Samstag, 25. September 2021

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Dialog Aar-Einrich: Fotoausstellung „Weltenfrauen“ ab 8. März in Schaufenstern zu sehen

Kunst kommt zu den Menschen: Berührende Frauenportraits führen Kultur, Selbstverständnis und Stärke vor Augen

VG Aar-Einrich. Endlich wieder Kunst, Kultur und zumindest ein paar Menschen! Auch wenn die Vernissage der Fotoausstellung „Weltenfrauen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden musste, hat sie doch schon am ersten Tag für viel Bewunderung und Aufsehen gesorgt: In der Glasfront des Dorfgemeinschaftshauses Hahnstätten waren die faszinierenden Portraits der Freiburger Fotokünstlerin Ellen Schmauss zu sehen und lockten bei herrlichem Frühlingswetter bereits die ein oder anderen Schaulustigen auf den Vorplatz, während im DGH mit gebührendem Abstand eine kleine Vernissage zur faszinierenden Fotoausstellung „Weltenfrauen – Im Gewand der Vielfalt“ stattfand.

Die Fotokünstlerin Ellen Schmauss berichtete, dass die Begegnung mit der indisch-deutschen Tänzerin Shany Mathew vor zwölf Jahren Auslöser war für die Ausstellung, die seit einem Jahr „auf Tournee“ ist – auch wenn natürlich die Pandemie hier einiges durcheinandergewirbelt hat. Shany Mathew war nun auch in Hahnstätten zu Gast. Sie nahm die Gäste durch ihre ruhige, beeindruckende Vorstellung von Gesten, Mimik und spannenden Einblicken in die Hintergründe des indischen Tempeltanzes mit auf eine faszinierende Reise in die indische Kultur, die sie selbst – geboren und aufgewachsen in Heidelberg – erst im jungen Erwachsenenalter und sehr bewusst kennengelernt hat. Ihre tänzerische Darbietung übertrug die Theorie anschließend auf umwerfende Weise in die Praxis.

Damit verkörperte Shany Mathew genau das, was der Antrieb für die Fotoausstellung ist: Frauen unterschiedlichster Herkunft präsentieren sich nicht nur äußerlich in ihrer landestypischen Tracht, sondern setzen sich in begleitenden Texten mit ihren Wurzeln und ihrem Selbstverständnis vor dem Hintergrund der interkulturellen Identität auseinander.

In kurzen Ansprachen führten die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Lahn-Kreises Dorothee Milles-Ostermann und die Gleichstellungsbeauftragte der VG Aar-Einrich Doris Weyand in die Ausstellung ein. Landrat Frank Puchtler freute sich ebenso wie VG-Bürgermeister Harald Gemmer, der Hahnstätter Bürgermeister Joachim Egert und die Kulturmanagerin des Zweckverbands Oberes Mittelrheintal Sarah Piller darüber, dass die Ausstellung pünktlich zum Weltfrauentag in der VG Aar-Einrich beginnt und auf ihre Weise auf die noch immer oft benachteiligte Lebenssituation und -perspektive der Frauen weltweit aufmerksam macht.

Matthias Frey, der künstlerische Leiter des Dialogs Aar-Einrich, der die Ausstellung im Rahmen des Kulturprogramms in die VG geholt hat, betonte, wie wichtig es ist, dass man so zur Wertschätzung aller Kulturen beitragen wolle.

