Donnerstag, 09. Juli 2020

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Sankt Nikolaus – Ursprung und Brauchtum

Die Figur des heiligen Nikolaus und seine Geschichte.

Von Hans-Peter Meyer

Der legendäre Nikolaus ist eine Verschmelzung aus zwei historischen Personen: dem Bischof Nikolaus von Myra im kleinasiatischen Lykien, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat, und dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war, und am 10. Dezember 564 in Lykien starb.

Aus diesen beiden historischen Personen entwickelte sich die ab dem 6. Jahrhundert in Legenden zu findende sagenumwobene Figur des wundertätigen Bischofs von Myra.

St. Nikolaus ist seit jeher einer der populärsten christlichen Heiligen.

Nikolaus ist insbesondere der Schutzpatron der Seefahrer, reisenden Händler, Ministranten und Kinder.

In der orthodoxen Kirche ist seine Verehrung seit dem 6. Jahrhundert belegt, als Justinian I. in Konstantinopel eine ihm geweihte Kirche errichtete.

Nach Deutschland kam der Nikolauskult im 11. Jahrhundert, vermutlich durch Theophanu, die byzantinische Frau Ottos des Zweiten.

Ab dem 17. Jahrhundert bekam der Nikolaus Furcht einflößende Gehilfen als Begleiter zur Seite gestellt.

In Deutschland Knecht Ruprecht oder Hans Muff, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich den Krampus, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet.

Das Gedenken an den Bischof von Myra ist katholischen Ursprungs und wurde von Martin Luther abgeschafft.

Doch der Brauch lebt bis zum heutigen Tage weiter!

Bei uns wird Sankt Nikolaus oft auch der „Heilige Mann“ genannt.

In anderen Ländern ist Nikolaus auch unter folgenden Namen bekannt:

Klass, Sint Nicolaas, Sveti Nikola (Serbien), Sinterklaas (Niederlande), Samichlaus (Schweiz) oder Kleeschen (Luxemburg). Father Christmas (England), Père Noël (Frankreich), Noel Baba (Türkei), Santa Claus (Nord-Amerika), Papai Noel (Brasilien).

Einst war er auch der Gabenbringer an Weihnachten.

In Mitteleuropa wurde er zunehmend vom Christkind (Kunstfigur von Martin Luther erfunden, der damit sein Vorhaben, den heiligen Nikolaus abschaffen zu wollen, untermauerte) verdrängt.

Später wurde das Christkind durch den Weihnachtsmann und in heutiger Zeit zunehmend durch den amerikanischen Santa Claus ersetzt.

Das Sankt-Nikolaus-Brauchtum

Seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer der Kinder belegt.

Der evangelische Theologe Kirchmeyer schrieb: "Vor dem St. Nikolaustag legen Mütter für ihre Kinder Geschenke und eine Rute bereit".

Nikolaus beschenkte die Kinder damals mit Nüssen, Kletzenbrot und Dörrobst, aber auch mit Kleidung und anderen nützlichen Dingen des täglichen Lebens.

Auch heute noch stellen Millionen Kinder am Nikolausabend (05.12.) oder am Nikolaustag (06.12.), dies ist hierzulande regional unterschiedlich, Schuhe, Stiefel oder Teller vor die Tür, damit der Heilige Mann sie auf seinem Weg durch die Nacht mit Erdnüssen, Mandarinen, Schokolade, Lebkuchen und anderen Leckereien füllen kann.

Indessen bringt der Nikolaus nicht nur Geschenke: In vielen Gegenden beschenkt und lobt er die guten Kinder, während er die bösen tadelt und durch Schläge mit einer Rute bestraft.

Welche Kinder im letzten Jahr gut und welche böse waren, liest er in seinem "goldenen Buch".

Viele Eltern laden ehrenamtliche oder bezahlte Nikolause ein, den Kindern  zu Hause eine derartige "Predigt" zu halten, die jedoch stets mit einer Bescherung endet.

Viele Kinder schicken in der Vorweihnachtszeit Briefe an St. Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann.

Diese werden in extra eingerichteten Weihnachtspostämtern gesammelt und zumeist auch beantwortet.

In Deutschland schreibt man beispielsweise an das Christkinddorf Himmelpforten.

Zig-Tausende von Briefen aus aller Welt werden dort seit 1966 beantwortet.

Der Nikolaus-Schuh

Der bekannteste Brauch zum Nikolaustag ist der, dass die Kinder ihre geputzten Schuhe oder auch Strümpfe am Vorabend ans Fenster oder vor die Tür stellen bzw. hängen und der Nikolaus diese über Nacht mit Süßigkeiten und Geschenken füllt.

