Mittwoch, 19. Juni 2019

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42. Geistliche Abendmusik

MONTABAUR. Bei strahlendem Maiwetter konnten der Theologe Ingo Jungbluth, der studierte Blockflötist Torsten Greis und Dekanatskantor Jens Schawaller zu einem besonders sinnenfreudigen Konzert in die Evangelische Pauluskirche Montabaur einladen, bei dem sich alles um die Liebe drehte. In der nach einem Kompositionstitel „Le Rossignol en Amour” von François Couperin benannte 42. Geistliche Abendmusik zog die Zuhörerinnen und Zuhörer in der neugotischen Kirche die fesselnde Begegnung von europäischer Barockmusik und altorientalischer Dichtung in ihren Bann. Ingo Jungbluth erwies sich hierbei als umfassend gebildeter Literaturkenner und Theologe, der verschiedene Texte zum Thema Liebe aus dem Hohelied Salomos las und diese biblische ‚Magna Charta der Humanität‘ in Erinnerung rief. Er gliederte damit den musikalisch-sinnlichen Frühabend, bei dem Torsten Greis verschiedene Arten von Blockflöten mit sehr unterschiedlichen Werken von Francesco Mancini, François Couperin, Henry Purcell, Michel Pignolet de Monteclair und Charles Buterne auf gewohnt virtuose Art und Weise vorstellte. Phantasievoll und kunstfertig wurde er von Dekanatskantor Jens Schawaller am eigens hierfür mitgebrachtem Barockcembalo begleitet, das sich hervorragend für den generalbassartigen barocken Gestus aller Stücke und die Improvisationskunst des Cembalisten eignete. Beide Musiker traten in einen kunst- wie dialogfreudigen künstlerischen Austausch und erfüllten die Kirche der Wäller Kreisstadt mit verspielten und hingebungsvollen Klängen ganz besonderer Art. In einer Pause reichte Gisela Koschmieder Sekt und – in Anlehnung an das Hohelied – Granatapfelsaft, um die Zuhörerinnen und Zuhörer genussvoll zu verwöhnen. Die zahlreichen Gäste dankten es allen Aktiven mit einem kräftigen Applaus.

Fronleichnam und seine Bedeutung

Gedanken zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi

Von Hans-Peter Meyer

Fronleichnam ist ein römisch katholischer Feiertag, der in einigen deutschen Bundesländern gesetzlich als Feiertag festgeschrieben ist.
Das Fronleichnamsfest findet genau zehn Tage nach Pfingsten statt und fällt somit immer auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten.
Den spirituellen Inhalt des Festes kann man bereits über die Etymologie seiner Bezeichnung herausfinden. Das althochdeutsche Wort "fron" steht für "Herr", die Bezeichnung "Leichnam" bedeutet übersetzt so viel wie "Leib". Damit weist bereits der Name auf die zentralen Elemente der Eucharistiefeier hin.