Die 90 bemerkenswerten Fotografien, mit denen sich Ellen Schmauss mit respektvollem Augenmerk auf Frauen der bunten kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft widmet, sind bis 15. April in vielen Schaufenstern von Unternehmen, Behörden und Läden im gesamten VG-Gebiet zu sehen. Anschließend sollen sie verteilt auf den gesamten Rhein-Lahn-Kreis ausgestellt werden. Interessierte Unternehmen oder anderen Institutionen, die Schaufenster bestücken möchten, können sich gerne melden unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Dialog Aar-Einrich. Gefördert wird sie über die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Aktuelle Informationen gibt es immer auch unter: www.dialog-aar-einrich.de

2. Treffen der Koblenzer Kulturfrauen fand virtuell statt

Anlässlich des Weltfrauentages fand am gestrigen Montag zum 2. Mal das Treffen der Koblenzer Kulturfrauen statt. 2020 gehörte die Premiere des von der Dezernentin für Bildung und Kultur PD Dr. Margit Theis-Scholz ins Leben gerufene Netzwerktreffen zu einer der letzten Präsenzveranstaltungen. Kurz darauf brachte der erste Lockdown die gesamte Kulturlandschaft ins Wanken. Die Folgen der Pandemie und der sowohl hoffnungsvolle als auch bange Blick auf die kommenden Wochen prägten auch die virtuelle Zusammenkunft, die nach den Begrüßungsworten der Kulturdezernentin verschiedene Beiträge regionaler Künstlerinnen bot. 

In ihrer Begrüßung verwies Theis-Scholz auf die grundsätzliche Gestaltungskraft, die erfolgreiche Vernetzung von Frauen zur Folge hat: „Ich bin überzeugt davon, dass das Netzwerkknüpfen eine große Stärke von Frauen in unserer Gesellschaft darstellt und in vielen Bereichen dazu gedient hat, gute, kreative Ideen zu schmieden und produktive Wege zur Umsetzung zu finden.“ Darüber hinaus richtete sie den Blick auf die hohe Bedeutung und Wirkungskraft für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen: „Über die letzten Jahrzehnte hinweg haben Frauen, die in der Kunst- und Kulturszene arbeiten, kulturelle Institutionen und ihr Arbeitsumfeld stark beeinflusst. Ob als professionelle Künstlerinnen oder ehrenamtlich Tätige in Vereinen, Initiativen und Verbänden, ob in der Literatur, der Musik, Bildenden Kunst, dem Darstellen Spiel, Theater, Tanz und in anderen Kultursparten oder auch als kulturpolitisch auch einsetzende Frauen – die wachsende Zahl von Frauen wirkt in den Kulturbereich verändernd hinein und damit in die gesamte Gesellschaft. Dies wird einen langsamen, aber großen feststellbaren Einfluss auf die Werte, mit denen wir arbeiten, aber auch die Systeme und Strukturen im Kultursektor ausüben.“

Das virtuelle Treffen der Kulturfrauen wurde in diesem Jahr umrahmt von lokal ansässigen Künstlerinnen: Der Sängerin Leslie Wilbert, die mit ihrer Stimme und den Titeln „Yesterday“ und „Million Dreams“ begeisterte, der Singschule Koblenz und einem filmischen Beitrag der Mädchenkantorei, der Fotografin Julia Berlin, die eine Fotostrecke präsentierte und dabei auf die unterschiedlichen Rezeptionen von Männer- und Frauenportraits einging, und der Autorin Tessa Randau, die aus ihrem Buch „Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich“ las und ein Plädoyer für ein stärkeres Engagement von Frauen anschloss.

Theis Scholz bedankte sich den Künstlerinnen, die den besonderen Abend mitgestaltet hatten, aber auch bei allen anderen Kulturfrauen für ihr Engagement: „Ich danke Ihnen allen für Ihr aktives und engagiertes Mitwirken und Ihre direkten Beteiligungen in unserem Kulturraum - unabhängig von der Art und Weise des Beitrags, den sie leisten. Lassen Sie sich in Ihrem Tun ermutigen und in Ihren kulturellen Aktivitäten bestärkt fühlen, auch wenn diese Krise einen langen Atem erforderlich macht.“ Mit Blick auf die Pandemie und dem kommunikativen Umgang mit Kultur von Teilen der Politik appellierte Theis-Scholz zudem an die Runde: „Unsere Aufgabe in der momentanen Situation, die sich teilweise verheerend im gesamten Kulturbereich auswirkt, wird es sein, mit gemeinsamer Stimme auf die Bedeutung und Rolle der Kultur in unserer Gesellschaft hinzuweisen, die weit über Unterhaltung und Ablenkung hinausgeht. Sie ist Eckpfeiler, Gerüst und Spiegelbild unserer Gesellschaft und führt uns jedwede Veränderungen mit seismografischer Sensibilität vor Augen.“

Musikalische Andachten zur Karwoche

NEUNKIRCHEN / RANSBACH-BAUMBACH.