Schon in einem alten Vers heißt es:

"Sankt Nikolaus, leg mir ein,

was dein guter Wille mag sein.

Äpfel, Nüsse, Mandelkerne

essen kleine Kinder gerne!"

© Hans-Peter Meyer

ICOM-TAGUNG IM LUDWIG MUSEM

ICOM-TAGUNG IM LUDWIG MUSEM ANLÄßLICH DES 100. JAHRESTAGES DER BEENDIGUNG DES ERSTEN WELTKRIEGES

Der Internationale Museumsrat ICOM Deutschland (International Council of Museums) nimmt das Jubiläum des Kriegsendes 1918 zum Anlass, Museen weltweit darin zu bestärken, sich weiterhin für Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit einzusetzen und unbequeme Tatsachen nicht auszublenden: Im November 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. In ganz Europa gibt es unterschiedliche Erinnerungskulturen zu den Ursachen, dem Verlauf und dem Ausgang des Großen Krieges, der die Menschheit in entscheidendem Maße seitdem geprägt und verändert hat. Das hundertjährige Jubiläum wird daher in den einzelnen Ländern mit unterschiedlichen Akzenten begangen – manche davon sind zumeist optimistisch, andere dagegen distanziert bis desinteressiert. Im Vergleich mit dem allgemein großen Interesse für 1914, dem Jahr des Kriegsbeginns, zeigt sich besonders auf deutschem Gebiet das Interesse für das Jahr 1918, dem Kriegsende, als relativ zurückhaltend. Die Konferenz nahm sich dies zum Anl
ass, die unterschiedlichen Sichtweisen zu thematisieren und zu reflektieren. Dabei zeigte es sich, dass im Jahr 2018 die heutigen Generationen nicht mehr auf eigene Erfahrungen mit den Schrecken des Krieges zurückgreifen können. Den Museen kommt daher eine besondere Verantwortung zu, denn Erinnern bedeutet auch, sich für die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen zu sensibilisieren und gegen das Vergessen anzuarbeiten.

Insbesondere die musealen Sammlungen können bei entsprechender Erforschung und wissenschaftlicher Aufbereitung wichtige Erkenntnisse des Vergangenen liefern und facettenreiche und bislang unbekannte Aspekte in ein neues Licht rücken. Wie sich im Falle des hundertjährigen Jubiläums seit Ende des Ersten Weltkrieges gezeigt hat, können und müssen nachgewachsene Generationen die Kriegsereignisse, -ursachen und -folgen für sich selbst und eigenständig interpretieren. Neuer Trend des musealen Aufarbeitens von Kriegszeiten ist die partizipatorische Herangehensweise an individuelle Geschichten, Erfahrungen, Relikte. Wenn die Ereignisse möglichst multiperspektivisch wiedergegeben werden, können die Besucher ein lebendiges Verständnis für die unterschiedlichen Sparten und Zugangsweisen entwickeln, das sie letztendlich als authentisch und bereichernd empfinden werden. Dadurch entstehen ein enger Bezug zum Betrachter und eine Vergegenwärtigung in der Jetztzeit.

ICOM Deutschland und ICOM Europe stellten sich anlässlich des Symposiums im Ludwig Museum gemeinsam dieser international bedeutsamen Aufgabe. Die internationale Tagung in englischer Sprache „Museums, Borders and European Responsibility – 100 Years after World War I“ lud im Ludwig Museum Koblenz zahlreiche führende Forscher, Museologen und Museumsfachleute ein. Vertreter aus Australien, Kanada, USA, China, Italien, Großbritannien, Frankreich, Österreich und Deutschland traten in regen Austausch.

Begleitet wurde die Konferenz von einer Videobotschaft von Claudia Roth (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages) sowie der Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, Priv.-Doz. Dr. Margit Theis-Scholz.

Advent – Zeit der Besinnung ?

Gedanken in der Vorweihnachtszeit

Von Hans-Peter Meyer

Die Kerzen am Adventskranz brennen wieder.

Die schönste, aber auch hektischste Zeit des Jahres ist angebrochen.

Welche Geschenke, welches unbedenkliche Festessen, wie feiern wir in diesem Jahr

Weihnachten und Silvester? Das sind die primären Fragen, all das geht uns durch den Kopf.  Sorgen, um die uns viele Menschen in der Welt beneiden.

Weltweit gibt es ein Viertel Reiche und drei Viertel Arme. Ein Viertel der Menschheit ist nicht in der Lage, seine Grundbedürfnisse wie Ernährung, Kleidung, Wohnung, Gesundheit und Bildung zu sichern.

