Sonntag, 15. Dezember 2019

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Österliches Platzkonzert

MONTABAUR. Am Ostersonntagmorgen lud mit Frechblech – dem Soloquartett des evangelischen Dekanates Westerwald – eine starke Wäller Truppe zum traditionellen österlichen Platzkonzert vor dem alten Rathaus in der Fußgängerzone Montabaur ein.

Mit einem fröhlichen Crossover von geistlicher und modern-flotter Musik erfreute das Bläserensemble unüberhörbar die Zuhörerinnen und Zuhörer der Kreisstadt.

Es musizierten (v. l. n. r.) Rudolf Weide (Trompete und Flügelhorn), Claudia Liebe (Trompete und Flügelhorn), Dorit Gille (Waldhorn) und Jens Schawaller (Helikon und Leitung).

Musik zur Sterbestunde

MONTABAUR. In ihrem 20. Gründungsjahr lud die Dekanatskantorei Montabaur – sie ist der Kammerchor des Evangelischen Dekanates Westerwald – traditionell zur „Musik zur Sterbestunde“ an Karfreitag in die Evangelische Lutherkirche in der Wäller Kreisstadt ein. Gemeinsam mit der Cappella Taboris – dem Vokalensemble des Evangelischen Dekanates Westerwald – und den Musikerinnen des Orchesters gestalteten die Sängerinnen und Sänger ein weiteres Kantatenkonzert unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller, das sich mit dem Passionsgeschehen musikalisch wie textlich auseinandersetzt.

„Meinen Jesum lass ich nicht“ – mit dieser Zeile eines bekannten Kirchenliedes charakterisiert der A-Musiker die theologisch-inhaltliche Ausrichtung des Karfreitagskonzertes, das mit der Kantate „Herr, wenn ich nur dich habe“ von Friedrich Wilhelm Zachow (1663 - 1712) für Soli, Chor, Streicher und Basso continuo eröffnet wurde. In dieser sehr polyphonen Komposition verlangt Zachow in vielfacher Hinsicht erfahrene Sängerinnen und Sänger, die die lebendige Musik adäquat umzusetzen vermögen. Ihr folgte die archaisch anmutende Aria „Jesu, meines Lebens Leben“, eine Chaconne aus der Komponistenwerkstatt des norddeutschen Tonschöpfers Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) für solistisch besetzten Sopran, Alt, Tenor, Bass, Streicher, Blockflöten und Basso continuo. Angelika Wies (Sopran), Monika Schlößer (Alt), Hildegard Sthamer (Tenor) und Ingo Jungbluth (Bass) zeigten sich dabei von großer Stimmkultur mit deutlichem Artikulationsvermögen und kammermusikalischer Dialogfähigkeit.

Über einem gleichbleibenden Bass entfaltet Buxtehude einen variationsreichen Chorsatz, den die Cappella sicher und souverän sang. Mit den zwei Motetten „Halt, was du hast“ und „Herr, du lässest mich erfahren“ für jeweils achtstimmigen Doppelchor und Basso continuo von Johann Michael Bach (1648 - 1694) begaben sich Dekanatskantorei und Cappella in ein prächtiges klangliches Zwiegespräch, bei dem Monika Bathon als zuverlässige Codirigentin wirkte. Beide Ensembles sangen sich alternierend und – als große Steigerung – gemeinsam bei hoher rhythmischer und intonatorischer Sicherheit die frühbarocke Musik zu. Dazu bildete die sehr kammermusikalisch-filigrane Kantate „Jesu, meine Freude“ für Soli, Streicher und Basso continuo des Lübecker Komponisten Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) einen bewussten Gegensatz.

Im Orchester wirkten als bereits mehrfach bewährte Musikerinnen Cornelia Heppner (Violine I), Marie Hesse (Violine II), Sophie Jungbluth (Viola da braccia I), Anne-Rose Selbach (Viola da braccia II), Anneke Jung (Violoncello), Gudula Marxsen (Kontrabass), Andrea Scheugenpflug (Blockflöte I), Lydia Neumann (Blockflöte II) und Susanne Schawaller (Orgel).

Die Instrumentalistinnen wussten ebenso solistisch-präsent wie begleitend zu musizieren und waren von rhythmischen Souveränität und bester Intonation geprägt. Abgeschlossen wurde die Karfreitagsmusik mit einer weiteren Komposition von Friedrich Wilhelm Zachow, des Lehrers von Georg Friedrich Händel: mit der Kantate „Siehe, ich bin bei euch“ für Soli, Chor, Streicher, Blockflöten und Basso continuo wagten die Ausführenden bereits einen kleinen Blick über Jesu Tod hinaus zu seiner österlichen Auferstehung.

