Montag, 17. Dezember 2018

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PER PEDES ÜBER DEN ALPENHAUPTKAMM


Foto: Melchboden an der Zillertaler Höhenstraße, Foto: Bernd Hafemeister

Anläßlich einer Wanderwoche reifte der Gedanke, einmal in mehreren Etappen die Alpen zu überqueren. Nachdem die Eckpunkte - wie Personenzahl, Standquartier, Mobilität vor Ort - geklärt waren, wurden die einzelnen Touren von Rolf Zimmermann ausgearbeitet. Anfang Juli war es dann soweit; die Teilnehmer aus Hamburg, Bad Orb, Alken, Horhausen und Dahlem trafen sich in Koblenz, um mit einem 9er-Bus die Reise nach Mayrhofen anzutreten. Von hier aus starteten wir fünf Etappen, um noch mit einer weiteren Tour in Südtirol den Zielort Sterzing zu erreichen.

Die erste Tour begann nahe Wildbad Kreuth und führte über 17 km mit zu überwindenden 738 Höhenmeter. Der Aufstieg durch Buchenmischwald und weiter hinauf zu den Latschenkiefern bot uns traumhafte Ausblicke im Bereich des Bayerisch-Tiroler-Grenzkamms. Nach 3,5 stündigem Aufstieg hatten wir die Blaubergalm in Tirol erreicht. Beim 9,5 km langen Abstieg über einen Forstweg war aber Allen die Angstregungen dieser Tour anzumerken. Am Westufer des Achensees startete die nächste Etappe. In leichtem Auf und Ab wanderten wir auf teilweise mit Stufen und Handläufen ausgestatteten Pfaden, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangten. Nach Einkehr in der Gaisalm endete der Wandertag in Pertisau. Am nächsten Tag brachte uns die Bergbahn Fügen über die Baumgrenze hinauf zum 1.862 m hoch gelegenen Spieljoch. In einer Umgebung mit jahrhunderte alten Zirbenbäume, Almrosen und Granitsteinen brachte uns ein traumhafter Pfad über die Gartalm zum Loassattel. Wir hatten majestätische Ausblicke auf die umliegende Bergwelt des Zillertales. Über einen Forstweg abwärts gelangten wir zum Tagesziel, dem bekannten Wintersportort Hochfügen. Hier begann die nächste Tour mit dem Ziel Melchboden an der Zillertaler Höhenstraße. Durch historische Almdörfer und vorbei an vom Gletscher geschliffenen Felsen wanderten wir unter Bewältigung von 660 Höhenmetern zum Sidanjoch. Nicht mehr weit, kehrten wir in der Rastkogelhütte ein. Auf einem Pfad entlang eines Bergrückens ging es dann abwärts zum Melchboden. Am nächsten Tag wurde in der „Königsetappe“ der Alpenhauptkamm überschritten, den wir beim Schlegeisspeicher (1.799 m) in Angriff nahmen. Über einen Steig entlang eines mäandrierenden Baches im Zamser Grund , vorbei an Wasserfällen, erreichten wir als Zwischenziel die Lavitzalm (2.095 m). Nach 7,0 km überschritten wir die Landesgrenze Österreich/Italien beim Pfitscher-Joch (2.246 m) und nach weiteren 600 m kehrten wir im Pfitscher Joch-Haus zu einer wohlverdienten Rast ein. Über sanfte Almwiesen und einen Mischwald wanderten wir die letzten Kilometer hinab zum Talboden des Pfitschtals und erreichten St. Jakob, den ersten Weiler der Gemeinde Pfitsch. Die letzte Etappe - überwiegend auf Waldpfaden - hatte nur wenige Höhenmeter und ging stetig bergab durch die Ortschaften Tulfer und Wiesen. Nach einer kleinen Anhöhe bei Flains gelangten wir ins gotische Ortszentrum von Sterzing zum Stadt- oder Zwölferturm, dem Ziel der Wanderwoche.

Alle waren sich einig: Einmal über die Alpen – es war ein Erlebnis für immer.