Millionen Menschen auf unserem Globus kämpfen täglich um die nackte Existenz. Weltweit gibt es über 30 Kriege und bewaffnete Konflikte. In den Kriegs- , Krisen- und Katastrophengebieten dieser Welt gibt es zunehmend grauenvolle Szenarien,  in  Syrien, in der Ost-Ukraine, in Afghanistan, im Irak, in Pakistan, in Haiti,  in vielen afrikanischen Ländern, wo überall täglich unschuldige Menschen auf schreckliche Art und Weise  ihr Leben verlieren. Grausame Bilder. Krieg tötet alles.

Weltweit sterben täglich  30 000 Kinder an den Folgen von Hunger und Krankheit; eine alarmierende Zahl, die man sich immer wieder nachhaltig bewusst machen muß.

Dann gibt es noch die anderen, die allein und einsam sind. Nicht wenige, die auf ein Wort des Trostes und der Ermunterung warten. Menschen – die Hoffnung brauchen.

Auch daran sollten wir in der Adventszeit denken – mit etwas mehr  Demut und Dankbarkeit,  mit herzlicher Anteilnahme, mit weniger Egoismus.

Aber da gibt es auch noch etwas anderes:

Advent ist seit dem 5. Jahrhundert bezeugte Zeit der Muße und Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi und bedeutet „Ankunft“ so wie es der christliche Glaube lehrt.

Aber wer setzt sich heute noch mit dieser Interpretation auseinander?

Nach den trüben Tagen des November ist die Adventszeit heute  eine eher hektische Zeitspanne geworden.

Die Fassaden vieler Häuser strahlen im Lichterglanz und im Alltag herrscht hektische Geschäftigkeit.

Die Adventszeit sollte aber im Grunde alles andere sein als nur eine Zeit der Hektik und des Kerzenscheins; sie ist auch die Zeit des  Nachdenkens über den tieferen Sinn und den Ursprung des Advent, das alles ist aus dem Bewusstsein zumeist verdrängt.

So ist es Zeit, das wir diese Wochen auch mit anderen Inhalten füllen, in dem wir Ausschau halten nach dem Sinn unserer Schöpfung, die uns zu einem erfüllten und versöhnten Leben verhelfen will.

Auch wenn es trotz aller Hektik schwerfällt:

Versuchen wir doch einmal den Advent als „besinnliche Zeit“ wahrzunehmen und zu leben.

© Hans-Peter Meyer

Zwei Geistliche Konzerte mit FRECHBLECH

GEMÜNDEN / MONTABAUR. Zu einem geistlichen Konzert mit ernster Musik und Lesungen zum Ewigkeitssonntag luden FRECHBLECH als das Soloquintett des Evangelischen Dekanates Westerwald und der Organist Martin Löw aus Goddert gemeinsam jeweils in die Evangelische Stiftskirche Gemünden und in die Evangelische Pauluskirche Montabaur ein.

Unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller (Helikon) musizierte das Ensemble die expressive Suite gothique von Léon Boëllmann (1862 – 1897) in den beiden unterschiedlichen Wäller Kirchen, wobei Rudi Weide (Trompete und Flügelhorn), Claudia Liebe (Trompete und Flügelhorn), Dorit Gille (Waldhorn) und Benjamin Bereznai (Basstrompete und Bariton) die französisch-romantische Musik souverän und spielfreudig zum Leben in den beiden denkmalgeschützten Kirchen erweckten.

Mit der fünfstimmigen Motette „Tristis est anima mea“ von Johann Kuhnau (1660 – 1722) erklang ein polyphones Werk, das sich mit Jesu Leiden im Garten Gethsemane auseinandersetzt und so den Bogen zum Ewigkeitssonntag schlägt. Martin Löw schloss sich diesem Thema mit einer ausdrucksstarken Orgelimprovisation über „Die Nacht ist vorgedrungen“ an, die dem Erleben menschlicher Angst und deren Überwindung durch die Hoffnung musikalisch tiefem Ausdruck verlieh; die anwesenden Gäste sangen den Choral bewegt mit. Aus dem Stilumfeld der Prima pratica kontrastierte die Motette „Sicut Cervus“ – „Wie der Hirsch schreiet“ – von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 – 1594), deren Inhalt das Fragen des Menschen nach Gott beinhaltet.