Das Fronleichnamsfest, das den Beinamen "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" trägt, wurde zum erstmals im Jahr 1246 in der Diözese Lüttich fest eingeführt.
Die theologische Grundlage für das Fronleichnamsfest wurde mit dem von 1213-1215 stattfindenden vierten Laterankonzil gelegt, auf dem die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, die so genannte Transsubstantiationslehre, offiziell zum Dogma erklärt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war aber an einem Feiertag zu ehren dieses Sakraments noch nicht zu denken.
Dies änderte sich erst durch die Visionen der Augustinerchorfrau Juliana von Lüttich, die seit 1207 im  Kloster Mont Cornillon lebte und dort regelmäßig von ihren Visionen berichtete. In einer dieser Visionen sei ihr Jesus Christus erschienen und habe ihr über ein Gleichnis mitgeteilt, dass es sein Wunsch sei, dass dem Altarssakrament ein eigener Festtag gewidmet werde.
Nach dem Tod der später heilig gesprochenen Juliana im Jahr 1258, setzte ihr Freundin Eva, heute bekannt unter dem Beinamen "die Seelige" , ihr Werk fort. Auf ihr Drängen hin bemühte sich Heinrich von Geldern, der damalige Bischof von Lüttich bei Papst Urban IV um ein entsprechendes Dekret. 1264 kündige Papst Urban IV, der vor der Wahl zum Papst Archidiakon in Lüttich war, in einem Brief an, dass Fronleichnamsfest allgemein einzuführen.
Bedingt wurde diese Einführung durch das so genannte "Blutwunder von Bolsena" aus dem Jahr 1263. Der sich auf Pilgerfahrt nach Rom befindende böhmische Priester Peter von Prag feierte in der nach Christina von Bolsena benannten Kirche Messe. Sein erschütterter Glaube an die Transsubstantiation während der Eucharistiefeier fand neue Festigung, als während der Gabenbereitung aus der Hostie einige Tropfen Blut auf das Tuch, auf dem Kelch und Hostienteller standen, tropften.
Dieses Wunder war für Papst Urban IV der letzte Beweis, den Drängen nach einem Feiertag für das Altarssakrament endgültig nachzugeben. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der zweite Donnerstag nach Pfingsten als Termin noch nicht festgelegt, dies erfolge erst 1317 durch Papst Johannes XXII.
Das Fronleichnamsfest erfreute sich bei der Bevölkerung relativ schnell einer großen Begeisterung, was vor allem auf die prachtvollen Fronleichnamsprozessionen zurückzuführen ist. Bei diesen Prozessionen trägt der Priester die "Monstranz", in welcher die Hostie verwahrt wird, durch die Straßen, während ihm die Gemeinde folgt. An in der Regel insgesamt vier verschiedenen Altären werden Fürbitten gebetet und Segenssprüche verteilt. Dieser Form der Prozession, die auch heute noch beibehalten wird, lässt sich aufgrund von Zeugnissen bis mindestens auf das Jahr 1273 zurückdatieren, als in Benediktbeuern die erste Fronleichnamsprozession abgehalten wurde. Für das Jahr 1277 ist außerdem die erste Prozession für die Stadt Köln verbrieft.
Konflikte um das Fronleichnamsfest entbrannten während der Reformation im 16. Jahrhundert. Martin Luther war ein entschiedener Gegner des Festes, weil dieses seiner Ansicht nach einer Art Reliquienkult gleichkomme und nicht selten zur Gewinnung von Ablassgeldern genutzt werde.
Die katholische Kirche reagierte auf dem von 1545-1563 tagenden Konzil von Trient, bei dem das Fronleichnamsfest zu einer Art von gegenreformatorischer Machtdemonstration aufgewertet wurde.
Dieser Konflikt führte dazu, dass die Katholiken in bestimmten Gebieten wie z.B. Teilen der USA bis heute auf die Fronleichnamsprozession verzichten, da sie fürchten, dass die Prozession als Provokation aufgefasst werden könnte.

In hiesigen Landen wird Fronleichnam immer noch der alten Tradition entsprechend mit einer Prozession durch die Straßen mit Priester und Monstranz gefeiert, wobei die  katholischen Christen ihre Religion auch in der Öffentlichkeit bekunden können und dies  zur Festigung des Glaubens beitragen soll.

©  Hans-Peter Meyer

 

 

Kulturdezernentin lädt Musikfestivalleitungen zum gegenseitigen Austausch ein

Im nördlichen Rheinland-Pfalz finden diverse Musikfestivals statt, die auf eine langjährige Tradition zurückblicken können. Das Mittelrhein Musik Festival, RheinVokal, das Koblenz International Guitar Festival, das Mosel Musikfestival, die Koblenzer Mendelssohn-Tage und die Internationalen Konzerttage tragen mit unterschiedlichen musikalischen Akzenten und Schwerpunktsetzungen zu einem attraktiven Kulturangebot in der Stadt Koblenz und der Region bei.

Die Festivalleitungen tauschten sich über mögliche Kooperationen, gegenseitige informelle Unterstützung, koordinative Abstimmung und die Erreichbarkeit von Publikumszielgruppen aus.
Es wurde unterstrichen, welche Bedeutung und Anziehungskraft die musikalischen Veranstaltungen an exponierten Orten auch in kulturtouristischer Hinsicht ausstrahlen. Als spezifisches regionales Markenzeichen mit besonderem Eventcharakter wurde die Durchführung von Musikveranstaltungen auf Schiffen erörtert.

Alle waren sich einig darüber, dass dieses erste Austauschtreffen seine regelmäßige Fortsetzung finden sollte, nicht zuletzt um die regionale Musikwirtschaft im Verbund zu stärken.