Die Cappella Taboris lädt als das besondere Vokal- und Instrumentalensemble des Evangelischen Dekanates Westerwald unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller zu einer musikalischen Andacht zur Karwoche

am Dienstag, dem 30.03.2021 um 20.00 Uhr in die Evangelische Johanneskirche, Kirchgasse 11 in 56479 Neunkirchen (Anmeldung unter Tel.: 06436 / 4073

bzw. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) mit Pfarrerin Anja Jacobi und am Karfreitag, dem 02.04.2021 um 15.00 Uhr in die Evangelische Kirche, Kirchstraße 14 in 56235 Ransbach-Baumbach (Anmeldung bis Montag, 29.03.2021 unter Tel.: 02624 / 7627

bzw. Kirchengemeinde.Ransbach-Baumbach-Hilgert@ekhn) zu einer musikalischen Andacht zur Sterbestunde Jesu mit Pfarrer Wolfgang Weik ein.

Es erklingen geistliche Musik von Heinrich Schütz, Arcangelo Corelli, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach sowie Lesungen zur Passion und zu Karfreitag.

Eine Anmeldung ist jeweils erforderlich, es gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregelungen der jeweiligen Evangelischen Kirchengemeinden. Der Eintritt ist frei, wir bitten herzlich um eine Spende am Ausgang.

Der Internationale Frauentag

Gedanken und Erläuterungen zu einem Ehrentag

Von Hans-Peter Meyer

Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag genannt – wird inzwischen stets am 8. März gefeiert und ist für Frauen auf der ganzen Welt ein wichtiges Datum. In einigen Ländern ist er sogar gesetzlicher Feiertag.

"Heraus mit dem Frauenwahlrecht!" war die Hauptforderung der "Mütter" des Internationalen Frauentags. Auch wenn diese Zielsetzung inzwischen erreicht wurde, so ist die Gleichstellung der Geschlechter dennoch weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Realität.

Der Internationale Frauentag hat seine Wichtigkeit daher nicht verloren und wird weiterhin jährlich begangen. Frauen auf der ganzen Welt machen am 8. März mit Veranstaltungen, Feiern und Demonstrationen auf noch immer nicht verwirklichte Frauenrechte aufmerksam.

Den internationalen Charakter unterstützt auch die Tatsache, dass die Vereinten Nationen  an die Tradition des Internationalen Frauentags angeknüpft haben. 1977 rief die UN-Generalversammlung in einer Resolution einen Tag im Jahr zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ aus. Die jährlich stattfindenden Veranstaltungen stehen seither unter wechselnden Schwerpunktthemen von länderübergreifender Relevanz.

2015 lautete zum Beispiel das Motto der Vereinten Nationen zum Internationalen Frauentag: „Make It Happen“ (Lassen Sie es geschehen). In Deutschland lautet das Motto auch in diesem Jahr: “Heute für morgen Zeichen setzen“.

Deutschland gehört zum kleinen Kreis derjenigen Länder, in denen der Internationale Frauentag von 1911 an gefeiert wurde. Eine wichtige Rolle spielten dabei die  Sozialdemokratinnen Clara Zetkin und Käte Duncker, die mitgewirkt hatten, den Weltfrauentag offiziell ins Leben zu rufen.

