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Erstes Konzert an neuer Nassauer Orgel

Drei Dekanatskantoren spielen am Königin-Instrument von Rowan West in Johanniskirche


NASSAU/RHEIN-LAHN. (16. Oktober 2018) Die drei Dekanatskantoren des evangelischen Dekanats Nassauer Land Martin Samrock, Ingo Thrun und Markus Ziegler werden in einem gemeinsamen Konzert am Sonntag, 28. Oktober um 18 Uhr die neue West-Orgel in der evangelischen Johanniskirche Nassau in einem facettenreichen Programm zum Klingen bringen. Es orientiert sich am Stil des norddeutschen Orgelbarocks, in dem das Instrument von Rowan West gebaut wurde.

Eine große Klangfarbenvielfalt, das Spiel auf zwei Manualen abwechselnd oder gleichzeitig und der virtuose Einsatz des Bass-Pedals sind Kennzeichen dieses Stils. Heinrich Scheidemann, Franz Tunder, Jan Pieterszoon Sweelinck und Dietrich Buxtehude sind herausragende Komponisten dieser Zeit, und auch Johann Sebastian Bach wurde von dieser Musik stark beeinflusst.

So stehen von Scheidemann ein Präambulum, von Tunder eine Canzona und von Sweelinck ein Ricercare auf dem Programm, ergänzt von der Choralbearbeitung „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ von Buxtehude.

Die Klanglichkeit dieser Kompositionen wird fortgeführt in der berühmten Johann Sebastian Bach zugeschriebenen Toccata und Fuge d-Moll, in der ebenfalls mit zahlreichen Manualwechseln gespielt wird. In einer Aria mit Variationen von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel und einem Präludium und Fuge von Felix Mendelssohn-Bartholdy wird dann mit neuen Zusammenstellungen der Klangfarben der Stil des norddeutschen Orgelbarock verlassen.

Schließlich zeigen die drei Interpreten aus Bad Ems, Diez und Nastätten mit Kompositionen von Hugo Distler und der australischen Organistin und Komponistin Rosalie Bonighton, dass auch Orgelwerke neuerer Zeit auf dem Instrument hervorragend darstellbar sind.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird am Ausgang gebeten.

43. Geistliche Abendmusik für Trompete und Orgel

MONTABAUR. Mit dem außergewöhnlichen Konzertprogramm „Kontraste – zwischen Zeit und Klang“ laden Oberstudienrätin Susanne Schawaller aus Montabaur als Organistin und Berufstrompeter Dietmar Wengenroth aus Gemünden am Sonntag, 04.11. zur 43. Geistlichen Abendmusik um 18.30 Uhr in die Evangelische Lutherkirche Montabaur ein.

Den glänzend-barocken Trompetenwerken von Giovanni Bonaventura Viviani, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann stehen jeweils deutsch-romantische Solowerke für Orgel von Max Reger gegenüber.

Die Continuoorgel spielt Dekanatskantor Jens Schawaller, in dessen Händen auch die Moderation des Abends liegt. Der Eintritt ist frei.

Das Erntedankfest - Ursprung und Entwicklung

Von Hans-Peter Meyer

Das Erntedankfest ist in vielen Gemeinden einer der feierlichen Höhepunkte des ansonsten eher tristen Herbstes. Dabei soll einerseits die Freude über eine erfolgreiche Ernte zum Ausdruck gebracht werden, was den weltlichen Charakter des Erntedankfestes widerspiegelt. Andererseits steht aber gerade im christlich geprägten Europa nicht das Feiern, sondern der Dank an Gott für die Ernteerträge im Mittelpunkt des Festes. Dabei ist es recht unterschiedlich, an welchem Tag das Erntedankfest begangen wird. So feiert man in evangelischen Gemeinden in der Regel am Michaelistag (29. September) oder am darauf folgenden Sonntag, während das Erntedankfest in katholischen Gemeinden meist am ersten Sonntag im Oktober begangen wird. Der letztgenannte Tag wurde von der deutschen Bischofskonferenz im Jahre 1972 als Festtermin festgelegt, jedoch nicht für verbindlich erklärt, sodass jede katholische Kirchengemeinde für sich entscheiden kann, ob und wann sie das Erntedankfest veranstaltet.

