Mittwoch, 29. Januar 2020

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Einkehr im November – Eine nachdenkliche Betrachtung zum Herbstmonat

Von Hans-Peter Meyer

Er beginnt wieder -  der Monat November mit seinen zum Nachdenken und zur inneren Einkehr anregenden Feier- und Gedenktagen Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag. Dieser Monat hat ein ganz besonderes Gepräge und bestimmt unsere Empfindungen und Gefühle in besonderem Maße.

Der November ist dazu angetan, Gedanken der Wehmut und Trauer zu wecken. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Natur scheint abzusterben. Am späten Nachmittag senkt sich schon das Dunkel über die Landschaft. Der Wind fegt durch die leeren Straßen….

Im November trauern wir mehr als sonst um liebe Menschen und denken an die Zeit, als wir sie noch bei uns hatten. Wir gehen zu den Gräbern auf die Friedhöfe, zünden entsprechend der Sitte unserer keltischen Vorfahren kleine Lichter an und vieles wird plötzlich wieder gegenwärtig. Kein anderer Monat des Jahres ist so geeignet in uns diese Nachdenklichkeit zu wecken, wie dieser nasse, neblige und windige Monat. An langen Abenden werden Schubladen und Schatullen geöffnet. Wir greifen zu Briefen aus vergilbten Umschlägen. Dann werden wir unruhiger, unsere Gedanken flüchten zu den Dingen, aus denen die Dahingegangenen lauter zu uns sprechen als aus Grab und Stein.

Das Grün und die Blüten der Gräber erinnern trostreich an die Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Zwiegespräche halten wir mit Bildern, aus denen  uns alte und junge Augenpaare ansehen, ernste und auch lachende. Sie blicken beredt auf unser Alltagsleben. Letzte Stunden und Gespräche kommen in Erinnerung, kleine Gesten der Liebe und Zärtlichkeit. Viele Einzelheiten sind ins Gedächtnis eingebrannt, denn liebe Tote kann man nicht vergessen. Wehmut beschleicht uns, weil uns nicht mehr mit den Toten verbindet als die Erinnerung. Im Laufe des Lebens wird jeder Mensch mit dem Tod konfrontiert – durch den Verlust von Angehörigen und Freunden oder weil eine schwere Krankheit die eigene Sterblichkeit unmittelbar vor Augen führt. Friedhofsbesuche, Grabpflege und Rituale an Trauertagen, wie zum Beispiel an Allerheiligen oder am Totensonntag, können bei der Trauerbewältigung hilfreich sein.  Der Schmerz wird dann leichter, unser Leben ist durch den Alltag mit neuen Aufgaben erfüllt.

Doch wer könnte einen Bruder, eine Schwester vergessen, einen Sohn oder eine Tochter, einen Ehemann oder die Ehefrau, einen Vater, die Mutter, einen vertrauensvollen Freund oder eine Freundin, die so zu unserem Leben gehörten, wie der Wechsel von Tag und Nacht? Wie sollte man aber weiterleben, wenn man nicht vergessen kann? Unsere Erinnerung darf uns nicht so gefangen nehmen, dass wir uns der Gegenwart und dem „Heute“ nicht mehr zu stellen vermögen. Es ist das ewige Gesetz der Natur: Werden, Vergehen und Werden. Das Große stirbt und das Kleine wächst nach.

Ehrfurcht, Achtung und Respekt vor den Toten sind so alt wie die Welt. Im christlichen Glauben wurzelt aber darüber hinaus die Hoffnung auf das, was uns erwartet, wenn auch wir die letzte Grenze überschritten haben. Niemand geht von uns, er geht nur voraus. Die Gedenktage im November fordern uns zur Selbstbesinnung auf. Stellen wir uns dem Schmerz, weil er notwendig ist, aber verharren wir nicht in ihm.

© Hans-Peter Meyer

Wissenslücke über die Neuendorfer Flößerei geschlossen -Neu im Blog des Stadtarchivs Koblenz

Nach einer Vorarbeit von zwei Jahren und einer intensiven Phase im letzten halben Jahr hat das Autorenteam Willi Gabrich und Anke Sürtenich die Neuendorfer Flößerei mit neuen Erkenntnissen erforscht.

In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Koblenz, dem Flößer- und Schiffermuseum Kamp-Bornhofen sowie Heimat- und Familienforschern entstand ein Werk von 76 Seiten. Dazu gehören komplette Listen der Neuendorfer Flößer von 1766, 1852 und 1892. Interessierte Bürger werden hier den ein oder anderen ihrer Vorfahren entdecken können. Zusätzlich verfügt die Arbeit über ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis.

