Montag, 21. Januar 2019

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40. Verleihung Carl-Zuckmayer-Medaille 2019

Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt literarisches Gesamtwerk von Robert Menasse

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2019 ausgezeichnet. Bei der Feierstunde im Mainzer Staatstheater würdigte ihn die Ministerpräsidentin „als großen Erzähler der Gegenwart“, der seit mehr als drei Jahrzehnten nicht aus der deutschsprachigen Literatur wegzudenken sei. „: „Robert Menasse hat sich große Verdienste um die deutsche Sprache erworben, er hat in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes literarisches Gesamtwerk geschaffen, für das ich ihm heute auf Vorschlag der Kommission die Carl-Zuckmayer-Medaille verleihe“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer

Rund 750 Gäste aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur sowie 150 Schülerinnen und Schüler aus Mainzer Schulen waren zur diesjährigen Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille ins Mainzer Staatstheater gekommen. Unter ihnen konnte die Ministerpräsidentin auch die früheren Preisträger Dr. Yoko Tawada und Hans-Werner Kilz begrüßen. Sie dankte dem Schriftsteller, Essayisten und Kritiker Karl-Markus Gauß für seine Laudatio auf den Preisträger. „Er ist Experte der österreichischen Literaturszene und kennt sich besten mit dem Schaffen von Robert Menasse aus. Wir freuen uns auf seine kenntnisreiche Rede“, so die Ministerpräsidentin.„Auch der diesjährige Preisträger ist ein Meister der Sprache. Robert Menasse ist einer, der mit einem ganz eigenen Ton die Gegenwart erzählt und reflektiert. Er schaut genau hin, benennt und spitzt zu, pointiert und provoziert. An Hegel, Marx, Lukácz und Adorno dialektisch geschult, durchleuchtet er in seinen rund dreißig Büchern mit Scharfsinn und Witz die Zustände und Abgründe menschlicher Verhältnisse und Seelen. Menasses Sprache ist poetisch verknappt, lakonisch, manchmal beißend ironisch – aber ohne dabei die Grenze zum Zynismus zu überschreiten. Denn Robert Menasse ist einer, dem die Welt nicht gleichgültig ist, der sich nicht verächtlich abwendet“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Ihrer Rede. „Die Hauptstadt“ sei eine Liebeserklärung an Europa: ein elegant geschriebener, zum Teil scharf satirischer und pointiert reflektierender Roman.

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Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Neuer Erinnerungsort eröffnet neue Perspektive

Vor der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille im Mainzer Staatstheater hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Nachmittag die Dauerpräsentation „Die Zuckmayers – eine Familie aus Rheinhessen“ eröffnet. „Das Nackenheimer Alleinstellungsmerkmal, das mit dem Namen Zuckmayer verbunden ist, hat eine reale Adresse bekommen. Im Ortsmuseum ist ein wunderbarer Erinnerungsort entstanden, der sehr anschaulich über die Familie und insbesondere das Leben der Brüder Carl und Eduard Zuckmayer informiert“, so die Ministerpräsidentin. Anhand ihrer Lebenswege erzähle die Präsentation einen wichtigen Teil deutscher Geschichte und eigne sich deshalb besonders auch dafür, in den Schulunterricht eingebunden zu werden.

„Mit dem Namen Zuckmayer verbinden die einen den renommierten Schriftsteller, dessen literarisches Werk international bekannt ist. Andere haben möglicherweise Musik im Ohr, durchaus auch in türkischer Sprache, denn Eduard war ein bekannter Musiker, der im Exil in der Türkei den Grundstock für eine moderne Musikpädagogik legte“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Präsentation beleuchte unterschiedliche Ereignisse und Stationen aus dem Leben der Brüder, die beide in ihrer Heimat keine Perspektive mehr hatten und vor den Nazis fliehen mussten. Insofern ließen sich durchaus auch Rückschlüsse für heute daraus ziehen.