Mit einem differenzierten und charaktervollen Choralvorspiel über „Wir warten dein, o Gottes Sohn“ stellte Martin Löw den Bezug zum Ende des Kirchenjahres wieder her, bei dem er sowohl das Klanggewand der Orgel von Johann Wilhelm Schöler als auch der von Georg Friedrich Wagner charmant und emotionsvoll vorzustellen verstand. Beide Denkmalorgeln luden die Gäste zum Mitsingen auch dieses Chorales ein. Mit einer typisch reformierten Komposition zu Psalm 90 – „Herr, du bist unsre Zuflucht für und für“ – von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 – 1621) musizierte FRECHBLECH ein höchst thematisch-motivisch gebundenes Werk des Meister niederländischer Vokalpolyphonie, dem gegenüber mit „Unser Leben ist ein Schatten“ von Johann Bach (1604 – 1673) eine sehr gegliederte und vielgestaltige Motette lutherischer Art erklang.

Mit einer Orgelimprovisation über „Nun sich das Herz von allem löste“ schwelgte Martin Löw in den unterschiedlichen Dispositionen beider Orgelwerke und erfüllte die zwei unterschiedlichen Kirchenräume im Oberen wie im Unteren Westerwald mit seinem ergreifenden Spiel. Liturgisch gegliedert wurden beide Konzerte durch Lesungen und Gebete, die Benjamin Bereznai vortrug und damit immer wieder den Bezug zum Ewigkeitssonntag herstellte.

Mit Joseph Gabriel Rheinbergers (1839 – 1901) „Abendlied“ verabschiedete sich FRECHBLECH von seinen Zuhörerinnen und Zuhörern, die es allen beteiligten Musikerinnen und Musikern mit einem langen Applaus dankten.

Der Totensonntag (Ewigkeitssonntag) – Die Entstehung und Geschichte eines Gedenktages

Von Hans-Peter Meyer

Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ist in der evangelischen Kirche in Deutschland ein Gedenktag für die Verstorbenen. Er ist der letzte Sonntag vor dem ersten Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des  Kirchenjahres.

Seit der Entwicklung des Kirchenjahres im Mittelalter wurden mit den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liturgische Lesungen zu den  Letzten Dingen verbunden. Während am drittletzten Sonntag das Thema „Tod“ im Mittelpunkt steht, hat der vorletzte Sonntag die Thematik „ (Jüngstes) Gericht“ und der letzte „Ewiges Leben“.

Traditionell thematisiert der letzte Sonntag im Kirchenjahr in besonderer Weise die Erwartung des Jüngsten Tages. Dazu gehört als Sonntagsevangelium das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25). Es bildet die Grundlage für das Wochenlied, den Choral von Philipp Nikolai „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147) und die darauf aufbauende Bachkantate gleichen Namens (BWV 140).

Entstehung des Totensonntags

König Friedrich Wilhelm III. von Preußenbestimmte durch  Kabinettsorder vom 24. April und Verordnung vom 25. November 1816  für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten den Sonntag vor dem 1. Advent zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“. Folgende Gründe kommen dafür in Frage: das Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise oder auch das Fehlen eines Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr. Die anderen evangelischen Landeskirchen übernahmen diese Bestimmung.

Staatlicher Schutz

Der Totensonntag ist in allen deutschen Bundesländern besonders geschützt. Die Feiertagsgesetze aller Bundesländer außer Hamburg bestimmen den Totensonntag als Trauer- und Gedenktag oder als „stillen Tag“ oder „stillen Feiertag“, für den besondere Einschränkungen gelten; dazu gehören beispielsweise Verbote von Musikaufführungen in Gaststätten, zum Teil begrenzt auf bestimmte Stunden des Totensonntags. Das Hamburger Gesetz über Sonntage, Feiertage, Gedenktage und Trauertage ermächtigt den Hamburger Senat, „durch Rechtsverordnung (…) Tage zu sonstigen Gedenk- oder Trauertagen zu erklären“, was beispielsweise durch das Hamburgische Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten (Ladenöffnungsgesetz) vom 22. Dezember 2006 erfolgt ist.

Heutige Situation

Die lutherischen und unierten Agenden der 1950er Jahre versuchten im Rahmen der jüngeren liturgischen Bewegung, den endzeitlichen Charakter des Sonntags zurückzugewinnen. Deshalb findet sich der Name Totensonntag hier überhaupt nicht, sondern es ist lediglich vom Letzten Sonntag des Kirchenjahres/Ewigkeitssonntag/Sonntag vom Jüngsten Tage die Rede. Jedoch wurde ein alternatives Proprium mit dem Namen Gedenktag der Entschlafenen zur Verfügung gestellt.