Das Besondere ist der Doppelerwerb der Flößerfamilien in Neuendorf durch Floßfahrt der Männer und Gemüseanbau und Feldarbeit der Frauen. Für die seltenen und neuen Sämereien, die die Flößer von Holland mitbrachten, war Neuendorf im gesamten Rheinland auch als „Gemüsegarten von Koblenz“ bekannt. Neu ist auch die Erwähnung von Flößerkrankheiten wie Rheuma und Wechselfieber bei Männern und Krankheiten ihrer Frauen durch harte Arbeit, Kindererziehung und Mangelernährung.

Neu ist auch die Erkenntnis aufgrund einer Veröffentlichung des Stadtarchivs, die über Neuendorfer Flößer als Auswanderer Auskunft gibt. Eine besondere Würdigung erfährt der erste Neuendorfer Pfarrer J. G. Lang, der nicht nur Mitbegründer von Stadtbibliothek und Mittelrhein-Museum war, sondern auch einer der frühen Reiseschriftsteller. Als solcher hatte er die Möglichkeit, auf einem der Riesenflöße mitzufahren und sie genau zu beschreiben. Er gilt bei der Beschreibung der Floßtechnik und des Lebens auf einem Floß als Pionier! Weiter benutzt die Arbeit ein bisher nicht bekanntes Neuendorfer Flößer-Wanderbuch, das in Kopie im Archiv Willi Gabrich vorliegt und so ausgewertet werden konnte.

Ferner wurde das Tagebuches des Neuendorfer Floßhändlers Peter Miltz aus dem Bestand des Landeshauptarchivs ausgewertet, das fein säuberlich Tag für Tag die geleisteten Tätigkeiten vom Aussuchen des Floßholzes über die Herstellung des Floßes bis zum Verkauf in Dordrecht Auskunft gibt. Eine besondere Würdigung erfährt auch die Neuendorfer Floßhändlerfamilie Nell, die eine Floßherrendynastie von Neuendorf aus aufbaute und diese später von Trier aus weiterführte. Nicht vergessen werden darf der Lebensbericht des Flößers Johann Klemann aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Den Abschluss bilden Aussagen von Neuendorfern, die als Kinder und Jugendliche die Flöße vor Ort erlebten.

Erstes Konzert an neuer Nassauer Orgel

Drei Dekanatskantoren spielen am Königin-Instrument von Rowan West in Johanniskirche


NASSAU/RHEIN-LAHN. (16. Oktober 2018) Die drei Dekanatskantoren des evangelischen Dekanats Nassauer Land Martin Samrock, Ingo Thrun und Markus Ziegler werden in einem gemeinsamen Konzert am Sonntag, 28. Oktober um 18 Uhr die neue West-Orgel in der evangelischen Johanniskirche Nassau in einem facettenreichen Programm zum Klingen bringen. Es orientiert sich am Stil des norddeutschen Orgelbarocks, in dem das Instrument von Rowan West gebaut wurde.

Eine große Klangfarbenvielfalt, das Spiel auf zwei Manualen abwechselnd oder gleichzeitig und der virtuose Einsatz des Bass-Pedals sind Kennzeichen dieses Stils. Heinrich Scheidemann, Franz Tunder, Jan Pieterszoon Sweelinck und Dietrich Buxtehude sind herausragende Komponisten dieser Zeit, und auch Johann Sebastian Bach wurde von dieser Musik stark beeinflusst.

So stehen von Scheidemann ein Präambulum, von Tunder eine Canzona und von Sweelinck ein Ricercare auf dem Programm, ergänzt von der Choralbearbeitung „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ von Buxtehude.

Die Klanglichkeit dieser Kompositionen wird fortgeführt in der berühmten Johann Sebastian Bach zugeschriebenen Toccata und Fuge d-Moll, in der ebenfalls mit zahlreichen Manualwechseln gespielt wird. In einer Aria mit Variationen von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel und einem Präludium und Fuge von Felix Mendelssohn-Bartholdy wird dann mit neuen Zusammenstellungen der Klangfarben der Stil des norddeutschen Orgelbarock verlassen.

Schließlich zeigen die drei Interpreten aus Bad Ems, Diez und Nastätten mit Kompositionen von Hugo Distler und der australischen Organistin und Komponistin Rosalie Bonighton, dass auch Orgelwerke neuerer Zeit auf dem Instrument hervorragend darstellbar sind.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird am Ausgang gebeten.

43. Geistliche Abendmusik für Trompete und Orgel

MONTABAUR. Mit dem außergewöhnlichen Konzertprogramm „Kontraste – zwischen Zeit und Klang“ laden Oberstudienrätin Susanne Schawaller aus Montabaur als Organistin und Berufstrompeter Dietmar Wengenroth aus Gemünden am Sonntag, 04.11. zur 43. Geistlichen Abendmusik um 18.30 Uhr in die Evangelische Lutherkirche Montabaur ein.