„Der Rundgang durch die Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert und führt bis in die Gegenwart“, fügte die Ministerpräsidentin hinzu. Bisher habe es in Nackenheim keinen solchen Erinnerungsort für die bemerkenswerte Familie Zuckmayer gegeben. Die Dauerpräsentation werde mit ihrer überregionalen Bedeutung dazu beitragen, Nackenheim als Reiseziel noch bekannter zu machen.

Von Anfang an habe sich das ehrenamtliche Projekt durch die Freude an der kreativen Arbeit, die Verbundenheit mit dem Ort und großen persönlichen Einsatz ausgezeichnet. Die Ministerpräsidentin dankte dafür dem Heimat- und Verkehrsverein e.V. Nackenheim und insbesondere den beiden Kuratoren Thomas Flügen und Peter J. Klein sowie deren ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen. Neben vielen weiteren Partnern und Partnerinnen habe auch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur das Vorhaben gerne unterstützt. „Ich wünsche der Dauerpräsentation zahlreiche neugierige Besucher und Besucherinnen, die vieles über Nackenheim und die Familie Zuckmayer erfahren und zudem die Schönheit dieser wunderbaren Region auf sich wirken lassen können“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Junge Liberale: Fake News belohnen?

Robert MENASSE wird am kommenden Freitag, den 18. Januar, die Carl-Zuckmayer-Medaille erhalten.

Diese wird ihm vom Land Rheinland-Pfalz in Andenken an den in Nackenheim geborenen Schriftsteller verliehen. Dazu äußert sich Luca LICHTENTHÄLER, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz:

„Wir Junge Liberale halten die Entscheidung von Ministerpräsidentin Malu DREYER, Robert MENASSE die Carl-Zuckmayer-Medaille zu verleihen, für falsch. MENASSE selbst musste einräumen, in einem seiner Romane dem ersten EWG-Kommissionsvorsitzenden Walter Hallstein Zitate zugeschrieben zu haben, die er wörtlich so nicht gesagt habe. Es ist nobel, dass der Autor für seinen Fehler in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit Malu DREYER geradesteht und sich entschuldigt. Ihm dennoch diese Medaille zu verleihen, ist fragwürdig.

MENASSE stünde mit dieser Auszeichnung in einer Reihe mit Friedrich Dürrenmatt, Martin Walser, Herta Müller oder Edgar Reitz – große Namen der Kunst in Vergangenheit und Gegenwart. Einem Mann, der scheinbar nicht in der Lage ist - ob wissentlich oder nicht - in seinem Wirken zwischen Fiktion und Wirklichkeit sauber zu trennen, sollte man diese Ehre nicht erweisen. In Zeiten der sogenannten ‚Fake News‘ wäre die Ministerpräsidentin gut beraten, ein deutliches Signal zu setzen. Die Politik ist der Wahrheit verpflichtet. Die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille an Robert MENASSE konterkariert diesen Grundsatz.“

Zum Tod der Carl-Zuckmayer-Preisträgerin Mirjam Pressler

Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt Mirjam Pressler: Hat Kindern Raum für Erzählungen und Phantasie gegeben

Mit Trauer hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf die Nachricht vom Tod der erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautorin und Trägerin der Carl-Zuckmayer-Medaille, Mirjam Pressler, reagiert. Sie ist gestern im Alter von 78 Jahren verstorben. „Mirjam Pressler hat Kindern viel Raum für Erzählungen und Phantasie gegeben. Als Schriftstellerin, Übersetzerin und einfühlsame Stimme der Kinder- und Jugendliteratur waren ihre Bücher von ihrer Gabe getragen, sich in andere Wesen hinein zu fühlen. Diese Literatur wird immer bleiben“, würdigte die Ministerpräsidentin die Autorin.

Mirjam Pressler war neben ihrer Arbeit als Autorin auch als Übersetzerin tätig. „Sie hat uns und insbesondere auch jungen Menschen dadurch die Chance gegeben, an anderen Kulturen teilzuhaben und daraus eine Perspektive zu entwickeln, die über die eigenen Sprachgrenzen hinausgeht“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Für ihre Arbeit wurde die Autorin und Übersetzerin vielfach ausgezeichnet. Unter anderem verlieh ihr im Jahr 2001 der damalige Ministerpräsident Kurt Beck für ihre Verdienste um die deutsche Sprache die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz.

