Donnerstag, 25. Februar 2021

Letztes Update:04:26:11 PM GMT

region-rhein.de

Online-Biographien jüdischer Häftlinge im KZ Osthofen

Von Januar bis Juni 2021 veröffentlicht die Gedenkstätte KZ Osthofen auf ihrer Homepage Biographien jüdischer Häftlinge des Konzentrationslagers Osthofen (1933-34)

Im Rahmen des Themenschwerpunkts "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz präsentiert die Gedenkstätte KZ Osthofen von Januar bis Juni 2021 auf ihrer Homepage www.gedenkstaette-osthofen-rlp.de die Lebenswege jüdischer Häftlinge des Konzentrationslagers Osthofen.

Bis Ende Juni werden voraussichtlich 12 Biographien jüdischer Häftlinge des KZ Osthofen online vorgestellt. Den Auftakt macht die Biographie des Osthofener Papierfabrikanten Ludwig Ebert. 1939 floh er in die Niederlande, wurde dort verhaftet und 1944 in Auschwitz ermordet.

Jüdische Häftlinge im KZ Osthofen 1933-34
Mindestens 3.000 Männer inhaftierten die Nationalsozialisten von März 1933 bis Juli 1934 im KZ Osthofen unter entwürdigenden Bedingungen. Zu den namentlich bekannten Häftlingen gehörten über acht Prozent jüdische Deutsche aus dem damaligen Volksstaat Hessen. Viele hatten sich als Anhänger von KPD, SPD, Reichsbanner, Gewerkschaften oder anderer Gruppierungen der Arbeiterbewegung aktiv gegen den Aufstieg der NSDAP gestellt. Andere fielen antisemitischen Racheakten zum Opfer, motiviert durch persönliche Feindschaften, Rivalität, Neid und ökonomische Interessen der Denunzianten.

Antisemitismus, der schon in der Weimarer Republik immer wieder zu verbalen und tätlichen Angriffen auf jüdische Deutsche geführt hatte, durfte nun offen gezeigt werden. Große Teile der Bevölkerung akzeptierten dies.
Im KZ Osthofen wurden jüdische Häftlinge noch brutaler und erniedrigender behandelt als die "politischen". Demütigungen, Fußtritte und Prügel waren an der Tagesordnung. In einem eingezäunten "Käfig" wurden sie von den Wachen gezwungen bis zur Erschöpfung im Kreis zu laufen. Die größte Schikane war das Leeren der Latrinen. Dafür wurden fast ausschließlich jüdische Häftlinge eingeteilt. Mit Blechbüchsen, Essgeschirr oder bloßen Händen mussten sie die Reinigung ausführen.

Die Haft im KZ Osthofen war für die jüdischen Männer und ihre Familien der Beginn einer Zeit, die von Diskriminierung, Gewalt und finanzieller Not geprägt war. Die sich stetig verschlechternde Situation brachte viele dazu, ihre Heimat zu verlassen und auszuwandern. Diejenigen, die blieben, wurden ab 1941 mit ihren Familien in Konzentrationslager und Ghettos deportiert. Nur wenige überlebten den Holocaust und kehrten nach Deutschland zurück.