Ursprünge des Erntedankfestes

Seinen Ursprung hat das Erntedankfest schon in vorchristlicher Zeit. Zeitpunkt dieses Festes war die Tagundnachtgleiche im Herbst, also der 23. September. Im Mittelpunkt stand der Dank an die Götter und die verschiedenen Feld- und Fruchtbarkeitsgeister, was mit allerlei Opfergaben verbunden war. Diese Opfergaben sollten das Wohlwollen der höheren Mächte sichern, indem man ihnen etwas von dem zurückgab, was sie einst gegeben hatten. Eine besondere Bedeutung kam dabei der ersten bzw. letzten Garbe zu. Diese Getreidebündel mit dem zuerst bzw. zuletzt geernteten Korn dienten einerseits als Opfergabe, andererseits aber auch zur Durchführung allerlei Schutz- und Fruchtbarkeitszauber. Setzte sich z.B. die Binderin auf die erste Garbe, sollte dies die Fruchtbarkeit des Korns im nächsten Jahr begünstigen. Nach der Opfergabe in Form von Korn, Obst und Früchten wurde am Abend des Erntefestes das Erntemahl begangen. Dieses diente in erster Linie kultischen Zwecken, nämlich der "Verspeisung" des Fruchtbarkeitsgeistes und sorgte somit für eine Bindung des Geistes an den Acker. Bei diesem gemeinsamen Mahl wurde aber auch den Feldarbeitern, welche in der Regel Wanderarbeiter waren, mit der Darreichung von guten Speisen und Getränken für ihre Hilfe gedankt. Ein weiterer Höhepunkt des Festes war schließlich der Reigen, welcher vom Landbesitzer mit einem Tanz mit einer aus der letzten Garbe gebundenen Puppe eröffnet wurde. Diese symbolisierte den Fruchtbarkeitsgeist und wurde daher nach dem Fest bis zur nächsten Ernte an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Erntedankfest heute

Im Mittelpunkt des heutigen Erntedankfestes steht der gemeinsame Gottesdienst, bei der eine Auswahl von landwirtschaftlichen Produkten dekorativ in der Kirche platziert wird. Diese haben freilich keinen Opfercharakter mehr, sondern sollen den Gläubigen wieder in Erinnerung rufen, welche Vielfalt an Nahrungsmitteln die Erde für die Menschen bereitstellt und dass die Früchte des Bodens nicht selbstverständlich existieren, sondern Teil göttlicher Schöpfung sind. Dennoch finden sich viele Bräuche aus der vorchristlichen Zeit auch im heutigen Erntedankfest wieder.

So existiert z.B. die letzte Garbe in Form der aus Getreidehalmen gebundenen und mit farbenfrohen Blumen und Bändern bestückten Erntekrone weiter. Diese wird nach dem Gottesdienst in einer feierlichen Prozession auf einem Wagen durch das Dorf gezogen, wobei meist ein landwirtschaftliches Fahrzeug zum Einsatz kommt. Auch die Kornpuppe findet sich noch vereinzelt auf heutigen Erntedankfesten wieder, dient dabei aber fast immer nur dekorativen Zwecken.

Machen wir uns den tieferen Sinn des Erntedankfestes in diesen Tagen besonders bewusst.

©  Hans-Peter Meyer

Mit Dostojewski auf dem Felsenweg unterwegs

Literarische Spurensuche in und über Bad Ems: Evangelisches Dekanat bot Wandergruppe viele Denkanstöße


RHEIN-LAHN. (27. September 2018) „Jemanden zu lieben heißt, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ Das war nur eins vieler Zitate, die eine Wandergruppe in Bad Ems zum Nachdenken brachte. Ralph Skähr-Zöller, der im evangelischen Dekanat Nassauer Land innovative Angebote für jüngere Seniorinnen und Senioren konzipiert, hatte zu der literarischen Wanderung auf den Baedeker-Felsenweg nach Bad Ems eingeladen und für die Tour geistreiche Gedanken des Schriftstellers Fjodor Dostojewski parat.