100 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag ist bereits viel von der Geschichte in Vergessenheit geraten. Diese war in Deutschland besonders bewegt: Hier wurde der Tag während des Nationalsozialismus verboten und geriet in der jungen Bundesrepublik zeitweilig in Vergessenheit. Spätestens mit der Wiedervereinigung Deutschlands konnte der Internationale Frauentag aber ein Comeback feiern. Heute ist er Plattform einer vielfältigen Frauenbewegung und fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert.

Zur Geschichte des Internationen Frauentags ist weiterhin  anzumerken:

Am 19. März 1911 fand in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA der erste Internationale Frauentag statt. Die Wahl dieses Datums sollte den revolutionären Charakter des Frauentags unterstreichen, weil der 18. März der Gedenktag für die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848 war.

Bereits auf der ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1907 forderte Clara Zetkin, (gilt  als prägende Initiatorin des Internationalen Frauentags) das allgemeine Frauenwahlrecht, nachdem bereits 1904 in Berlin der Weltbund für das Frauenstimmrecht gegründet wurde. Ein Jahr später am 27. August 1910 beschlossen 100 Delegierte aus 17 Ländern auf dem zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentags. Hauptziel und –forderung war das Frauenwahlrecht. In den folgenden Jahren wechselte das Datum des Frauentags bis es 1921 auf den 8. März festgelegt wurde.

In Deutschland wurde das Frauenwahlrecht 1918 (genau wie in Österreich, Polen und Russland) im Reichswahlgesetz verankert. Im Januar 1919 konnten deutsche Frauen das erste Mal in der Geschichte wählen und gewählt werden. Als erste Frauen in Europa besaßen 1906 Finninnen dieses Recht (zeitgleich mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer), gefolgt von Norwegen 1913 und Dänemark (einschließlich Island) 1915. In der Schweiz mussten die Frauen bis 1971 warten, bis sie auf Bundesebene dieses Recht beanspruchen konnten.

Die Einführung hing von einer männlichen Volksabstimmung ab, ebenso wie in Liechtenstein als europäisches Schlusslicht, wo Frauen erst 1984 das Wahlrecht erhielten. Auch heute noch gibt es Länder, in denen das Frauenwahlrecht erschwert oder vorenthalten wird: dazu gehören Bhutan, Brunei und Saudi-Arabien.

Nachdem das Wahlrecht für Frauen errungen war, rückten andere Ungleichbehandlungen in den Mittelpunkt des 8. März, an dem Frauen mit Demonstrationen und Kundgebungen auf ihre Benachteiligung aufmerksam machten. Zentrale Forderungen waren Arbeitsschutzgesetze, gleicher Anspruch auf Bildung, ausreichender Schutz für Mütter und Kinder, gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder legaler Schwangerschaftsabbruch. In all diesen Bereichen mussten Frauen massive Einschränkungen und Gebote hinnehmen, die dem hierarchischen Geschlechterverhältnis geschuldet sind.

Während des Nationalsozialismus wurde der Internationale Frauentag in Deutschland verboten und dafür der Muttertag stark in den Vordergrund gerückt.

Hartnäckig haben vier Frauen im Parlamentarischen Rat 1948/49 (Dr. Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel – als die "Müttern des Grundgesetzes") es  geschafft, fünf entscheidende Wörter ins Grundgesetz zu bringen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt" (Artikel 3, Abs. 2) Nach langen Diskussionen wurde dann 1994 der Gleichberechtigungs-Artikel im Grundgesetz um einen Zusatz ergänzt: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. Eine aktive Gleichstellungspolitik ist seitdem Verfassungsauftrag.