Konvent der nebenamtlichen Kirchenmusiker*innen

WALLMEROD. Wieder einmal fand der Konvent der ehren- und nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in einer fruchtbaren Zusammenarbeit des Evangelischen Dekanatskantorates Westerwald Süd mit Regina Kehr als Referentin für Familien- und Erwachsenenbildung im Dekanat Westerwald statt. Noch zur Amtszeit des ehemaligen Ausschusses für Kirchenmusik im Altdekanat Selters geplant, arbeiten mit den beiden damaligen Vorsitzenden Monika Schlößer und Ricarda Schneider zwei hochaktive Musikerinnen in der Dekanatskirchenmusik, die ihre unterschiedlichen Qualifikationen und jahrzehntelangen Erfahrungen sowohl musikalisch-praktisch als auch in der synodalen Gremienarbeit eifrig einspeisen. Beiden Musikerinnen ist es wichtig, all diejenigen nebenberuflichen Gruppen und Einzelpersonen zusammenzubringen, die angesichts des zukünftigen und absehbaren Mangels an Hauptamtlichen in der Verkündigung mit dem Wort und mit der Musik mehr und mehr das praktische gottesdienstliche Leben in der Region sichern werden. Zahlreiche Instrumentalistinnen und Instrumentalisten sowie Ensembleleitende nahmen die Gelegenheit dankbar an, ihre Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und Kontakte zu pflegen. Pfarrerin Heike Meissner, die Gastgeberin des Abends, und Dekan Dr. Axel Wengenroth hießen alle Anwesenden herzlich willkommen, Dekanatskantor Jens Schawaller (Klavier, Kontrabass und Gesang) musizierte im Verlauf des Abends gemeinsam mit Kantorin im Dekanat Eva Maria Mombrei (Klavier), Monika Schlößer, Ricarda Schneider, Dorit Engel (jeweils Gesang) als trio flex & friends mit allen Anwesenden aus dem EG Plus. Mit knappen und humorvollen Worten erläuterte er die vorwiegend modernen Lieder unterschiedlichster Stile in aktueller Tonsprache, die das neue gemeinsame Gesangbuch der EKHN und der EKKW bereitstellt. Darüberhinaus wurde den Konventteilnehmerinnen und -teilnehmern im Laufe des Abends das neue Material des EG Plus für die Chor-, die Posaunenchor- und die Orgelarbeit vorgestellt. Dass dies ein Konvent von besonderer menschlicher und fachlicher Qualität war – darin waren sich alle Beteiligte und Gäste einig, die abends fröhlich nach Hause gingen.

5 Millionen Euro für Gedichte

Universität Trier ist Zentrum internationaler Spitzenforschung zur Lyrik

Satiriker Jan Böhmermann, Poetry-Slammerin Julia Engelmann und das Rapper-Duo Kollegah und Farid Bang haben eins gemeinsam: Sie haben ein Gedicht geschrieben und lösten damit eine Welle der Begeisterung beziehungsweise Empörung aus. Entgegen des angestaubten Images des Wortes Lyrik, bewegen solche Kurztexte die Gemüter: Aktualität zeichnet das hochdotierte, geisteswissenschaftliche Forschungsprojekt „Russischsprachige Lyrik in Transition“ aus, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird und an der Universität Trier angesiedelt ist.

Böhmermanns Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan bleibt verboten, der YouTube-Clip mit dem Gedicht „One Day“ von Julia Engelmann hat über 11 Millionen Klicks, durch die Auszeichnung der antisemitischen Texte der Rapper Kollegah und Farid Bang gibt es den Musikpreis Echo nicht mehr. So löst Lyrik auch in Deutschland Skandale mit erheblicher gesellschaftlicher Reichweite aus. Gedichte spielen in unserem Alltag eine Rolle und sind kein alter Hut von gestern. „Lyrik ist nicht mehr nur das, was man in der Schule gelernt hat, elitär, schwierig, abgehoben“, stellt Professorin Henrieke Stahl am Rednerpult des Audimax der Universität Trier fest. Für sie gilt: „Lyrik ist hautnah, sie berührt, aber sie verletzt auch, geht unter die Haut. Gerade in totalitären Staaten sind Gedichte eine künstlerische Ausdrucksform freier Gedanken“. Das fasziniert die Wissenschaftlerin als Leiterin des Forschungskollegs „Lyrik in Transition“ und damit erklärt sie den Forschungszweck am feierlichen Eröffnungsabend am vergangenen Donnerstag.