Anstelle eines Applauses erhoben sich die Zuhörerinnen und Zuhörer des Karfreitagskonzertes andachtsvoll schweigend und dankten so allen Aktiven für die ergreifende Musik zur Sterbestunde.

Was ist Ostern?

Eine einfache Darstellung der Passion Christi

Von Hans-Peter Meyer

Mit dem  Palmsonntag beginnt für die Christen in aller Welt die wichtigste Woche des Jahres. In unzähligen und an Verschiedenartigkeiten kaum zu überbietenden Festen, Feiern, Umzügen und Gottesdiensten begehen sie, entweder fröhlich oder nachdenklich, die grundlegenden Ereignisse und Inhalte ihres Glaubens. Dazu kommen die Erinnerungen an die Dramatik der letzten irdischen Lebenstage ihres Glaubensstifters Jesus aus Nazaret (zwischen See Genezareth und Mittelmeer in Israel gelegen). Aber nun der Reihe nach:

Am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, feiern die Christen den Einzug von Jesus in Jerusalem. Er wird dort von den Bewohnern mit Palmzweigen und Huldigungsrufen begeistert begrüßt, obwohl der auf einem jungen Esel reitende Jesus alles andere als eine herrschaftliche Figur darstellt. Aber die Gläubigen sehen in dem Vorgang die Erfüllung einer alten Weissagung, nach der der göttliche Erlöser so in Jerusalem einziehen soll.

Am Gründonnerstag – die Gegner von Jesus haben dafür gesorgt, dass sein Aufenthalt in Jerusalem lebensbedrohlich geworden ist – feiert Jesus mit seinen Jüngern zum letzten Mal ein rituelles Abendessen. So ist es unter frommen Juden in Jerusalem vor dem Passafest üblich gewesen. Während der Mahlzeit nimmt Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes, von deinen Jüngern Abschied. Aus diesem Essen entsteht später die Feier des Heiligen Abendmahls bzw. der Heiligen Eucharistie, die zur Mitte des christlichen Gottesdienstes werden.

Am Karfreitag geschieht für die Jünger – und heute noch für alle Christen – das Unfassbare: Jesus wird verhaftet und mit dem Kreuzestod grausamst hingerichtet. In Jesus sehen die Jünger, wie heute die Christenheit, den Abgesandten, den Boten, ja den Sohn Gottes. Dass niedrige Intrigen und menschliche Machenschaften so mit Gott – ungestraft – umgehen können – und das Gott dies zulässt! – stürzt alle in tiefsten Glaubenszweifel. Das Ende der „Jesusbewegung“ sehen sie gekommen und den menschenfreundlichen Gott, den Jesus verkündete, als Irrtum entlarvt!

Doch der Ostersonntagmorgen wischt alle Zweifel, alle Ängste beiseite. Immer mehr von ihnen erzählen  von Begegnungen mit und von Erscheinungen von Jesus, die sie gehabt haben. So wird die Gewissheit geboren, dass Jesus lebt und wirkt. Sie – und nachfolgend alle Christen auf der weiten Welt – erkennen, dass seine Botschaft für alle Zeiten gültig bleibt. Auch wissen  und glauben sie, dass der Tod in jedweder Form für das liebevolle, uns Menschen zugewandte Wirken Gottes in uns und mit uns keine unüberwindbare Barriere mehr darstellt. Ein neuer Abschnitt der Menschheit hat damit begonnen.

Das ist Ostern!

© Hans-Peter Meyer

Kulturfrühstück

Die Koblenzer Kulturdezernentin PD Dr. Margit Theis-Scholz lud die Koblenzer Kulturschaffenden und die Mitglieder des Kultur-und Hochschulausschusses vor Kurzem zum siebten Kulturfrühstück ein. 44 Kulturschaffende folgten dieser Einladung. Das Treffen dient der Netzwerkbildung und dem Austausch untereinander. Nach Vorstellung der verschiedenen geplanten Projekte durch die Kulturdezernentin (z. B. Koblenz liest ein Buch, Wochen der Demokratie, Kunst unterwegs, u.a.), stellten auch einige Kulturschaffende Ihre Projekte den anwesenden Gästen vor.

Über das Kulturfrühstück hinaus bietet die Kulturdezernentin auch eine offene Kultursprechstunde an. Jeweils am 4.Montag des Monats, ab 16:00 Uhr mit vorheriger Vereinbarung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Populismus: Aufmerksamkeit durch Tabubrüche

Sie reden von Asyltourismus oder Frühsexualisierung. Welche sprachlichen Strategien Rechtspopulisten verwenden, haben Linguisten der Universität Trier untersucht.