Die Reformierte Liturgie(1999) führt in ihrem Liturgischen Kalender den Sonntag unter der Bezeichnung Letzter Sonntag des Kirchenjahres – Ewigkeitssonntag / Totensonntag, die pfälzische Agende (2006) als Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Totensonntag). Beide führen dabei die Perikopen des Ewigkeitssonntags an, wie sie auch im Evangelischen Gottesdienstbuch wiedergegeben sind.

Das Evangelische Gottesdienstbuch verzeichnete darüber hinaus jedoch noch einen Gedenktag der Entschlafenen. In ihm werden biblische Lesungen vorgeschlagen, die von denen für den Ewigkeitssonntag abweichen. Für  Christen ist der Tod zwar das Ende irdischen Lebens, doch wird dies in der Perspektive der Hoffnung auf die  Auferstehung der Toten gesehen, wie es an vielen Stellen in der Bibel beschrieben wird, z. B.  Johannes11,25 LUT. „Nach dem Willen des Ev. Gottesdienstbuches soll dort, wo es üblich ist, das Gedächtnis der Entschlafenen in einem eigenen Früh-, Predigt- oder Vespergottesdienst begangen werden …, es soll aber die Texte des Ewigkeitssonntags keineswegs verdrängen.“ Es wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass auch die Texte des Ewigkeitssonntags für das Totengedenken geeignet sind.

Das Totengedenken bleibt in vielen Landeskirchen der Entscheidung der Kirchengemeinde überlassen. Zumindest mit dem Verlesen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres – das neue beginnt mit dem folgenden Sonntag, dem ersten Adventssonntag – wird ihrer in den Gottesdiensten gedacht. In vielen Gemeinden werden die Angehörigen der Verstorbenen eigens zu Gottesdiensten auf den  Friedhöfen eingeladen. Das Abendmahl, sofern es an diesem Tag gefeiert wird, hat seinen Platz im morgendlichen Hauptgottesdienst. Zu den verbreiteten Bräuchen gehört es, die Gräber mit Gestecken oder Blumen zu schmücken.

Kirchliche Kreise werben dafür, aus Rücksichtnahme auf den Totensonntag mit der Weihnachtsbeleuchtung und den Weihnachtsmärkten erst in der Woche vor dem 1. Advent zu beginnen.

Der Sonntag der Ökumene

In der römisch-katholischen Kirche wird dieser Sonntag seit der  Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als  Christkönigssonntag begangen, im altkatholischen Kalender wird dieser „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“ genannt. Das Fest betont die Königsherrschaft Christi in Ewigkeit und weist insofern Parallelen zum Ewigkeitssonntag auf. Auch englischsprachige lutherische Kirchen, die dem Revised Common Lectionary folgen, feiern den Christkönigssonntag. Das Totengedenken erfolgt in der katholischen Tradition an Allerseelen.

Das Gedächtnis der Verstorbenen (Allerseelen) feiert die Katholische Kirche am 2. November, dem Tag nach Allerheiligen.

Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag zur Erinnerung an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft.

Aber bei aller Trauer in diesen Tagen im November, sollte uns die Erinnerung nicht so gefangen nehmen, dass wir uns der Gegenwart nicht mehr zu stellen vermögen.

Wer würde nicht die intensiven Augenblicke seines Lebens gern verlängern. Doch dieser Wunsch nach Dauer bleibt eine Illusion, weil die Zeit befristet ist und unser Leben Grenzen hat. Seine Endlichkeit zu akzeptieren, ist ähnlich schwer, wie der V ersuch, die Ewigkeit zu begreifen: Gibt es wirklich eine unendliche Zeit in der Vergangenheit und Zukunft?

Die Bibel kennt die Ewigkeit nicht als philosophischen Begriff, sondern nur in Verbindung mit dem Schöpfer: Er war vor aller Zeit und wird nach uns sein…!

Christen schöpfen aus der Gewissheit: Weil des Schöpfers (Gottes) Liebe in Zeit und Ewigkeit gilt, kann sie nicht vom Tod begrenzt werden und bleibt in Ewigkeit. Wer in diesem Bewusstsein lebt, wird die Alltagsprioritäten anders setzen und mit manchen Themen und Menschen seines Lebens sorgfältiger, liebevoller und freier umgehen können.

Das Kreuz ist nicht nur das Symbol des Todes, sondern auch das Symbol des Lebens über den Tod hinaus, das uns der Schöpfer schenkt. Darum gehen wir nicht nur auf den Friedhof, um an die Verstorbenen zu denken, sondern auch um uns in der Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit zu stärken.

©   Hans-Peter Meyer

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