„Mirjam Pressler hat sich in vielen Bereichen unermüdlich für die Literatur eingesetzt“, sagte die Ministerpräsidentin. „Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Mein Mitgefühl gilt vor allem ihren Angehörigen und Freunden. Ich wünsche ihnen viel Kraft“, sagte die Ministerpräsidentin.

Winterzeit – Stille Zeit

Eine meditative Betrachtung

Von Hans-Peter Meyer

Wer kennt die Bilder im Winter nicht? Die Straßen und Felder sind zugeschneit. Die Erde ruht unter einer dicken Schneedecke und rüstet sich für den kommenden Frühling. Am Rand eines Baches ist eine dünne Eisschicht, so als wenn das Eis ihn bezwingen möchte. Es ist schön und tut gut, den knisternden Schnee unter den Füßen zu spüren. Es ist eine Wohltat am Ufer entlang zu gehen, zuzuschauen, wie das Wasser plätschert, wie es noch in Bewegung ist.

Dieses Bild eines fließenden Baches in der Winterlandschaft wirkt einerseits belebend, andererseits beruhigend auf viele von uns. Auf der einen Seite ist Lebendigkeit zu spüren: Das Wasser bahnt sich einen Weg durch die eisige Landschaft. Es bringt vieles in Bewegung. Auf der anderen Seite wirkt der Bach eher tot und düster. Am Ufer, am Rand des Bachs, stehen kahle Bäume und Büsche. Es ist (noch) Winter, und die Natur ruht sich aus von der übrigen Zeit. Sie macht sich bereit für das kommende Frühjahr, für den bevorstehenden Frühling. Es ist (in aller Regel) die stille Jahreszeit. Wir Menschen brauchen die Stille in unserem Lebensrhythmus.

Es gibt Zeiten und Augenblicke im Leben der Menschen, wo sie schweigen und staunen über die Schönheit der Natur, die sie am Weg entdecken. Dabei ist wichtig, in jeder Jahres- und Lebenszeit die Augen zu öffnen und darüber nachzudenken, welcher Weg momentan angesagt ist; zu spüren und herauszufinden, an welchem Ufer des Lebens wir stehen. Gerade die Wintermonate sind für uns dazu geeignet, sich auf das Wesentliche zu besinnen: Nämlich auf den Ursprung, auf den Grund unsres Lebens und Glaubens, auf die Mitte und das Ziel.

Unser Leben ist einem natürlichen Rhythmus von Lebendigkeit und Ruhe unterstellt.

Die Stille und Ruhe in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit ist wichtig für uns. Denn wer von uns genießt es nicht, über den knirschenden Schnee zu gehen, dem Plätschern des Baches zu lauschen, einen Stein hineinzuwerfen und zu sehen, wie das Wasser Kreise zieht: zu unseren Mitmenschen und zu unserem Schöpfer, bei dem wir uns geborgen fühlen dürfen, und zwar zu jeder Zeit unseres Lebens.

Ein Gedicht von Christa Peikert-Flaspöhler drückt das sehr schön aus:

Auf schwebenden Brücken

sind wir unterwegs

und zu Hause.

Immer aufs neue

von vertrauten Ufern

entlassen

suchen wir.

Drängend und zögernd

suchen wir,

widerstrebend

und voller Sehnsucht

suchen wir,

glaubend und zweifelnd

suchen wir,

ohne zu wissen

suchen wir.

Bis wir ans letzte Ufer

gelangen

suchen wir –

die verschiedensten

Namen nennend –

DICH.

Auf unserem Weg sind und bleiben wir Suchende, und zwar zu jeder Zeit und in jedem Augenblick unseres Lebens.

©  Hans-Peter Meyer

 

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