Selbstverständlich war es nicht, dass der Gleichberechtigungsartikel in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde. 1948/49 arbeiteten 65 Männer und Frauen im Parlamentarischen Rat an einer demokratischen Verfassung für den neuen deutschen Staat. Lange war dabei nur von den "Vätern des Grundgesetzes" die Rede. Den wenigen Frauen im Parlamentarischen Rat – Dr. Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel – als den "“Müttern des Grundgesetzes“ ist es zu verdanken, dass unsere Verfassung Frauen die volle Gleichberechtigung garantiert.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs fanden bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts nur wenige Veranstaltungen statt. Mit ihrer Forderung „Das Private ist politisch“ rückte die Zweite Frauenbewegung neue Themen wie Gewalt in der Ehe, Rechte von Ausländerinnen oder Diskriminierung nicht-heterosexueller Lebensweisen ins Bewusstsein.

1975 erklärten dann auch die Vereinten Nationen einen Tag im Jahr offiziell zum Internationalen Frauentag.

In den letzten 100 Jahren hat sich viel zum Positiven verändert, viele beherzte und mutige Frauen und Männer haben Bestimmungen und Gesetze für mehr Chancengleichheit durchgesetzt. Es ist zwar viel, aber längst noch nicht alles erreicht. In Sachen Bildung haben Mädchen mittlerweile aufgeschlossen und in manchen Bereichen die Jungen überholt. Doch diese Entwicklung setzt sich bei der beruflichen Karriere nicht fort. Nach wie vor sind Frauen unterrepräsentiert in sämtlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist immer noch nicht erreicht.

Deswegen wurde 2008 der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche geförderte „Equal Pay Day“ oder auch „Rote-Taschen-Tag“ von der BPW (Business and Professional Women) initiiert, bei dem am 15. April 2008 in Deutschland Frauen durch das Tragen roter Taschen auf die Lohnunterschiede aufmerksam machen. Der Aktionstag findet immer an dem Tag in einem neuen Jahr statt, bis zu dem Frauen bei gleichem Arbeitsvolumen wie die Männer ohne Bezahlung arbeiten müssten, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Zurzeit beträgt die statistisch ermittelte Differenz zwischen den durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhnen der Männer und denen der Frauen 22%. Also die Berechnung für 2014 lautet: 22% von 365 Tagen = 80 Tage.

Im heutigen Deutschland neu ins Bewusstsein gerückte Frauen- und Menschenrechtsverletzungen wie Genitalverstümmelungen und Ehrenmorde, denen in der Regel Frauen zum Opfer fallen, Zwangsheirat und –prostitution sowie Frauenhandel machen deutlich, dass Frauenrechte einklagbare Menschenrechte sein müssen.

Viele Gründe, den 8. März als Tag der erreichten wie der noch ausstehenden Frauenrechte zu feiern und hochzuhalten.

©  Hans-Peter Meyer

175 Jahre Friedhof an der Allerheiligenbergstraße

Lahnstein hat Geschichte, Folge 638

Lahnstein. Der älteste, noch in Gebrauch befindliche Gottesacker Lahnsteins darf bereits auf 175 Jahre zurückblicken. Am 02. November 1845 erfolgte die Einweihung des Friedhofs am Wallfahrtsweg zum Allerheiligenberg. An den Wallfahrtsweg erinnern noch die Rosenkranzkapellchen, die 1874 anstelle früherer, zerfallener Gebetsstationen entlang der Straße errichtet wurden.

Zuvor wurden die Niederlahnsteiner rund um die Johanniskirche beerdigt, woran noch einzelne freistehende, aber vor allem später in die Friedhofsmauer eingemauerte Basaltgrabsteinkreuze aus dem 16. und 17. Jahrhundert erinnern. Bei Hochwasser wurden die Toten in Oberlahnstein bestattet. Die dem Wasser so sehr ausgesetzte Lage und der beschränkte Raum an der seit 1794 zur Ruine verkommenen Johanniskirche forderte erst recht nach dem Einsturz des Nordturmes 1844 dringend und unabweislich die Anlage eines neuen Friedhofs, der im Frühjahr 1845 höheren Orts verfügt wurde.

Die Größe des neuen Friedhofs betrug 216 Ruten, das entspricht ca. 5.400 Quadratmeter. Das von der Gemeinde angekaufte Gelände wurde planiert. Am 10. November 1845 erfolgte die erste Beisetzung mit der verstorbenen 16-jährigen Anna Pink.