Die Bewilligung des Projekts erhielt die Gruppe schon vor einem Jahr; der Startschuss fiel zum 1. Oktober 2017. Das Team stürzte sich direkt in die Arbeit, schon im ersten halben Jahr des Projekts fanden Konferenzen in Moskau, Washington, Tokyo und Trier statt. Stahl hat ein Forschungsnetzwerk aufgebaut, dem sich inzwischen mehr als 200 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus 23 Ländern und mehr als zehn Fachgebieten angeschlossen haben. Die Slavistin betritt damit Forschungsneuland, was die DFG erkannt hat, indem sie das Projekt mit 5 Millionen Euro unterstützt. Eine solche Kolleg-Forschungsgruppe ist eines der höchstdotierten und hochkompetitiven Programme der DFG und ging mit dem Lyrik-Kolleg zum ersten Mal nach Rheinland-Pfalz.

Für die Grußworte und Festrede reisten Wissenschaftsminister Konrad Wolf und Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum an. Konrad Wolf bezeichnete die Lyrik-Forschung als Leuchtturm der Universität Trier: „Das neue Forschungsnetzwerk ist ein einmaliges Zentrum für vergleichende Forschung zur Gegenwarts-Lyrik. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Profilbildung der Universität Trier“.

Auch der ehemalige Amtsträger Gerhart Baum unterstrich in seiner Festrede im Audimax, dass die DFG in Zeiten des Umbruchs, in der sich die Welt befindet, ihr Geld genau richtig investiere.  Denn Umbrüche befördern Ängste, und leider schüren auch deutsche Politiker diese - trotz sich positiv entwickelnder Kriminalstatistik. Dem müsse man entgegenwirken: „Die Kreativen brauchen Freiräume, um die Zukunft neuzugestalten.“

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Kollegs analysieren Lyrik und beobachten in ihr unsere Zeit. Aber sie sitzen nicht nur vor Texten, diskutieren auf internationalen Konferenzen darüber, sie treffen auch AutorInnen und arbeiten eng mit ihnen zusammen. Auch fördern sie den wissenschaftlichen Nachwuchs. Am Eröffnungsabend begleiteten gleich fünf Künstler aus Russland, Armenien, Japan und Deutschland die Reden, indem sie Gedichte vortrugen, die Zeilen mit Bewegungen und Jonglage interpretierten oder mit Videosequenzen unterstrichen.

Die Universität Trier ist jetzt Mittelpunkt internationaler Lyrik-Forschung. Federführend forschen hier Slavistin Henrieke Stahl und weitere ProfessorInnen aus allen modernen Philologien der Universität zur Lyrik der letzten 30 Jahre in Europa, Asien und Amerika. Universitätspräsident Michael Jäckel ist begeistert: „Die Forschungsgruppe ist einer der größten Erfolge der Trierer Geisteswissenschaft. Ich bin stolz, dass sie sich die Universität Trier als Standort ausgesucht hat.“

Von dem Forschungskolleg „Lyrik in Transition“ wird man spannende Gegenwartsanalysen erwarten können, von Fukushima-Gedichten bis zum Poetry War im Kontext des Ukraine-Russland-Konflikts. Als Seismograph für die Befindlichkeiten von Einzelnen und der Gesellschaft wird es Krisen und Potentiale deutlich machen. Im Fokus steht die Frage, wie Lyrik die Grenzen von Gattung, Sprache, Kultur und Gesellschaft verändert und wie sich diese Transformationsprozesse in der Lyrik in den verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Amerikas vergleichen lassen. Schon jetzt steht für die Projektleiterin Henrieke Stahl fest: „Die Gattung erfindet sich neu. Lyrische Sprache ist poly- und sogar translingual sowie intermedial. Kulturen verbinden sich in Hybridformen im poetischen Text oder handeln ihre Grenzziehung neu darin aus.“

Weitere Hauptverantwortliche

Prof. Dr. Alexander Bierich, Slavistik Universität Trier

Prof. Dr. Andreas Regelsberger, Japanologie Universität Trier

Prof. Dr. Christian Soffel, Sinologie Universität Trier

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