Den glänzend-barocken Trompetenwerken von Giovanni Bonaventura Viviani, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann stehen jeweils deutsch-romantische Solowerke für Orgel von Max Reger gegenüber.

Die Continuoorgel spielt Dekanatskantor Jens Schawaller, in dessen Händen auch die Moderation des Abends liegt. Der Eintritt ist frei.

Das Erntedankfest - Ursprung und Entwicklung

Von Hans-Peter Meyer

Das Erntedankfest ist in vielen Gemeinden einer der feierlichen Höhepunkte des ansonsten eher tristen Herbstes. Dabei soll einerseits die Freude über eine erfolgreiche Ernte zum Ausdruck gebracht werden, was den weltlichen Charakter des Erntedankfestes widerspiegelt. Andererseits steht aber gerade im christlich geprägten Europa nicht das Feiern, sondern der Dank an Gott für die Ernteerträge im Mittelpunkt des Festes. Dabei ist es recht unterschiedlich, an welchem Tag das Erntedankfest begangen wird. So feiert man in evangelischen Gemeinden in der Regel am Michaelistag (29. September) oder am darauf folgenden Sonntag, während das Erntedankfest in katholischen Gemeinden meist am ersten Sonntag im Oktober begangen wird. Der letztgenannte Tag wurde von der deutschen Bischofskonferenz im Jahre 1972 als Festtermin festgelegt, jedoch nicht für verbindlich erklärt, sodass jede katholische Kirchengemeinde für sich entscheiden kann, ob und wann sie das Erntedankfest veranstaltet.

Ursprünge des Erntedankfestes

Seinen Ursprung hat das Erntedankfest schon in vorchristlicher Zeit. Zeitpunkt dieses Festes war die Tagundnachtgleiche im Herbst, also der 23. September. Im Mittelpunkt stand der Dank an die Götter und die verschiedenen Feld- und Fruchtbarkeitsgeister, was mit allerlei Opfergaben verbunden war. Diese Opfergaben sollten das Wohlwollen der höheren Mächte sichern, indem man ihnen etwas von dem zurückgab, was sie einst gegeben hatten. Eine besondere Bedeutung kam dabei der ersten bzw. letzten Garbe zu. Diese Getreidebündel mit dem zuerst bzw. zuletzt geernteten Korn dienten einerseits als Opfergabe, andererseits aber auch zur Durchführung allerlei Schutz- und Fruchtbarkeitszauber. Setzte sich z.B. die Binderin auf die erste Garbe, sollte dies die Fruchtbarkeit des Korns im nächsten Jahr begünstigen. Nach der Opfergabe in Form von Korn, Obst und Früchten wurde am Abend des Erntefestes das Erntemahl begangen. Dieses diente in erster Linie kultischen Zwecken, nämlich der "Verspeisung" des Fruchtbarkeitsgeistes und sorgte somit für eine Bindung des Geistes an den Acker. Bei diesem gemeinsamen Mahl wurde aber auch den Feldarbeitern, welche in der Regel Wanderarbeiter waren, mit der Darreichung von guten Speisen und Getränken für ihre Hilfe gedankt. Ein weiterer Höhepunkt des Festes war schließlich der Reigen, welcher vom Landbesitzer mit einem Tanz mit einer aus der letzten Garbe gebundenen Puppe eröffnet wurde. Diese symbolisierte den Fruchtbarkeitsgeist und wurde daher nach dem Fest bis zur nächsten Ernte an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Erntedankfest heute

Im Mittelpunkt des heutigen Erntedankfestes steht der gemeinsame Gottesdienst, bei der eine Auswahl von landwirtschaftlichen Produkten dekorativ in der Kirche platziert wird. Diese haben freilich keinen Opfercharakter mehr, sondern sollen den Gläubigen wieder in Erinnerung rufen, welche Vielfalt an Nahrungsmitteln die Erde für die Menschen bereitstellt und dass die Früchte des Bodens nicht selbstverständlich existieren, sondern Teil göttlicher Schöpfung sind. Dennoch finden sich viele Bräuche aus der vorchristlichen Zeit auch im heutigen Erntedankfest wieder.

So existiert z.B. die letzte Garbe in Form der aus Getreidehalmen gebundenen und mit farbenfrohen Blumen und Bändern bestückten Erntekrone weiter. Diese wird nach dem Gottesdienst in einer feierlichen Prozession auf einem Wagen durch das Dorf gezogen, wobei meist ein landwirtschaftliches Fahrzeug zum Einsatz kommt. Auch die Kornpuppe findet sich noch vereinzelt auf heutigen Erntedankfesten wieder, dient dabei aber fast immer nur dekorativen Zwecken.

Machen wir uns den tieferen Sinn des Erntedankfestes in diesen Tagen besonders bewusst.

©  Hans-Peter Meyer

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