Der ursprüngliche Friedhof bestand aus den Grabfeldern A bis F. Die östlich anschließenden Grabfelder wurden später angelegt. Die geringe Einwohnerzahl – ca. 2.000 im Jahr 1845 und ca. 5.000 im Jahr 1900 – erklärt, dass der Friedhof in den Jahren von 1845 bis 1922 höchstens zweimal belegt wurde. 1908 wurde der Friedhof ostwärts um 4.185 Quadratmeter (Grabfelder G bis K) vergrößert. Dabei wurde auch eine Treppe aus Basaltlavasteinen als Aufgang zum Hohenrheiner Weg (heutige Straße „Zur Ruppertsklamm“) angelegt.

In den Jahren 1920/22 wurde der ursprüngliche Teil des Friedhofs aufgeschüttet und terrassenförmig neu angelegt. Dadurch wurden die früheren Gräber nicht mehr berührt. Anschließend wurden diese Grabfelder bis 1963 abermals zweimal belegt, jeweils im Abstand von 22 Jahren.

Der Erweiterungsteil wurde um 1940 terrassenförmig neu angelegt. Für die vielen gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs einschließlich der zivilen Kriegsopfer wurde ein Teil des Grabfeldes „H“ oberhalb des Hauptweges und für die vielen Toten vom Luftangriff am 2. Weihnachtstag 1944 ein Teil des Grabfeldes „K“ unterhalb des Hauptweges zur Verfügung gestellt. Ihnen wird nach dem Gesetz ewiges Ruherecht gewährt. Ebenso wurden die ehemaligen Zwangsarbeiter, die während oder kurz nach dem Krieg noch in der Kaserne (Lager für Displaced Persons) gestorben sind, in einer Reihe gemeinschaftlich bestattet, sofern sie nicht in ihre Heimatländer überführt wurden.

Am oberen Ende befinden sich Grüfte, unter anderem eine von der Industriellenfamilie Schmidt (Drahtwerke). In den 1890er Jahren wurden von den Familien Douqué zwei neugotische Friedhofskapellen aus Tuffstein errichtet. In der linken Douqué-Kapelle befinden sich die Ruhestätten der Maria Douqué und des Heimatschriftstellers Tony Müller (1896-1980) sowie seiner Frau Trude. In der rechten sind Daniel Douqué (Kirchenvorsteher und Schulvorstand, 1806-1891) und seine Frau Agnes mit Tochter und Schwiegersohn bestattet. In der Kapelle befindet sich heute auch der Grabstein von Ehrenbürger Geistlicher Rat Johann Baptist Ludwig (1849-1943). Sein Grab wurde inzwischen aufgelöst, ebenso die Priestergräber, deren Grabsteine vor und neben der Kapelle stehen, unter anderem von Johann Friedrich Ries (gestorben 1854), Ehrenbürger Jakob Menges (gestorben 1957) und Karl Schwarz (gestorben 1978), die allesamt in St. Barbara wirkten, sowie von Pfarrer Franz Berg (gestorben 1898), einem gebürtigen Niederlahnsteiner, der als Pensionär auf dem Allerheiligenberg lebte und die von ihm erworbenen Liegenschaften der Kirchengemeinde vermachte. Noch in Reihe befindet sich das Grab von Pfarrer Wilfried Bandel, der 2013 beigesetzt wurde. An der rechten Außenseite der Kapelle steht der selbstgestaltete Grabstein des Altarbildhauers Caspar Weis (1849-1930).

