, die vor dem Beginn der Corona-Pandemie liegen. Das scheint in einer Situation, in der sich nahezu alle Lebensbereiche tiefgreifend verändern, befremdlich. Diese Zahlen haben jedoch eine wichtige Funktion; sie bilden die Grundlage für die Bewertung der Auswirkungen von Corona in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Deshalb veröffentlicht das Statistische Landesamt Pressemitteilungen mit Vor-Krisen-Ergebnissen.

Grundlage der jährlichen Todesursachenstatistik sind die offiziellen Todesbescheinigungen, auf denen der zuständige Arzt im Rahmen der Leichenschau alle zum Tode führenden Ursachen vermerkt. Aus diesen Angaben ermittelt das Statistischen Landesamt nach international festgelegten Regeln das zum Tod führende Grundleiden, also diejenige Todesursache, die als ursächlich für den Tod anzunehmen ist. Es handelt sich somit um eine monokausale Darstellung der Todesursache. Die Unterscheidung nach den verschiedenen Todesursachen erfolgt auf Basis einer international einheitlichen Klassifikation (ICD-10). Die Todesursachenstatistik dient als Grundlage zur Ermittlung von Gesundheitsindikatoren wie Sterbeziffern, verlorene Lebensjahre und vermeidbare Sterbefälle. Die Statistik ermöglicht die Erforschung regionaler Besonderheiten und deren Veränderungen im Laufe der Zeit. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen und Strategien bspw. für die epidemiologische Forschung, den Bereich der Prävention und Gesundheitspolitik abgeleitet. Da hier das Jahr 2019 betrachtet wird, sind die Folgen der Corona-Pandemie in den Daten nicht enthalten.

Autor: Markus Elz (Referat Soziales, Gesundheit, Rechtspflege)