Skähr-Zöller gab während der Wanderung einen Einblick in die bewegte Biographie des russischen Dichters zwischen Dichtungen, Arbeitslager, Spielsucht, Lungenerkrankung und Frauen. Mehrfach hielt er sich in Bad Ems auf; die entsprechenden Domizile in der Kurstadt wurden während der inspirierenden Tour ebenfalls aufgesucht. „Die Kur in Bad Ems habe ihm das Leben gerettet“, zitierte der Religionspädagoge, bevor es auf dem wunderschönen Felsenweg bergauf Richtung Concordia-Turm ging.

Bei kleinen Pausen gab Skähr-Zöller eine Reihe von Gedanken und Weisheiten Dostojewskis zum Besten, die immer wieder intensiv diskutiert wurden ebenso wie seine ablehnende Haltung zum Emser Bürgertum und dem Adel, die ihn „zu sehr bissigen Kommentaren“ inspiriert hätten, so der Referent. „Diese Leute der goldenen Mitte sind schrecklich von sich eingenommen. Sie sind diejenigen, die auf jeden Neuerer den ersten Stein werfen“, schrieb Dostojewski an anderer Stelle oder auch „Nur in der Ruhe ist die Quelle der größten Kraft“. Die genoss samt herrlichem Blick auf Bad Ems auch die sehr interessierte Wandergruppe immer wieder, die sich bereits auf die nächsten Angebote in ähnlicher Form freut.

Kreative Schreibwerkstatt

Eines ist bereits in der Planung. Für Literaten und solche, die es werden wollen, bietet Skähr-Zöller am Donnerstag, 8. und 15. November jeweils von 15.30 bis 17.30 Uhr unter dem Motto „Schreiben und genießen“ in Diez-Freiendiez eine kreative und genussvolle Schreibwerkstatt an. Dabei sollen die Sinne angeregt werden, um sich Poesie und Texten widmen zu können. Mehr Informationen und Anmeldung unter Telefon 02603-5099271 oder E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

Den Herbst erleben – die Fülle der Farben erfahren

Gedanken zu einer Jahreszeit

Von Hans-Peter Meyer

Wenn die Tage kürzer, die Bäume kahler werden, dann wissen wir: Es ist Herbst. Wenn es draußen kälter wird, springt im Keller die Heizung an. Niemand wird auf solchen Fortschritt verzichten wollen. Aber wir wissen auch: Den Herbst erleben wir draußen im Freien ganz anders als drinnen beim Fernsehen, und eine Sonnenblume aus Plastik ist nur vorgetäuschte, keine echte Natur.

Wie erleben wir den Herbst? Klagen wir, dass die Schatten länger werden, dass Kälte und Dunkelheit zunehmen? Befällt uns der Schmerz der Vergänglichkeit, dass das Schönste des Lebens vorbei sei und Schmerzen sich einstellen wie ungebetene Gäste? Oder können wir uns freuen über die letzten leuchtenden Blumen, die bunten Sträucher , die köstlichen Früchte, die Ernste des Jahres, über alles, was in unserem Leben nicht nur verging, sondern auch reifte in Fülle?

Für Kinder ist es ein Hochgenus, in Bergen von goldenem Laub herumzutollen. Vielleicht spüren sie dabei unbewusst die verschwenderische Fülle der Natur. Der Schöpfer ist kein Geizkragen. Die Wunder der Evolution sind unerschöpflich. Der Mensch kommt mit dem Zählen, Messen und Erforschen und will möglichst vieles oder alles beherrschen, kommt damit aber an keine Ende.

Daseinsfülle, aber auch Daseinsschmerz: Der Herbst bringt uns beides besonders nahe. „In dieses Waldes leisem Rauschen ist mir, als hör ich Kunde wehen, dass alles Sterben und Vergehen nur heimlichstill vergnügtes Tauschen“ sagt es der romantische Dichter Nikolaus Lenau. Und eine anderer, der Poet Manfred Hausmann, fasst es moderner und radikaler, in die Verse: „Wo kein Sinn mehr misst, waltet erst der Sinn. Wo kein Weg mehr ist, ist des Wegs Beginn“.

Wenn es uns gelingt, auch den Herbst mit seinen bunten Farben als kostbare Zeit zu betrachten und als Teil unseres Lebens anzunehmen, werden wir uns Freude und Zuversicht bewahren.

So hat es der Schöpfer aller Dinge sicher gewollt.

© Hans-Peter Meyer

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