Mittwoch, 12. Dezember 2018

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Äußerst sehenswertes Puppentheater ab Freitag im Theater Koblenz "Mädchen in Not"

Mädchen in Not
Puppentheater nach einem Schauspiel von Anne Lepper

Anne Lepper, 1978 in Essen geboren, gewann mit „Mädchen in Not“ den
Mülheimer Dramatikerpreis und wurde zur Dramatikerin des Jahres 2017 gekürt.

Bewundernswert hartnäckig suchen Anne Leppers Figuren immer wieder nach dem
Glück oder immerhin nach einem kleinen Stück vom gelungenen Leben. In „Mädchen in Not“ geht es für die junge Frau Baby um die Frage, mit wem sie das Leben teilen möchte. Sie hat einen Mann und einen Liebhaber, ist also nach den Maßstäben zeitgenössischer Lebensführung bestens ausgestattet.

Aber dann entfaltet das Wollen, das Suchen nach dem Besseren seine fatale Wirkung. Ein echter Mann, meint Baby, ist nämlich am Ende nicht das Wahre. Nur mit einer Puppe als Mann verspricht das Leben ein glückliches zu sein, kann man als Frau wirklich frei und selbstbestimmt werden. Unter den neidvollen Augen ihrer Freundin Dolly startet Baby also in ihr neues Leben mit einer Puppe, das mit stundenlangem An- und Ausziehen, unwidersprochenen Monologen und autonomer Sexualität viele Vorzüge bietet. Aber das Wollen geht naturgemäß weiter, und so folgt irgendwann die zweite Puppe, die aber eben so wenig wie die erste echt ist in ihrem Puppensein. Es sind nämlich Mann und Liebhaber, die sich zu Puppen haben machen lassen, um so Baby davon zu überzeugen, dass es doch mit den echten Männern am schönsten ist. Eine Intrige, die schlecht für sie enden soll. Währenddessen treibt die Gesellschaft der Freunde des Verbrechens ihr Unwesen, und der freundlich-dämonische Puppenmacher Duran-Duran gebietet über alles.

In Zeiten, da im Zuge der #metoo-Debatte die Rolle von Frauen in der Gesellschaft heftig diskutiert wird, ist Anne Leppers Drama hoch aktuell. Dabei geht es der Autorin nicht um Gender-Thesen, sondern um die Menschen und ihren Kampf um ein selbst bestimmtes Leben. Leppers Dramaturgie fordert Mut zum Experiment, denn das ursprünglich für ein Schauspielensemble geschriebene Stück setzt der Regisseur Nis Søgaard mit nur einer Spielerin und dem sie begleitenden Musiker Philipp Pleßmann in Szene. Das Solo von Luisa Grüning, seit dieser Spielzeit am Theater Koblenz als Puppenspielerin engagiert, bildet in dieser Lesart unterschiedliche Perspektiven ab.

Für Nis Søgaard ist es bereits die zweite Regiearbeit für die Sparte Puppentheater am Theater Koblenz. 2017 inszenierte er mit dem Stück „Unterirdische Komödie“ seine Sicht auf das Schicksal der 33 chilenischen Bergarbeiter, die im Jahr 2010 beim Einsturz einer Mine für 69 Tage für 700 Tage eingeschlossen waren und schließlich alle gerettet werden konnten. Die Puppen stammen aus der Werkstatt der renommierten Puppenbauerin Barbara Weinhold.

Inszenierung: Nis Søgaard
Bühne und Kostüme: Nis Søgaard
Puppenbau: Barbara Weinhold
Mitarbeit Kostüm: Doreen Wagner
Musik: Philipp Pleßmann
Dramaturgie: Juliane Wulfgramm

Mit Luisa Grüning und Philipp Pleßmann

Termine: 7./ 8./ 9./ 13./ 14./ 15./ 16. Dezember, jeweils um 20:00 Uhr auf der Probebühne 4

Kontakt, Karten und Informationen:
Theaterkasse im Forum Confluentes, Zentralplatz 1, täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, Tel.: (0261) 129 2840 & 129 2841
Internet: www.theater-koblenz.de

THEATER KOBLENZ
Clemensstraße 5
56068 Koblenz
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