Was ist die Grenze des Sagbaren in politischen Diskussionen? Eine schwierige Frage. Auch für Dr. David Römer, der – so kann man es sagen – Kummer gewohnt ist. Der Linguist der Universität Trier analysiert Populismus in der deutschen Sprache und hat dabei schon viel Unschönes gelesen: auf Social Media, in Wahlprogrammen oder in Reden. „Problematisch ist beispielsweise der unreflektierte Gebrauch von Wörtern, die historisch vorbelastet sind.“

Gerade rechte Politiker brechen laut Römer bewusst diese Tabus. So hat zum Beispiel Frauke Petry erst kürzlich versucht, den Ausdruck völkisch zu reaktivieren, indem sie das Wort vom durchaus sagbaren Wort Volk ableitete. „Das Ziel, das mit einer derartigen Sprachwahl erreicht werden soll, ist die öffentliche Aufmerksamkeit. Personen mit populistischem Gedankengut haben verstanden, mit welcher Rhetorik sie es in die Medien schaffen.“

Medien skandalisieren das Gesagte und berichten auch mal reißerisch über Politiker. Die Debatte um die politische Korrektheit erzeugt zusätzlich öffentliche Aufmerksamkeit. Personen am rechten politischen Rand inszenieren sich gerne mit dem Argument, „dass man das doch noch sagen dürfe.“

Der Sprachwissenschaftler hält deswegen Aufklärung für besonders wichtig. Dem Populismus und den Strategien dahinter müsse mit politischer und sprachlicher Bildungsarbeit entgegengewirkt werden: „Indem man sich darüber klar wird, wie rechtsgesinnte Gruppierungen sprechen und ihre Strategien kennt, kann man vermeiden, dass man in die Falle tappt.“ Weitere populistische Sprachstrategien sind beispielsweise Vereinfachungen oder Moralisierung. Aber auch Vokabeln, die Bürgernähe simulieren und auf Alltagserfahrungen des „kleinen Mannes“ und der „kleinen Frau“ anspielen, werden häufig benutzt.

„Moralisiert und vereinfacht wird beispielsweise, indem populistische Personen die Welt in zwei Gruppen einteilen und sich dabei als die wahren Vertreter des guten Volkes verstehen und ein Bild von einer bösen, korrupten politischen Führungselite zeichnen, die das Volk hintergeht. Gleichzeitig treten Populisten und Populistinnen als Moralkritiker auf und inszenieren sich als Opfer von Moralisierung, etwa wenn sie den ‚Tugendterror‘ anmahnen.

Bei ihren Analysen stießen die Wissenschaftler der Universität Trier auch auf einige Äußerungen, die man schon als verschwörungstheoretisch bezeichnen kann. Eine weit verbreitete Geschichte ist, dass die politische Elite mit ihrer Einwanderungspolitik einen ‚Bevölkerungsaustausch‘ durchführe, um Deutschland zu islamisieren. Sogar im Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland (AfD) entdeckten die Forscher allerhand weitere haarsträubende Behauptungen, die nicht belegt werden: Durch „Gender-Ideologie“ und „Frühsexualisierung“ fände in Schulen eine staatlich geförderte Umerziehung statt, und zwar mit dem Ziel, die traditionelle Familie abzuschaffen.

Die Wissenschaftler beobachten schon seit einigen Jahren sprachlichen Populismus und können dabei eine Tendenz feststellen: „Wir haben auf jeden Fall den Eindruck, dass in den letzten Jahren der populistische Sprachgebrauch zugenommen hat. Nicht nur Begriffe wie ‚Asyltourismus‘ haben in die öffentliche Debatte Einzug gehalten. In gewisser Weise ist Rechtspopulismus salonfähig geworden“, schätzt Dr. David Römer die aktuelle Situation ein.

Römer und seine Kollegen konzentrieren sich auf die Analyse von Wahlplakaten, politischen Reden und verschiedenen Textsorten sozialer Medien wie YouTube-Kommentare. Auch linksgerichtete Personen würden zu populistischen sprachlichen Mitteln greifen, so die Forscher. Diese seien jedoch schwieriger als eindeutig populistisch zu bestimmen. Auch in einem Seminar an der Universität Trier haben Studierende im vergangenen Jahr deshalb ausschließlich rechtspopulistische Textdokumente untersucht. „Aufgrund der engen Anbindung an die Forschungspraxis ist das Seminar bei den Studierenden auf sehr großes Interesse gestoßen.“ Eine Wiederholung ist aktuell nicht geplant.

Wie wichtig es ist, genauer zu verstehen, wie Populisten rhetorisch agieren, unterstrichen auch Wissenschaftler bei einer kürzlich stattgefundenen internationalen Tagung an der Universität Graz, die von Römer mitorganisiert wurde. Im Herbst erscheinen ihre Ergebnisse in einem Tagungsband.

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