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Werke von Milhaud, Ibert und de Falla

So., 14. April 2019, 16:00 Uhr, Görreshaus Koblenz

Kann man sich die musikalische Darstellung der Schöpfung auch außerhalb des großen Orchesters und des alttestamentarischen Rahmens vorstellen? Darius Milhaud, einer der produktivsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, konnte das und schrieb den „Balletts suédois“ 1922 eine sechsteilige Suite für ein kleiner dimensioniertes Orchester von 17 Musikern. Nicht nur die Stilelemente des Jazz sowie solcher Tänze wie der Rumba, mit denen sich Milhaud zu Beginn der 1920er Jahre beschäftigte, und Anklänge an Johann Sebastian Bach gehören zu den Merkmalen dieses schillernden Werkes. Auch die Choreographie von Jean Börlin, die sich auf afrikanische Mythen, Kunst und Architektur stützt, fand im rhythmischen und formalen Charakter von „La création du monde“ ihren Einschlag.

Kammerorchestral geht es beim Orchesterkonzert im Koblenzer Görreshaus am 14. April 2019 weiterhin zu, so durch das „Divertissement“ von Jacques Ibert, mit dem Darius Milhaud eng befreundet war. Zwar war Ibert im Gegensatz zu ihm kein Mitglied jener „Groupe des six“, also des Zusammenschlusses von Künstlern aus Frankreich, zu denen auch Francis Poulenc zählte. Doch vertrat er auch eine ähnliche Ästhetik der leichten, flüssigen Klänge, die Vermeidung von Pomp und Sentimentalität sowie eine Offenheit für allerlei musikethnische Tendenzen, verbunden mit Ironie. In diese Richtung geht auch sein 1930 vollendetes „Divertissement“, das im Grunde genommen eine Suite von Tänzen darstellt, jedoch mit allerlei trivialmusikalischen Anklängen, wie an die Varietémusik, und musikalischen Seitenhieben, auch auf den „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn Bartholdy.

Zur selben Zeit wie seine beiden Kollegen lebte und wirkte auch Manuel de Falla. Eine Generation älter als Milhaud und Ibert unterscheidet sich sein früher Stil noch insofern, als er sich sehr an Debussy und Ravel orientierte, gleichzeitig aber auch ein Gefühl für die Volksgesänge seiner andalusischen Heimat entwickelte und diese sein Werk prägten. Ergebnis einer solchen Beschäftigung ist etwa seine Gitaneria - sinngemäß übersetzt als „Zigeunerstück“ - mit dem Titel „El amor brujo“ (Der Liebeszauber) von 1915 mit Rezitation und Kammerorchester. Dieses Werk war allerdings in seiner Urfassung nicht von Erfolg; dieser stellte sich erst ein Jahr später ein, als Manuel de Falla eine zweite überarbeitete Version aufführen ließ, die statt gesprochener Dialoge nun Gesänge für Mezzosopran beinhaltete. In „El amor brujo“ geht es, wie der Titel schon ahnen lässt, um eine junge Frau, die nach dem Tod ihres Mannes eine neue Liebe gefunden hat, vom eifersüchtigen Geist ihres dahingeschiedenen Gatten jedoch nicht in Frieden gelassen wird. Wohl um ein noch größeres Publikum zu erreichen, erstellte Manuel de Falla im Jahr 1921 eine dritte und letzte Fassung, die ein opulentes Orchester verlangt.

Das Orchesterkonzert im Görreshaus, das folgerichtig „Gesänge der schmerzhaften Liebe“ ankündigt, wird die Zweitfassung von 1916 mit Kammerorchester und Gesang aufführen. Die Gesänge der Frau intoniert die junge Mezzosopranistin Clara Mouríz, Absolventin der Royal Academy of Music und Expertin für selbstbewusste Frauenpartien, die Leitung des Konzerts übernimmt Chefdirigent Garry Walker.

In Kürze:

So 14 04 19

16:00 Uhr | Koblenz | Görreshaus

ORCHESTERKONZERT

IM GÖRRESHAUS

CANCION DEL AMOR DOLIDO

Clara Mouríz, Mezzosopran

Garry Walker, Musikalische Leitung

Werke von Milhaud, Ibert und de Falla

KARTEN

Orchesterbüro | t: 0261 3012-272

Ticket Regional | www.ticket-regional.de