Der Friedhof wurde auch zur letzten Ruhestätte unserer Ehrenbürger Sanitätsrat Dr. Theodor Michel (1847-1932) und Bürgermeister Christoph Strobel (1837-1912) sowie zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, die im öffentlichen Leben Niederlahnsteins eine Rolle gespielt haben. Noch vorhanden sind beispielsweise die Gräber von den Karnevalisten Lorenz Schlösser, genannt Knieles (1901-1990), seinem Sohn Lorenz gen. Lori Schlösser, Ernst Rech (1936-2018) und Ria Hewel (1924-2015), von den Hoteliers Ludwig Kuhlmann (Straßburger Hof) und Peter Satori (Hotel Weißes Ross), von den Kirchenmalern Waldemar Kolb (1898-1975) und Alban Kolb (1900-1982), von den Ärzten Dr. med. Carl Rody, Dr. med. Werner Klinke, Dr. med. Hubert Schulte und Dr. med. Hans-Joachim Neuenfeldt, von Strombaudirektor Eduard Adolph Nobiling (1801-1882), von Amtsgerichtsdirektor Dr. jur. Gustav Krauss (1891-1952), von den Verlegern Dr. Fritz Nohr (1913-1987) und Wolfgang Hopstein (1926-1994), von Drucker Heinz Prinzen (1940-2019), von den Mundartpublizisten Dr. Willi Schwank (1931-2006) und Willi Hoffmann (1896-1980), von Heimatforscher Franz Merfeld (1927-2009), von den Künstlern Willi Britschgi (1932-2014), Ludwig Nett (1934-2016) und Hans-Georg Schleifer (1940-2017), von Musiker Heinrich Geis (1931-2009), vom Gesellschafter der Firma Zschimmer & Schwarz Volker Schwarz (1942- 2018), von Schlossermeister Josef Heimbach, von den Bauunternehmern Peter Neitzer, Hans Engel und Martin Lenz, von den Stadtbaumeistern Franz Lock (1881-1961) und Heinz Hermann (1908-1998). Erwähnt seien auch die Gräber des Reichstagsabgeordneten Dr. Anton Dahlem (1859-1935), des Beigeordneten Leo Freudemann (1930-1997), des Stadtrechners und Schiedsmanns Anton Reetz (1900-1996) und von zahlreichen Stadtratsmitgliedern wie Willy Hewel (1900-1978), Hans Holl (1919-1998), Bernd Wittkemper (1942-1990), Maria Ohms (1919-1998), Toni Becher (1929-2016) oder Edi Wolf (1934-2018). Stellvertretend für die vielen Gewerbetreibenden seien Kaufmann Friedrich Westenberger (1911-2002), Fotografin Inge Maiwald (1925-2007) und Metzger und Hobbyfotograf Emil Simonis (1928-2010) erwähnt.

Manche Grabplatten erinnern an die zahlreichen Vertreter des Schiffergewerbes in Niederlahnstein, zum Beispiel an die Familien Scheer, Unkelbach, Dehe, Hewel, Krauß, Runkel, Rössler und Dasting. Einige ihrer Gräber sind mit einem Anker geschmückt. Zwei besonders markante Grabsteine sind der nahe dem Haupteingang stehende versteinerte Holzstamm von Eberhard Burkard (Holzhandlung) sowie von Toni Born, auf dessen Stein der Turm der Johanniskirche abgebildet ist.

Die letzte Vergrößerung erhielt der Friedhof in den 1950er Jahren mit den Grabfeldern „L“ und „M“. Zwischen diesen wurde die Einsegnungs- und Aufbahrungshalle 1958 errichtet. Bis dahin startete die Beerdigung am Haus des Verstorbenen oder an der Leichenhalle am Krankenhaus Bergstraße. Als der Friedhof Ende der 1960er Jahre abermals erweitert werden sollte, entschied man sich für einen neuen Friedhof oberhalb der Allerheiligenbergsiedlung, der 1971 eingeweiht wurde. Da sich inzwischen die Bestattungskultur in vielerlei Hinsicht geändert hat, bietet der alte Friedhof mit seinen 14.393 Quadratmetern genügend Platz, sodass der obere aus Kostengründen geschlossen wurde.

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