Donnerstag, 20. September 2018

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Ein Cello, ein Flügel und eine außergewöhnliche Geschichte

Freitagabend, 21.00 Uhr. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Stimmungsvoll sind das Gebäude der Stommel Stiftung und der Dorfplatz vor dem Bürgerhaus Urbar illuminiert. Nun beginnt der Schauspieler Julian Weigend, eine der faszinierendsten Autobiografien unserer Zeit vorzutragen: Gregor Piatigorsky, später einer der am meisten bewunderten Cellisten des 20. Jahrhunderts, schlug sich bereits als 8 -Jähriger ohne Geld und nur mit seinem Cello hunderte Kilometer in Russland durch, musste vor seiner Entdeckung durch den Dirigenten Wilhelm Furtwängler viele Nächte auf Parkbänken in Berlin verbringen und geriet auch als gefeierter Star immer wieder in Situationen, die manchem die Sprache verschlagen würden. Nicht so Julian Weigend (bekannt z.B. aus „Schimanski“ und „In aller Freundschaft“ ): Ihm gelingt es mit suggestiver Kraft, das Publikum in diese oft zwischen Tragik und Komik schwankenden Episoden hineinzuziehen und deren Protagonisten lebendig werden zu lassen. Die Zuschauer auf dem komplett ausverkauften Platz vor der Stommel Stiftung sind sichtlich gebannt.

Hierzu tragen maßgeblich auch Benedict Kloeckner (Cello) und Anna Fedorova (Klavier) bei, die den musikalischen Teil des Abends gestalten. Die beiden jungen Musiker, die mittlerweile in den großen Konzertsälen der Welt (z.B. Berliner Philharmonie und Carnegie Hall New York) bestens bekannt sind, ziehen alle Register ihres Könnens bei Werken u.a. von Rossini, Sarasate, Brahms und Strauss, die passend zum Text ausgewählt wurden. Benedict Kloeckner und Anna Fedorova arbeiten bereits seit Langem zusammen und das merkt man: Bei jedem Takt herrscht absolutes Einvernehmen und so kann man in vollem gegenseitigen Vertrauen der Virtuosität freien Lauf lassen. Selbst aberwitzig schwierige Passagen werden noch mit einem Temperament gespielt, als gäbe es kein Risiko. Bei alledem bleibt man der Musikalität nichts schuldig: Auch in den lyrischen Passagen entfaltet die Musik größte Intensität. Am Ende des Abends ist das Publikum glücklich, aber nicht wunschlos: „Geht es nächstes Jahr weiter?“ Keine Sorge: Für 2019 ist ein Folgeprojekt vorgesehen. Veranstalter waren die Stommel Stiftung, die Wolfram Haymann Stiftung und das Internationale Musikfestival Koblenz mit Unterstützung der Stiftung Zukunft der Sparkasse Koblenz, der Fa. Hüttenbrauck Kälte- und Klimatechnik GmbH und der Colburn School /Los Angeles.